Jubiläum

10 Jahre App Store: Hier war Apple tatsächlich ein Pionier

Mit dem Apple App Store öffnete vor 10 Jahren der erste erfolgreiche Vertriebskanal für Software auf Mobilgeräten. Damit begründete Apple den Erfolg von iPhone und iPad - und veränderte die Welt.
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Warum wurde das 2007 vorgestellte iPhone zu einem rauschenden Erfolg für Apple? Weil es technisch aktuell war, ausgereift, günstig zu erwerben? - Nein, man muss eher sagen: iPhone und später iPad wurden ein Erfolg, obwohl sie in ihrer jeweiligen Zeit angestaubte Technik zu einem viel zu hohen Preis boten. Verantwortlich für den Erfolg war das sogenannte "Ökosystem", das Apple um die Geräte herum kreierte.

Letztendlich hat Apple nicht unbedingt mit iPhone und iPad die Welt verändert, sondern mit einem neuartigen Vertrieb von Musik und Software für Mobilgeräte. Den iTunes Store gab es bereits seit April 2004, also gut vier Jahre vor dem ersten iPhone. Der App Store öffnete allerdings erst einige Monate nach dem iPhone-Start - und zwar vor 10 Jahren am 10. Juli 2008, sozusagen zeitgleich mit dem Start des iPhone 3G am darauffolgenden Tag.

App Store 2008: Mobile Software nur mit passendem Gerät und Tarif

Apples App Store der ersten Generation 2008Apples App Store der ersten Generation 2008 Seit Beginn des Mobilfunkzeitalters waren Handys softwaretechnisch für den Endanwender recht "statische" Geräte gewesen. Erst später wurde es möglich, bei Business-Handys und Feature-Handys eine Kabelverbindung zum Computer herzustellen, über die man die Firmware aktualisieren sowie Logos und Klingeltöne oder Musikdateien aufspielen konnte. Echte "Anwendungssoftware" für Handys war aber in dieser Zeit noch rar, oft teuer und das mobile Internet spielte wegen der teuren Tarife mit Minuten- oder MB-Abrechnung nur eine untergeordnete Rolle.

Erste Vorformen heutiger Appstores waren die Paketmanager für Linux-Distributionen oder Insel-Lösungen wie der "Electronic AppWrapper" für NeXT-Systeme, App-Plattformen für PDAs, i-mode-Apps in Japan und eine App-Plattform für das Maemo-Gerät Nokia 770 Internet Tablet.

Auch Apple hat wohl erkannt, dass ein Vertrieb mobiler Software über GPRS/EDGE wie beim ersten iPhone nur wenig sinnvoll ist, wenn man sich nicht gerade in einem WLAN befindet. Erst mit dem iPhone 3G und einem entsprechenden Tarif wurde das Herunterladen und Installieren von Apps außerhalb eines WLANs erstmals komfortabel.

Zu Beginn nur 500 Apps

"Als Apple am 10. Juli 2008 den App Store mit 500 Apps startete, löste dies ein kulturelles, soziales und wirtschaftliches Phänomen aus, das die Art und Weise, wie Menschen arbeiten, spielen, sich treffen, reisen und vieles mehr veränderte", schreibt Apple in seinem eigenen Rückblick auf die Anfänge des App Store. Das ist ausnahmsweise einmal nicht übertrieben. Mittlerweile ist der App Store in 155 Ländern zugänglich.

Verändert hat der App Store eben nicht nur die Art und Weise, wie wir heutzutage mobile Geräte nutzen, sondern auch die Art und Weise, wie Software entwickelt und vertrieben wird. Für den Computer konnte man sich entweder Software im Laden kaufen oder kostenpflichtig beziehungsweise in Form von Free- und Shareware aus dem Internet herunterladen. Dazu musste man entweder die Seite des Entwicklers ansurfen oder die Downloadportale von Computerzeitschriften beziehungsweise deren Heft-CDs durchforsten. Doch auch dann wusste man nicht immer hundertprozentig genau, ob die heruntergeladene Software wirklich absturzfrei auf dem eigenen Gerät läuft.

