Smartphone-Test

Retro trifft Klassik: Apple iPhone 12 im Test (mit Video)

Vier iPhone-Modelle stellte Apple im Oktober vor. Nach dem Pro-Modell haben wir uns nun auch das "normale" iPhone 12 ange­schaut. Unsere Eindrücke lesen Sie im Test.

Beim Blick auf das Display gibt sich das iPhone 12 nicht die größte Mühe, um sich etwa durch heraus­ragende Design-Inno­vationen von den Vorjah­res­ver­tre­tern abzu­heben. Nach wie vor bestimmt die breite Bade­wannen-Notch den Fokus des Betrach­ters. Das ist und bleibt eben Geschmack­sache. Das Display-Design mit der großen Ausker­bung ist seit dem iPhone X von 2017 bewährtes Stil­mittel. Das neue, flache Gehäu­sede­sign wirkt frisch, ist in Wahr­heit aber noch älter und vor zehn Jahren verwendet worden, um das iPhone 4 in Szene zu setzen.

Apple vereint im Krisen­jahr 2020 also altbe­währtes Design mit noch älterem. Was man wie eine totale Vernich­tung des iPhone-12-Looks lesen könnte, erweist sich aber als genau richtig. Und neue Technik unter der Haube gibt es ja nun auch noch. Unsere Eindrücke von der rund 877 Euro teuren Basis-Vari­ante des iPhone 12 lesen Sie in diesem Test­bericht.

Design: Retro trifft Klassik

Das Display des iPhone 12 misst 6,1 Zoll Das Display des iPhone 12 misst 6,1 Zoll
Bild: teltarif.de

Apple iPhone 12

Aus Alt mach Neu: Klappt nicht immer, beim iPhone 12 aber umso besser. Was beim iPad Pro funk­tio­niert, steht auch der neuen iPhone-Gene­ration: ein flacher Gehäu­serahmen, der tadellos verar­beitet ist und hoch­wertig in der Hand liegt. Hier gibt es nichts auszu­setzen. Das 6,1-Zoll-Display ist merk­lich kleiner als die 6,7-Zoll-Einheit des iPhone 12 Pro Max, "zu klein" ist es aber nicht. Trotz der großen Notch sind die Display­ränder noch zeit­gemäß schmal, weitere, störende Elemente gibt es nicht.

Im Strea­ming- und Gaming-Test hatten wir nicht das Gefühl, dem iPhone 12 mit 6,1 Zoll fehlt für Multi­media-Anwen­dungen Größe. Im Gegen­teil: Das kompakte Design sorgt für ange­nehme Hand­lich­keit, was auch einer einhän­digen Bedie­nung ins Gefühl spielt. Die Funk­tions­tasten - rechts der Power­button, links zwei Laut­stär­ketasten und der Mute-Swit­cher - sind gut zu errei­chen. Die Glas­rück­seite machte das Gerät im Test zwar nicht über­mäßig rutschig, Finger­abdrücke bedeckten die Fläche, die kabel­loses Laden unter­stützt, aber ziem­lich schnell. Die Blickwinkelstabilität des Displays Die Blickwinkelstabilität des Displays
Bild: teltarif.de
Gerade bei teuren Smart­phones ist ein Schutz­case empfeh­lens­wert, mit dem nackten iPhone 12 in der Hand zu spielen, machte uns aber zu viel Spaß. Eine Hülle oder Bumper würde das Format vergrö­ßern, was wirk­lich schade wäre. Aber das muss jeder Nutzer für sich entscheiden.

Im unteren Gehäu­serahmen ist weiterhin ein Light­ning-Anschluss verbaut. Im Liefer­umfang enthalten ist ein entspre­chendes Gegen­stück, das zu USB-C leitet. Ein Netz­teil fehlt, was die Verpa­ckung, in der das Handy gebettet ist, schlanker macht als die der Vorgänger. Zum Thema "Weglassen" gibt es Pro- und Contra-Stimmen. Zu Pro zählt sicher­lich Umwelt­schutz und der Gedanke, dass Viel­geräte-Nutzer nicht mehr zig Adapter horten. Ande­rer­seits gibt es jene, die ihr Handy samt Zubehör verkaufen, bevor sie auf die nächste Gene­ration über­sie­deln. Die sind dann gezwungen, extra Geld in die Hand zu nehmen, um sich ein Netz­teil zu kaufen. Die Rückseite der blauen Farbvariante Die Rückseite der blauen Farbvariante
Bild: teltarif.de

