Gerichtsverfahren

Prozess: "Fortnite" will eigenen App Store auf dem iPhone

In einem Prozess zwischen Apple und der "Fort­nite"-Firma Epic Games geht es darum, wie Apps auf dem iPhone verkauft werden können. Am ersten Tag nahmen Apples Anwälte Epic-Chef Tim Sweeney ins Kreuz­verhör.

Apple und der "Fort­nite"-Entwickler Epic Games streiten seit gestern in einem Prozess in Kali­for­nien, der das App-Geschäft auf dem iPhone verän­dern könnte. Die Spie­lefirma will einen eigenen App Store auf dem iPhone betreiben und Apple keine Abgabe für Einnahmen aus dem Verkauf digi­taler Artikel zahlen.

Apple vertei­digt das aktu­elle System, bei dem Anwen­dungen nur über den App Store des Konzerns geladen werden können. Das sei unter anderem notwendig, um die Nutzer vor Betrug und Soft­ware-Fehlern zu schützen.

Epic: Müsse Raum für Alter­nativen geben

Epic-Chef Tim Sweeney sagte unter anderem, Apples Regeln schadeten "jeder Facette" des Epic-Geschäfts Epic-Chef Tim Sweeney sagte unter anderem, Apples Regeln schadeten "jeder Facette" des Epic-Geschäfts
Bild: picture alliance/dpa/FR34727 AP | Noah Berger
Der Streit entbrannte im August. Epic hielt sich nicht mehr an die seit mehr als einem Jahr­zehnt geltende Vorgabe, dass virtu­elle Artikel in seinem popu­lären Spiel "Fort­nite" auf iPhones nur über das System der In-App-Käufe von Apple ange­boten werden können. Dabei behält Apple 30 Prozent des Kauf­preises ein.

Epic-Anwältin Kathe­rine Forrest verglich Apple deswegen mit einem Auto­bauer, der jedes Mal 30 Prozent vom Preis beim Auftanken haben wolle. Apple entgeg­nete, es seien in der Branche übliche Kondi­tionen und die Inves­titionen in den Aufbau der Platt­form recht­fer­tigten die Abgabe. Außerdem könnten "Fort­nite"-Spieler digi­tale Inhalte oder die Spiel-Währung "V-Bucks" auch anderswo kaufen und auf dem iPhone nutzen - ohne dass dabei etwas an Apple abfiele. Der erste Prozesstag wurde von den Eröff­nungs­plä­doyers und der Befra­gung von Epic-Chef Tim Sweeney ausge­füllt. Er sagte unter anderem, Apples Regeln scha­deten "jeder Facette" des Epic-Geschäfts. Er unter­stütze das Recht von Apple, ein System für In-App-Käufe anzu­bieten - aber es müsse auch Raum für Alter­nativen geben.

Das iPhone sei hoch­pro­fitabel

Im Kreuz­verhör wiesen Apples Anwälte Sweeney darauf hin, dass Epic kein Problem damit habe, zu iden­tischen Kondi­tionen auf Spie­lekon­solen wie Sonys Play­sta­tion oder Micro­softs Xbox aktiv zu sein. Er argu­men­tierte mit unter­schied­lichen Ausgangs­posi­tionen: Konsolen-Hard­ware gelte als ein Verlust­geschäft, bei dem Geld über Spiele verdient werden müsse. Das iPhone sei hingegen hoch­pro­fitabel.

"Fort­nite" komme aktuell insge­samt auf 400 Millionen Spieler, sagte Sweeney. Die Apple-Anwälte betonten zugleich, dass die Konsolen für Epic eine viel wich­tigere Geld­quelle als das iPhone seien. So habe "Fort­nite" auf der Play­sta­tion sechs Milli­arden Dollar bis Ende 2020 einge­spielt und 3,5 Milli­arden Dollar auf der Xbox. Auf dem iPhone habe Epic hingegen 750 Millionen Dollar einge­nommen. Der eigene App Store von Epic sei unter­dessen hunderte Millionen Dollar davon entfernt, profi­tabel zu sein, sagte Sweeney. Er rechne mit schwarzen Zahlen dort erst in drei oder vier Jahren.