Der App Store gab Entwicklern die Möglichkeit, nach konkreten Vorgaben Apples mobile Software zu entwickeln und über eine gemeinsame weltweite Plattform allen Smartphone-Nutzern anzubieten. Das konnte entweder kostenlos sein oder gegen ein entwicklerübergreifendes Bezahlsystem. Dieses Bezahlsystem wurde natürlich ebenfalls von Apple bereitgestellt und sicherte Apple mit einer prozentual recht hohen Umsatzbeteiligung satte Zusatzeinnahmen. Für den Kunden hatte das den Vorteil, dass er nicht direkt mit dem Entwickler Kontakt aufnehmen und an diesen bezahlen musste.

Manche Startups wie Instagram, Calm oder Uber setzten sofort ihren ganzen Geschäftserfolg auf das mobile Business. Wer vorher "nur" im Internet mit einer Webseite vertreten war, musste nun zusehen, bald eine App zur Verfügung zu stellen, um nicht reihenweise Nutzer zu verlieren. Denn durch die Möglichkeit, In-App-Käufe anzubieten, konnten App-Entwickler eine dauerhafte Geschäftsbeziehung zu ihren Kunden aufbauen, die über den einmaligen App-Kauf hinausging. Unnötig zu sagen, dass Apple diese Funktion 2009 nicht ganz uneigennützig zur Verfügung gestellt hat, 2001 kamen Abonnements hinzu.

Die breite Verfügbarkeit von Streaming-Abonnements für Musik und Videos über Apps führte dazu, dass das Geschäft mit einzelnen Musik- und Video-Downloads nach und nach uninteressant wurde. Und die zunehmende Verbreitung von GPS, Kameras und anderen Sensoren in Smartphones erlaubte nicht nur zahllose standortbezogene Dienste, sondern auch ein Heer an Fitness-Anwendungen, Augmented-Reality-Apps oder Navigations- und Kartendiensten.

Ein Pokemon-Go-Event
Ein Pokemon-Go-Event

Aufgeschreckt: Die Konkurrenz muss nachziehen

Etablierte Branchengrößen wie Nokia merkten, dass ihnen möglicherweise Einnahmen verloren gehen, wenn sie nicht ebenfalls einen Appstore nach dem Vorbild Apples bereitstellen. Noch im Oktober 2008 eröffnete Google den Android Market für das einen Monat zuvor gestartete Android - heutzutage nennt sich der digitale Marktplatz Google Play Store. 2009 startete der Ovi Store für Symbian und verwandte Systeme, der später in Nokia Store umbenannt wurde. 2010 folgte Microsoft mit dem Windows Phone Marketplace, der später in Windows Phone Store umbenannt wurde. Später gab es sogar Appstores für Desktop-Betriebssysteme wie den Mac App Store (2011) und den Microsoft Store (ab Windows 8, 2012).

So nach und nach mussten sich Apple und die anderen Appstore-Betreiber mit Themen herumschlagen, die ihnen vielleicht nicht immer ganz angenehm waren: Was passiert, wenn jemand eine unseriöse App veröffentlicht oder per Fake-App hemmungslos die Daten der Nutzer ausspäht? Wie können App-nutzende Kinder vor Inhalten wie Pornografie oder Gewalt geschützt werden? Gelten gesetzlich verbriefte Gewährleistungs- und Rückgaberechte auch für Apps und andere digitale Güter? Können Entwickler dazu gezwungen werden, für andere Displaygrößen wie beim iPad eine separate App zu entwickeln? Gehen dem Appstore-Betreiber Einnahmen verloren, wenn der Entwickler in seiner App exzessiv Werbung einblendet? Dürfen diktatorische Staaten verlangen, dass in ihren Ländern diverse Apps gesperrt werden?

Alle diese Fragestellungen führten dazu, dass die Anbieter von Appstores ihre Sicherungsmechanismen stetig weiterentwickelt haben, ohne dabei das "Geschäftsmodell" in Frage zu stellen, an dem mittlerweile nicht nur Appstore-Anbieter und Entwickler, sondern auch Tracking- und Werbenetzwerke einen großen Anteil haben.

Auf unserer Ratgeberseite zu Appstores verraten wir nicht nur wichtige Hintergrundinformationen zu den digitalen Marktplätzen, sondern nennen auch alternative Appstores. Und hier gibt es die Apps von teltarif.de.

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