Perfor­mance

Klingt nach Lobhu­delei, aber was anderes als ausge­zeich­nete Leis­tung hätten wir von Apples aktu­eller Prozes­sor­gene­ration "A14 Bionic" nicht erwartet. Alle Aktionen, die wir im Rahmen des Tests ausführten, verliefen flüssig und schnell. Das spie­gelt sich auch in einem sehr hohen Gesamt­wert wider, den wir aus dem von uns gestar­teten AnTuTu-Bench­mark-Test ermit­telten. Mit einem Wert von 564 055 gehört das iPhone 12 damit zu den schnellsten aktuell von uns getes­teten Smart­phones. Zum Vergleich: Das OnePlus 8T, das mit dem sehr schnellen Snap­dragon 865 von Qual­comm arbeitet, erreichte im von uns gestar­teten AnTuTu-Bench­mark einen Gesamt­wert von 582 511.

Da macht es auch nicht unbe­dingt etwas, dass Apple bei der neuen iPhone-Gene­ration nicht auf den Zug der höheren Display-Bild­wie­der­hol­raten aufge­sprungen ist, um die Darstel­lung optisch weiter zu "verflüs­sigen", die Perfor­mance des iPhone 12 ist schlicht genug. Apple bleibt dem Lightning-Anschluss treu Apple bleibt dem Lightning-Anschluss treu
Bild: teltarif.de
Im Displayhel­lig­keits­test haben wir einen Wert von 634 cd/m² ermit­teln können. Das ist über­durch­schnitt­lich gut, für einen Platz in unserer Besten­liste der Smart­phones mit dem hellsten Displays hat es aber nicht gereicht. Hier konnte sich das eben­falls im Oktober vorge­stellte iPhone 12 Pro mit einem nochmal höheren Wert einen Platz sichern.

Der Strom­spei­cher des iPhone 12 ist mit 2815 mAh bemessen. Wer einen Blick auf Android-Werbe­monster mit 5000 mAh und mehr wirft, darf sich von der vergleichs­weise geringen Kapa­zität nicht beirren lassen. Apples Betriebs­soft­ware setzt in der Regel auf ein gutes Manage­ment. In unserem Akku­test haben wir eine Lauf­zeit von rund sieben Stunden ermit­telt. Auch wenn einige Android-Smart­phones teil­weise deut­lich mehr schaffen, wie unsere Besten­liste der Smart­phones mit langer Akku­lauf­zeit beweist, sollten durch­schnitt­liche Smart­phone-Nutzer mit dem iPhone 12 in der Regel durch den Tag kommen. Aller­dings hängt das immer vom typi­schen, indi­vidu­ellen Nutzungs­ver­halten ab. Zudem sei erwähnt, dass die perma­nente Akti­vie­rung von 5G-Nutzung die Akku­lauf­zeit verkürzen kann. Mute-Switcher und die Tasten für die Lautstärke Mute-Switcher und die Tasten für die Lautstärke
Bild: teltarif.de
Die Basis-Vari­ante des iPhone 12 verfügt über 64 GB interne Spei­cher­kapa­zität. Erwei­terbar ist diese nach wie vor nicht, sodass Nutzer sich über­legen müssen, ob der Spei­cher­platz ihren Ansprü­chen genügt und die etwaige Unter­stüt­zung von Cloud-Diensten ausreicht oder ob der Griff in die Tasche etwas tiefer sein sollte, um sich gleich für die Version mit 128 GB oder gar für die mit 256 GB zu entscheiden. Den Aufpreis von rund 49 Euro für die Vari­ante mit doppeltem Spei­cher, also 128 GB, defi­nieren wir als human.

iPhone 12 im Video

Im Karten­slot ist Platz für eine Nano-SIM-Karte. Eine elek­tro­nische SIM-Karte (eSIM) komplet­tiert das Dual-SIM-Features des iPhones der Namens­gene­ration "12". Das heiß ersehnte Feature dieses Jahr ist die Unter­stüt­zung des 5G-Mobil­funk­stan­dard. Wie die neue iPhone-Gene­ration dabei abschneidet, haben wir bereits ausführ­lich mit dem 12-Pro-Modell auspro­biert. In diesem Rahmen haben wir fest­stellen können, dass die 5G-Nutzung mit dem iPhone auch in Regionen funk­tio­niert hat, wo die Netz­kon­figu­ration der Telekom dafür sorgt, dass beispiels­weise 5G-Smart­phones von Samsung im LTE-Netz bleiben. Das iPhone 12 unterstützt Dual-SIM (Nano-SIM + eSIM) Das iPhone 12 unterstützt Dual-SIM (Nano-SIM + eSIM)
Bild: teltarif.de
Mit dem iPhone 12 selbst haben wir test­weise 5G-Verbin­dungs­ver­suche im Südwesten Berlins und im Bezirk Tempelhof-Schö­neberg unter­nommen. Zu den höchsten Werten, die wir im 5G-Netz der Deut­schen Telekom ermit­telt haben, gehören 296 MBit/s im Down­load und 35,5 MBit/s im Upload.