Fort­nite wurde aus dem App Store geworfen

Im vergan­genen Sommer schmug­gelte Epic einen eigenen Kauf­mecha­nismus in der iPhone-App an Apples Prüfern vorbei und akti­vierte ihn im August. Apple warf die App daraufhin aus dem Store. Wer sie bereits auf dem Telefon hatte, kann sie aber weiter nutzen - und dabei digi­tale Artikel direkt bei Epic ohne App-Store-Abgabe kaufen. Er sei nicht sicher gewesen, ob Apple "Fort­nite" nach der Aktion aus dem App Store verbannen oder nach­geben würde, sagte Sweeney.

Epic wirft Apple in seiner Klage unfairen Wett­bewerb vor - mit der Begrün­dung, dass Apple ein Monopol beim App-Vertrieb auf dem iPhone habe. Apple entgegnet, dass man das iPhone nicht als eigen­stän­digen Markt abgrenzen könne, sondern das Spie­lege­schäft auf verschie­denen Platt­formen betrachten müsse.

Wessen Argu­men­tation Rich­terin Yvonne Gonzalez Rogers in dieser Frage folgt, könnte ein entschei­dender Faktor für den Ausgang des Verfah­rens werden. Zugleich ist davon auszu­gehen, dass die unter­legene Partei in Beru­fung geht.

App-Platt­form müsse als ein sepa­rates Produkt gesehen werden

Eine weitere Schlüs­sel­frage ist, ob der App Store als Teil der iPhone-Nutzung zu betrachten ist, wie Apple argu­men­tiert. Der iPhone-Konzern verweist unter anderem darauf, dass man bei einem zentra­lisierten App Store die Möglich­keit habe, alle Anwen­dungen zu prüfen.

Epic argu­men­tiert, die App-Platt­form müsse als ein sepa­rates Produkt gesehen werden. Schließ­lich lasse Apple auf seinen Mac-Compu­tern seit jeher auch das Laden von Soft­ware aus anderen Quellen als dem haus­eigenen App Store zu. Apple verweist darauf, dass die Sicher­heits­anfor­derungen beim Smart­phone höher seien.

Zum Prozess­auf­takt warf Epic-Anwältin Forrest Apple vor, der Konzern habe ein geschlos­senes System rund um das iPhone aufge­baut, um Nutzer vom Wechsel auf Android-Tele­fone abzu­halten. Apple-Anwältin Karen Dunn konterte, Epic verlange, dass der iPhone-Konzern unsi­chere und unge­prüfte Apps auf die Platt­form lasse.

Sie griff eben­falls zu einem bild­haften Vergleich: Bei der Frage nach der Markt-Eingren­zung verhalte sich Epic wie ein Wein­pro­duzent, der eine Wett­bewerbs­klage anstrenge, aber dabei den Wein­handel ausklam­mere.

EU-Kommis­sion, Spotify und Apples App Store

Das Verfahren weist Paral­lelen zu den Ermitt­lungen der EU-Kommis­sion auf, die Apple vergan­gene Woche unfairen Wett­bewerb im App Store vorge­worfen hatte. Apple benach­tei­lige andere Anbieter von Musik­strea­ming-Apps, erklärte Wett­bewerbs­kom­mis­sarin Margrethe Vestager.

Die Brüs­seler Behörde sieht unter anderem ein Problem in der Regel, dass die Verkäufe von Abos in den Apps über Apples Bezahl­platt­form abge­wickelt werden müssen. Dabei behält der Konzern 30 oder 15 Prozent der Einnahmen ein. Spotify findet es unfair, dass für Apple als Platt­form-Betreiber bei seinem eigenen Musik­dienst wegen dieser Abgabe beim glei­chen Abo-Preis mehr Geld übrig bleibe.

Auch im Brüs­seler Fall argu­men­tierte Apple, dass Nutzer die Abos ohne die Abgabe auf Spotifys Website erwerben und auf dem iPhone nutzen könnten. Die Kommis­sion betrachtet - genauso wie Epic - das iPhone als eigen­stän­digen Markt für den App-Vertrieb.

Apple veröf­fent­lichte jüngst ein Update auf iOS 14.5.1. Mehr dazu lesen Sie in einer weiteren News.

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