Apple-SIM

Universal-SIM von Apple: Chance oder Bedrohung für die Mobilfunker?

Mit dem iPad Air 2 hat Apple seine universelle SIM auf den Markt gebracht. Mit der Apple-Lösung können Kunden ohne SIM-Karten-Tausch den Anbieter wechseln. Ist das eine Bedrohung oder eine Chance für den Mobilfunkmarkt?
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Ganz heimlich still und leise hat Apple mit seinem iPad Air 2 die universelle SIM-Karte eingeführt. Die Pläne dafür sind seit einigen Jahren bekannt, erste Patente dafür reichte der iPhone-Hersteller bereits 2010 ein. Steve Jobs selbst trieb diese Idee voran - auch wenn er sich damit auf Kollisionskurs mit den Netzbetreibern befand. Denn mit der frei programmierbaren SIM-Karte drängt sich Apple zwischen die Mobilfunker und ihre Kunden: Bislang kommt die SIM-Karte für das Smartphone oder Tablet vom jeweiligen Mobilfunkanbieter. Will der Kunde den Anbieter wechseln, braucht er eine SIM-Karte vom neuen Provider. Diese ist dann wieder an einen entsprechenden Tarif gekoppelt und in der Regel fällt eine Aktivierungsgebühr an, so dass die Kunden jedes Mal einen gewissen Aufwand haben, was natürlich auch die Wechselfreude hemmt.

Mit der universellen SIM im Apple-Gerät ist das nicht mehr so: Hier geht der Kunden einfach in das entsprechende Auswahl-Menü und wählt den aktuellen Wunsch-Anbieter aus, fertig. Kein Wunder, dass die Mobilfunker die Universal-SIM von Apple als Kriegserklärung betrachten. Sie haben schon angekündigt, ein iPhone mit der Apple-SIM nicht zu verkaufen. Warum sollten sie auch? Schließlich sind die begehrten Apple-Smartphones bisher Teil ihrer Kundengewinnungs-Pläne - gerade mit den iPhones und ihren hochvernetzten Apple-Diensten können sie vergleichsweise teure Tarife verkaufen, an die ihre Kunden dann für eine Mindestvertragslaufzeit von zwei Jahren gebunden sind. In diesen Fällen lohnt es sich dann auch, die teuren Geräte zu subventionieren. Davon haben bisher beide Seiten profitiert: Die Mobilfunker von der Beliebtheit der iPhones und Apple vom Eifer der Mobilfunker, ihre Tarife in ein attraktives Gerät verpackt unter die Leute zu bringen. Die universelle SIM von Apple: Anbieter einfach im Menü auswählen.Die universelle SIM von Apple: Anbieter einfach im Menü auswählen.

Mit der Apple-SIM würde dieses Modell obsolet: Jetzt können die Kunden flexibel auf kurzfristige Angebote reagieren und einfach das gerade für sie günstigste Tarifangebot auswählen. Theoretisch zumindest, denn das funktioniert natürlich nur, wenn die Mobilfunkanbieter mitmachen.

Insofern ist das iPad Air 2 ein interessantes, aber nicht unbedingt modellhaftes Versuchstier - bei Tablets sind die Kunden eher daran gewöhnt, dass sie das Gerät selbst bezahlen und nicht vom Mobilfunker subventioniert bekommen: Hier können sowohl Apple als auch die Mobilfunker experimentieren, ohne allzuviel zu riskieren. Die iPhone-6-Modelle kommen auch weiterhin ohne Universal-SIM - hier zögert Apple aus den bereits genannten Gründen zu recht: Ein Verkaufsboykott der großen Mobilfunker könnte den Konzern empfindlich treffen - schließlich bieten auch andere Hersteller attraktive Highend-Smartphones an.

Die Geschäftsmodelle für mobile Geräte und die entsprechenden Tarife dürften in der kommenden Zeit auf jeden Fall wieder komplexer werden. Mit dem iPad Air 2 können die Nutzer in den USA und in Großbritannien nun flexibler auf kurzfristige Tarifangebote der beteiligten Mobilfunkanbieter reagieren und das jeweils günstigste Angebot auswählen.

Neue Herausforderungen für die Mobilfunk-Betreiber

Arno Brausch, Director Development, Customer Engagement Manager bei dem auf Telekommunikations-Dienstleitungen spezialisierten Software-Hersteller Amdocs meint dazu: "Diese Entwicklung im Mobilfunkmarkt wird künftig die Partnermodelle der Mobilfunkanbieter weiter vorantreiben, denn sowohl AT&T als auch Sprint und T-Mobile haben sich in den USA auf die universelle SIM-Karte schon eingestellt. Wir erwarten, dass die Option einer flexiblen SIM-Karte den Kampf um den Kunden verschärfen wird, für den deutschen Markt dürfte das Konzept der Apple-SIM wegen der vielfältigen Tarifoptionen der einzelnen Anbieter jedoch nicht einfach umzusetzen sein. Für Apple bringt dieser strategische Schritt einen weiteren Vorteil: Das Unternehmen kann - z. B. wenn Kunden auf Reisen sind - Datenangebote steuern und entscheiden, welche Prioritäten gesetzt und wie die unterschiedlichen Datenangebote und Werbeaktionen an die Kunden kommuniziert werden."

Die Mobilfunk-Anbieter würden schon seit geraumer Zeit attraktivere Servicepakete schnüren, um die leidigen Probleme bei der Mobilfunknutzung im Ausland zu entschärfen. Vodafone sei beispielsweise mit dem ersten Schritt vorangegangen, die Gültigkeit der heimischen Datentarife auch auf Reisen ins Ausland auszuweiten. Die universell nutzbare SIM-Karte zeige einmal mehr, dass die Ertragsoptimierung im Telekommunikationsmarkt entscheidend sei. Eine kürzlich veröffentlichte Studie von Analysys Mason bestätige, dass Service-Provider für die Verwaltung der Einnahmen vermehrt marktführende Produkte einsetzen würden, um einfache, durchgängige und konvergente Abrechnungen zu ermöglichen. Damit können sie die Datentarife auf bestimmte Nutzergruppen, etwa die Familie oder auch geräteübergreifend zuschneiden. Nach den Erfahrungen von Amdocs seien die Service-Provider weltweit bestrebt, großzügige Datenvolumen in Echtzeit zu verarbeiten, um mehr Flexibilität für die Entwicklung, die schnelle Einführung und den Verkauf von ihren Servicepaketen zu haben. Auf diese Weise könnten sie von der neuen Freiheit für die Nutzer profitieren und ihre Kunden mit attraktiven Angeboten ansprechen.

Das ist natürlich auch ein interessanter Aspekt, wobei Amdocs als Entwickler von Billing- und Business-Support-Systemen für Telekommunikationsanbieter hier ein etwas anders gelagertes Interesse als die Mobilfunker selbst haben dürfte. Auf jeden Fall wird spannend, ob die Mobilfunker die Freiheit ihrer Kunden tatsächlich auch als ihre Chance sehen werden, neue Tarifmodelle unter die Leute zu bringen oder ob sie nicht doch lieber einen Bogen um die universelle SIM-Karte von Apple machen werden. Schließlich gibt es da noch eine Reihe weiterer Aspekte wie Sicherheitsfragen oder die Tatsache, dass bislang nur Apple eine Universal-SIM für seine Geräte anbietet, die gegen einen flächendeckenden Einsatz einer solchen Lösung sprechen.

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