Übergriffig

Neugierige Apps in die Schranken weisen

Der Download einer App geht schnell. Dabei werden die Berechtigungen, die eine App beansprucht, häufig ignoriert. Dies kann jedoch Folgen haben, vor allem wenn das Handy beruflich wie privat genutzt wird.
Von dpa /
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Benö­tigt eine Fitness-App wirk­lich Zugriff auf die Kamera? Und muss die Wasser­waagen-Anwen­dung wirk­lich den Kalender und die Kontakte lesen? Wie über­griffig eine App sein darf, sollten sich Smart­phone-Nutzer vor der Instal­la­tion gut über­legen. Denn klar ist: Viele Anwen­dungen greifen sich so ziem­lich alle Daten vom Mobil­gerät, die sie kriegen können - auch sensible. Schad­soft­ware kann über den Zugriff aufs Telefon aber auch hohe Kosten durch das Anwählen von Nummern oder das Versenden von SMS erzeugen.

Häufig sagt schon die Art der Zugriffs­rechte, die eine App verlangt, etwas über ihre Serio­sität aus. "Wenn die App zu viele Berech­ti­gungen fordert, die nicht dem eigent­li­chen Zweck der Anwen­dung dienen, würde ich davon abraten. Das gilt insbe­son­dere dann, wenn das Handy sowohl für private als auch beruf­liche Zwecke genutzt wird", sagt Karo­lina Wojtal, Juristin beim Euro­päi­schen Verbrau­cher­zen­trum Deutsch­land.

Erster Hinweis: Text­in­halt der Bewer­tungen

Manche Apps genehmigen sich viel zu viele BerechtigungenManche Apps genehmigen sich viel zu viele Berechtigungen Doch wie erkennt man zwie­lich­tige Apps? Das Lesen von Nutzer­be­wer­tungen kann erste Hinweise auf unse­riöse Apps liefern. Die Anzahl der Sterne ist dabei nicht maßge­bend, eher der Text­in­halt der Bewer­tungen.

Zwar verlangen die meisten Apps grund­sätz­lich relativ viele Berech­ti­gungen. Aber oft sind diese nicht kritisch und häufig brau­chen die Anwen­dungen gar nicht alle gefor­derten Berech­ti­gungen, um richtig zu funk­tio­nieren. Konse­quentes Entziehen lautet daher im Zweifel die Devise.

Bei Android ist das seit der Version 6.0 (Marsh­mallow) über eine zentrale Verwal­tung der Berech­ti­gungen in den Einstel­lungen möglich. Dort können sich Nutzer nicht nur die Berech­ti­gungen der jewei­ligen Apps anschauen, sondern diese gege­be­nen­falls eben auch wieder entziehen. Denn vor der Instal­la­tion werden zwar die Rechte, die eine App bean­sprucht, gesam­melt ange­zeigt. Der Nutzer kann an diesem Punkt aber nur alles akzep­tieren oder die Anwen­dung nicht instal­lieren.

Auch bei iOS-Geräten gilt: Der App-Store zeigt vor der Instal­la­tion nicht die Berech­ti­gungen an, die die App sich nimmt. Das sollte man also sofort nach der Instal­la­tion prüfen und gege­be­nen­falls ändern. Dies funk­tio­niert in den Einstel­lungen des iPhones oder iPads.

Grund­sätz­lich prüfe Apple von Entwick­lern einge­reichte Apps inten­siver als Google, bevor sie im Store ange­boten werden, meint Karo­lina Wojtal. "Dies hat zur Folge, dass Apple den Entwick­lern stren­gere Vorgaben hinsicht­lich der Berech­ti­gungen aufer­legt." Aller­dings seien die Krite­rien, die Apple bei der Prüfung anlegt, nicht immer klar. "Hier arbeitet Google mit seinem Play Store trans­pa­renter."

Problem bei dienst­lich und privat genutztem Handy

Für Anwender, die ihr Dienst­handy auch privat nutzen, kann es zum Problem werden, wenn privat instal­lierte Apps auf das Adress­buch oder andere sensible Daten der Firma zugreifen. Meist gebe es hierzu spezi­elle Rege­lungen im Arbeits­ver­trag - und Arbeit­nehmer könnten in Schwie­rig­keiten geraten, wenn Firmen­daten miss­braucht werden, erklärt Karo­lina Wojtal. Nutzer eines Dienst­handys sollten deshalb besser beim Arbeit­geber nach­fragen, welche Apps sie instal­lieren dürfen.

Oder sie legen gleich ein zweites Nutzer­konto für private Zweck an, was bei Andrdoid seit Version 5.0 möglich ist - in den Einstel­lungen unter dem Punkt "Nutzer und Konten". Über die Schnell­ein­stel­lungen oder den Sperr­bild­schirm lässt sich das Konto dann schnell wech­seln.

Nutzer sollten grund­sätz­lich bedenken, dass kosten­lose Apps tenden­ziell mehr Berech­ti­gungen einfor­dern, etwa um mehr Daten für Analyse- und Werbe­zwecke gewinnen zu können. "Gratis-Apps finan­zieren sich häufig darüber, dass der Anbieter das Nutzungs­ver­halten auf dem jewei­ligen Gerät auswertet", heißt es dazu beim Verbrau­cher­zen­trale Bundes­ver­band. "Für den Nutzer ist kaum nach­voll­ziehbar, zu welchem Zweck dies geschieht und was mit den abge­grif­fenen Daten passiert." Auch deshalb sollten Nutzer nicht mehr Apps als nötig instal­liert haben. Faust­regel: Was man nicht braucht, wird deinstal­liert.

In einem sepa­raten Ratgeber erläu­tern wir, wie man verse­hent­lich gekaufte kosten­pflich­tige Apps wieder zurück­gibt.

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