Tele­fonie und Sound

Die Qualität der Stereo­laut­spre­cher ist auf einem guten Niveau. Auch auf etwa drei viertel aufge­dreht, lässt sich in der Regel noch gut Musik hören ohne, dass die Ausgabe störend erscheinen könnte. Die Tele­fonie­qua­lität über die interne Muschel könnte aller­dings etwas besser sein. Insge­samt erschien uns die Über­tra­gung etwas dünn. Dagegen empfanden wir die Tele­fonie über freies Spre­chen besser, klarer und bass­las­tiger.

Kame­ratest und Fazit

iPhone 12: Haupt­kamera im Test

Im Gegen­satz zur Triple­kamera der Pro-Modelle fehlt dem Dual-Setup des iPhone 12 das Tele­objektiv. Wir haben mit der Kamera des iPhone 12 verschie­dene Aufnahmen gemacht. Bei ersten Schnapp­schüssen (s. folgendes Bild) unter guten Licht­bedin­gungen zeigen sich Aufnahmen mit vielen Details. Weitere Aufnahmen haben wir unter freiem Himmel gemacht. Die Aufnahme im Stan­dard-Modus erweist sich als unauf­fällig. Inter­essant ist, dass die Aufnahme der glei­chen Szenerie im Weit­winkel-Modus sichtbar kontrast­rei­cher ist. Zwei Schnappschüsse mit der Kamera des iPhone 12 Zwei Schnappschüsse mit der Kamera des iPhone 12
Bild: teltarif.de
Die Aufnahme mit fünf­fachem digi­talen Zoom konnte uns aufgrund fehlender Details nicht über­zeugen. Bei Nah-Aufnahmen wird ein schöner Bokeh-Effekt mit Detail­reichtum des fokus­sierten Objekts erzeugt. Die Außen-Aufnahmen, die wir mit der Haupt­kamera des iPhone 12 gemacht haben, können Sie sich nach­fol­gend anschauen.

Haupt­kamera: Außen-Aufnahmen

Weiterhin haben wir die Kameras auch unter Labor­bedin­gungen auspro­biert. Die Aufnahme bei gutem Licht ist auf einem sehr guten Niveau mit natür­lichen Farben und vielen Details. Aufnahmen bei guten Licht­ver­hält­nissen sind jedoch nicht die größte Anstren­gung für eine Smart­phone-Kamera. Inter­essanter sind Fotos bei schlechtem Licht mit geringer Licht­quelle. Bullaugen-Dualkamera auf der Rückseite Bullaugen-Dualkamera auf der Rückseite
Bild: teltarif.de
Deren Analyse bringt ein ähnli­ches Ergebnis, wie wir es auch beim Test des iPhone 12 Pro erreichten: Im Stan­dard-Modus fehlt der Aufnahme die Hellig­keit, was zulasten der unein­geschränkten Erkenn­bar­keit der Farben und der Detail­dar­stel­lung geht. Der Nacht­modus der Kamera kann hier deut­lich mehr heraus­holen, Detail­dar­stel­lung erhöhen und die Hellig­keit nach oben regu­lieren. Auf maxi­maler Stufe ist zudem eine noch längere Belich­tungs­zeit vorge­sehen. Zudem werden dort im Vergleich zur Auto-Aufnahme mehr Details repro­duziert, wie beim Blick auf die Blüte der Test­rose deut­lich wird. Unter Labor­bedin­gungen ist der Unter­schied jedoch als minimal zu bewerten. Die Aufnahmen, die wir unter Labor­bedin­gungen mit der Kamera des iPhone 12 gemach haben, können Sie sich nach­fol­gend anschauen.

Haupt­kamera: Labor-Aufnahmen

iPhone 12: Selfie­kamera im Test

Auch vom breiten Notch-Design gibt es keine Entsagung Auch vom breiten Notch-Design gibt es keine Entsagung
Bild: teltarif.de
Die Selfie­kamera macht bei gutem Licht gute Bilder. Bei schlechtem Licht fehlt der Aufnahme die Hellig­keit, um sie vom schwarzen Hinter­grund sichtbar zu trennen. Die Kamera-Soft­ware bietet auch für die Front­kamera einen Nacht­modus mit verschie­denen Einstell­mög­lich­keiten an. Das Ergebnis ist grund­sätz­lich gut, weil die Hellig­keit der Aufnahme deut­lich erhöht wird und auch Details des sonst schwarzen Hinter­grunds sichtbar gemacht werden.

