Messenger-Sicherheit

Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei Smartphone-Messengern

Bei Ende-zu-Ende-Verschlüs­selung kann niemand außer den Gesprächs­part­nern lesen, was gesendet wurde, nicht einmal der Messenger-Dienst selbst. Wie dies funk­tioniert und warum die Daten der WhatsApp-Nutzer trotzdem nicht voll­kommen anonym sind, erfahren Sie in diesem Ratgeber.
Von Melanie Spies

WhatsApp Ende-zu-Ende-Verschlüsselung Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei Smartphone-Messengern
Bild: teltarif.de
Verschlüs­selung bedeutet, dass eine lesbare Infor­mation (Klar­text) durch einen Schlüssel in einen Geheim­text umge­wandelt wird. Nur mithilfe eines dazu passenden Schlüs­sels kann der Geheim­text wieder lesbar gemacht werden. Bei der Ende-zu-Ende-Verschlüs­selung werden Daten vor dem Absenden beim Sender verschlüs­selt und erst beim Empfänger wieder ent­schlüsselt. Die Ver- und Ent­schlüsselung findet aus­schließlich an den End­punkten der Über­tragung statt. Auch wenn eine Verbin­dung über mehrere Über­tragungs­stationen hinweg läuft, bleibt die Infor­mation geschützt, denn keine Zwischen­station verfügt über den not­wendigen Schlüssel, um auf den Klar­text der Nach­richt zuzu­greifen. Ein Gegen­stück zur Ende-zu-Ende-Verschlüs­selung ist die Punkt-zu-Punkt-Ver­schlüsselung, bei der alle Zwischen­stationen auf den Inhalt der versen­deten Nach­richten Zugriff haben. WhatsApp Ende-zu-Ende-Verschlüsselung Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei Smartphone-Messengern
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Auch der Messenger-Dienst weiß nicht, was in den Nach­richten steht

Ende-zu-Ende-Verschlüs­selung soll sicher­stellen, dass niemand außer den Gesprächs­partnern lesen kann, was gesendet wurde, nicht einmal der verwen­dete Messenger-Dienst selbst. Dies funk­tioniert über ein asym­metri­sches Ver­schlüsselungs­verfahren, auch Public-Key-System genannt. Im Gegen­satz zu symme­trischen Systemen verfügen Gesprächs­teilnehmer nicht über einen gemein­samen geheimen Schlüssel, sondern jeder Nutzer erzeugt ein Schlüssel­paar, das aus einem geheimen Schlüssel (Private Key) und einem nicht geheimen Schlüssel (Public Key) besteht. Über den Public Key kann der Sender Nach­richten verschlüs­seln, die der Empfänger anschlie­ßend mit seinem Private Key wieder entschlüs­seln kann. Nach­richten werden also mit einem öffent­lichen Schlüssel kodiert, können aber nur mit einem privaten Schlüssel wieder deko­diert werden.

Der Public Key funk­tioniert wie ein Schloss, zu dem einzig und allein der Empfänger der Nach­richt den passenden Schlüssel besitzt. Da kein Dritter, auch nicht der Betreiber des Messenger-Dienstes, über den privaten Schlüssel verfügt, kann niemand außer den Gesprächs­partnern selbst auf den Inhalt von Nach­richten zugreifen. Daher haben Firmen, die Ende-zu-Ende-Verschlüs­selung verwenden, keinen Zugriff auf die Text­nachrichten ihrer Kunden und können diese folg­lich auch nicht an Dritte weiter­leiten. Dasselbe gilt auch für andere Daten wie Bilder, Videos oder Nutzer-Stand­orte. Auch Voice-Calls können Ende-zu-Ende-verschlüs­selt werden.

