Zwangsverhandlung

Editorial: Genau die richtige Entscheidung

Das Gericht zwingt die Kontrahenten Kwon und Cook im iPhone-Patentstreit zur Verhandlung. Das ist besser als jedes Urteil, das es fällen könnte, denn am Ende profitieren Samsung und Apple gegenseitig von ihren Entwicklungen.
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Den beiden iPhone-Patent-Streithähnen, Samsung-Chef Oh-Hyun Kwon und Apple-Chef Tim Cook, hat das zuständige Gericht erneut aufgetragen, miteinander zu verhandeln, statt eine Lösung vor Gericht zu suchen. Das ist genau die richtige Entscheidung. Denn man kann in diesem Verfahren mitnichten behaupten, der eine hätte vom anderen geklaut. Genau anders herum sieht es aus: Beide haben wechselseitig von der starken Konkurrenz profitiert. Ohne den jeweils anderen würden Samsung und Apple heute weniger Smartphones verkaufen als mit.

Patentstreit zwischen Apple und SamsungPatentstreit zwischen
Apple und Samsung
Samsung hat schon erfolgreich Smartphones gebaut, lange bevor das iPhone überhaupt projektiert worden war. Schrittweise hat Samsung seine Produkte immer weiter verbessert. Von dieser Erfahrung Samsungs, und von der Erfahrung der Mobilfunkbranche allgemein mit Smartphones, hat Apple ungemein profitiert. Wie wichtig das "Phone" im "iPhone" ist, sieht man nicht nur am Namen, sondern auch an den Verkaufszahlen: Apple selber hat nämlich ein iPhone ohne Mobilfunkmodul im Programm, den iPod touch. Dieser verkauft sich trotz eines deutlich günstigeren Preises gegenüber des iPhones nur mit einem Bruchteil der Stückzahl!

Andererseits hat die Mobilfunkbranche im Allgemeinen und Samsung im Speziellen dadurch kräftig profitiert, dass Apple mit dem Touchscreen und iOS die Bedienung von Smartphones drastisch vereinfacht und somit für den Massenmarkt geöffnet hat. Die Meldung, dass die Zahl der Smartphones mittlerweile die Zahl der PCs übertrifft - ohne Apples iPhone hätte diese wahrscheinlich erst zwei oder drei Jahre später die Runde gemacht. Ein Touchscreen ist für die Nutzer einfacher in der Bedienung als Hotkeys, und ohne Gesten für Zoom und Scrollen mobiles Surfen eine Qual.

Zeit also, dass beide Kontrahenten sich zusammensetzen, ihre wechselseitigen Verdienste anerkennen, und dann gegenseitige Patenttantieme in sinnvoller Höhe festlegen. Danach können sich beide Seiten wieder darauf konzentrieren, ihre Produkte kontinuierlich zu verbessern oder die nächste disruptive Innovation aushecken. Mit letzterem war Apple nun schon wiederholt erfolgreich. Warum sollte nicht bald der nächste Coup gelingen?

"Sanfter Druck"

Fast wünscht man sich, dass zudem "sanfter Druck" auf die beiden Verhandlungspartner ausgeübt wird, um die Chancen auf eine Einigung zu verbessern. Immerhin ist dieses schon das dritte Mal, dass die Chefs von Samsung und Apple auf Anweisung des Gerichts zusammenkommen. So könnten externe Berater verpflichtet werden, den beiden Unternehmenschefs aufzeigen, wie beide Unternehmen unter der Nicht-Einigung leiden. Radikal wäre die Variante, dass beide Seiten die Verhandlungen so lange fortsetzen müssen, bis eine Einigung erzielt ist. Aber vielleicht reicht es ja bereits, dass das Gericht Beobachter zu der Verhandlung schickt und androht, in der Patentsache gegen die Seite zu entscheiden, die sich bei den Patentverhandlungen unnötig starr und unbeweglich verhält. Am Ende geht's ja doch um's liebe Geld.

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