Aller­dings gibt es wie auch beim Test der Selfie­kamera des iPhone 12 Pro fest­gestellt ein erwäh­nens­wertes Manko: Die lange Belich­tungs­zeit sorgte dafür, dass es für uns schwierig war, frei­händig unver­wackelte Aufnahmen hinzu­bekommen. Auch nach mehreren Versu­chen blieb die Schwie­rig­keit bestehen. Die Aufnahmen, die wir mit der Front­kamera des iPhone 12 gemacht haben, können Sie sich nach­fol­gend anschauen.

Selfie­kamera: Labor-Aufnahmen

Fazit

Das iPhone 12 verbindet bewährtes Design mit einer Gehäuse-Optik aus der Vergan­gen­heit und neuer Technik. Klingt alt, altba­cken wirkt das Gesamt­paket dafür noch lange nicht. Das iPhone 12 ist schick anzu­sehen, liegt gut in der Hand und wird sicher­lich für nicht wenige Nutzer abseits von manch anderen Riesen-Phablets als ideale Größe durch­gehen. Weiterhin besticht es durch seinen schnellen Prozessor. Nun kommt auch das Basis-iPhone mit OLED statt LCD. Neu ist auch die Unter­stüt­zung des 5G-Mobil­funk­stan­dards.

Die Haupt­kamera macht bei gutem Licht grund­sätz­lich gute Aufnahmen. Bei schlechtem Licht unter Labor­bedin­gungen kann der Nacht­modus deut­lich bessere Ergeb­nisse liefern. Verwa­ckelte Aufnahmen sind aufgrund der langen Belich­tungs­zeit aber vorpro­gram­miert. Mögli­cher­weise schafft ein Soft­ware-Update Abhilfe.


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Gesamtwertung von teltarif.de
Apple iPhone 12

PRO
  • Ausgezeichnete Gesamtperformance
  • Schickes, handliches Design
CONTRA
  • Große Notch
  • Interner Speicher nicht erweiterbar
  • Verwackelte Bilder im Selfie-Nachtmodus
Testzeitpunkt:
11/2020
Apple iPhone 12
Testurteil
gut (1,8)
Preis/Leistung: 3,0
Bewertung aktuell: 1,8
Einzelwertung
Datenblatt
Erklärung Testverfahren
Testsiegel downloaden

Einzelwertung Apple iPhone 12

Gesamtwertung
gut (1,8)
85 %
Preis/Leistung
3,0
  • Gehäuse / Verarbeitung 9/10
    • Material 9/10
    • Haptik 9/10
    • Verarbeitung Gehäuse 10/10
  • Display 9/10
    • Touchscreen 8/10
    • Helligkeit 10/10
    • Pixeldichte 7/10
    • Blickwinkelstabilität 9/10
    • Farbechtheit (DeltaE) 10/10
    • Kontrast 10/10
  • Leistung 10/10
    • Benchmark Geekbench Single 10/10
    • Benchmark Geekbench Multi 10/10
    • Benchmark Browsertest 10/10
    • Benchmark Antutu 10/10
  • Software 10/10
    • Aktualität 10/10
    • Vorinstallierte Apps 9/10
  • Internet 9/10
    • WLAN 10/10
    • LTE 10/10
    • LTE Geschwindigkeit 10/10
    • 3G 10/10
    • Empfangsqualität 8/10
    • Dual-SIM 8/10
  • Telefonie 8/10
    • Sprachqualität 7/10
    • Lautstärke 9/10
    • Lautsprecher (Freisprechen) 9/10
  • Schnittstellen / Sensoren 7/10
    • USB-Standard 7/10
    • NFC 10/10
    • Navigation 9/10
    • Bluetooth 10/10
    • Kopfhörerbuchse 5/10
    • Video-Out 1/10
    • Fingerabdruckscanner 0/10
    • Gesichtserkennung 10/10
  • Speicher 5/10
    • Größe 7/10
    • SD-Slot vorhanden 0/10
  • Akku 9/10
    • Laufzeit (Benchmark) 8/10
    • Induktion 10/10
    • Schnellladen 10/10
  • Kamera 7/10
    • Hauptkamera
    • Bildqualität hell 9/10
    • Bildqualität dunkel 5/10
    • Bildstabilisator 10/10
    • Frontkamera
    • Bildqualität hell 8/10
    • Bildqualität dunkel 5/10
    • Kameraanzahl 8/10
    • Video 8/10
    • Handling 8/10
  • Bonus 1
    • eSIM
alles ausklappen
Gesamtwertung 85 %
gut (1,8)

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