Ausge­wählte Messenger, die Ende-zu-Ende-Verschlüs­selung nutzen

Messenger mit Ende-zu-Ende-
Verschlüs­selung (Auswahl)
1 gilt nur für Sprach- und Video­an­rufe
2 gilt nur für Geheim-Chats und Sprach­an­rufe
Einer der ersten popu­lären Messenger mit Ende-zu-Ende-Verschlüs­selung war Apples iMessage. Ein weiterer ist der Smart­phone-Messenger Threema, der nach eigenen Angaben alle Nach­richten ausschließ­lich Ende-zu-Ende-verschlüs­selt verschickt. Die App hat sich sogar nach dem Verfahren benannt. „Threema“ ist von dem Akronym EEEMA abge­leitet, das für „End-to-End Encrypted Messa­ging Appli­cation“ steht. Auch der Tele­gram Messenger und der TextSecure-Nach­folger Signal bieten Ende-zu-Ende-Verschlüs­selung an. Der Signal-Messenger lieferte das Vorbild für die spätere Ende-zu-Ende-Verschlüs­selung von WhatsApp. Beide Ver­schlüsselungs­verfahren stammen von dem Entwickler Open Whisper Systems. WhatsApp bietet seit einiger Zeit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung WhatsApp bietet seit einiger Zeit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung
Foto: dpa

WhatsApp: Daten­weiter­gabe trotz Verschlüs­selung

Seit November 2014 nutzt auch WhatsApp Ende-zu-Ende-Verschlüs­selung. Die Funk­tion wird auto­matisch akti­viert und durch eine entspre­chende Nach­richt im Chat­fenster visua­lisiert. Trotzdem bleiben die Daten der WhatsApp-Anwender nicht voll­kommen anonym. Da der Chat-Client Telefon­nummern verwendet, um Chat-Partner mitein­ander zu verbinden, greift er auf das Telefon­buch des Nutzers zu und kann sämt­liche Mobil-Telefon­nummern einsehen. Außerdem spei­chert die Messa­ging-App Verkehrs­daten. Auch wenn der Inhalt der Nach­richten verschlüs­selt ist, kann WhatsApp also einsehen, wer wem wann geschrieben hat.

Solche Daten sind alles andere als trivial, denn sie lassen erheb­liche Rück­schlüsse auf das Umfeld des Nutzers zu. Und WhatsApp macht von ihnen Gebrauch. Darum geriet der zu Face­book gehö­rende Messa­ging-Dienst in die Kritik von Daten­schützern, da Infor­mationen an den Mutter­konzern weiter­gegeben wurden, um sie für perso­nalisierte Werbung zu nutzen. Zu den weiter­gegebe­nen Daten gehören unter anderem die im Telefon­buch gespei­cherten Ruf­nummern. Facebook Messenger Symbol Smartphone Auch der Facebook-Messenger bietet Ende-zu-Ende-Ver­schlüsselung an - aller­dings optional
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Face­book-Messenger zieht mit Ende-zu-Ende-Verschlüs­selung nach

Mitt­lerweile können auch Nutzer des Face­book-Messen­gers ihre Chats mit Ende-zu-Ende-Ver­schlüsse­lung absi­chern. Anders als bei WhatsApp, Threema und Co. ist die Funk­tion im Messenger aller­dings nicht standard­mäßig akti­viert. Nur wenn im Vor­feld bewusst eine geheime Unter­haltung aus­gewählt wird, findet die Ende-zu-Ende-Ver­schlüsse­lung statt. Dies liegt daran, dass der Face­book-Messenger platt­form­über­greifend verwendbar ist. Ein Gespräch, das auf einem Gerät begonnen wurde, kann also auf einem anderen Gerät fort­geführt werden. Wäre die Ende-zu-Ende-Ver­schlüsse­lung dauer­haft aktiv, wäre dies nicht mehr möglich, da geheime Unter­haltungen jeweils nur auf einem Gerät gespei­chert und nach spätes­tens 24 Stunden auto­matisch gelöscht werden. Ferner können im geheimen Modus keine GIFs oder Videos ausge­tauscht und keine Sprach-Anrufe getä­tigt werden.

Eine echte Alter­native zu komplett ver­schlüs­selten Diensten ist der Messenger also nicht. Sollte man sich jedoch bereits in einer Face­book-Unter­haltung befinden und möchte spontan ver­trauliche Daten aus­tauschen, so kann nun wenigs­tens vorüber­gehend in den geheimen Modus gewech­selt werden.