digitale Dividende

Fernseh-Störungen durch Nutzung der digitalen Dividende?

Kabelnetzbetreiber legen Studie zur Nutzung von Funk-Internet per LTE vor
Von Marc Kessler

Der Verband deutscher Kabelnetzbetreiber (ANGA) hat heute eine Studie zur Nutzung der digitalen Dividende mit mobilen Internetdiensten veröffentlicht. Dabei wurde getestet, ob die Belegung der ehemals durch den Rundfunk genutzten Frequenzbereiche durch die künftige Generation der mobilen Datenübertragung LTE (Long Term Evolution) zu Beeinträchtigungen analoger und digitaler Fernsehprogramme bei Kabelkunden führt. Derzeit gibt es bereits Pilotprojekte von Mobilfunkunternehmen wie E-Plus (in Mecklenburg-Vorpommern) oder Vodafone (in Baden-Württemberg), in denen die Versorgung ländlicher Gebiete durch die Nutzung der digitalen Dividende per UMTS und HSDPA erprobt wird.

Die ANGA sieht die Nutzung der digitalen Dividende - zumindest per LTE und im Frequenzbereich zwischen 790 und 862 MHz - sehr kritisch, was sie mit den Ergebnissen der von ihr gemeinsam mit dem Institut für Rundfunktechnik (IRT) durchgeführten Studie wissenschaftlich untermauern will. Carsten Engelke, technischer Leiter der ANGA: "Die durchgeführten Labor- und Feldtests haben unmissverständlich ergeben, dass eine Gleichkanalbelegung von Rundfunkdiensten im Kabel und mobilem Internet (...) zu massiven Störungen des Fernsehempfangs beim Endkunden führt. Ursache ist weniger die Übertragung der Daten vom Sendemast zum Endkunden, sondern vielmehr die Rücksendung der Daten vom mobilen Endgerät in der Wohnung des Nutzers. Bei Sendestärken, die rund einem Hundertstel der Spitzenleistung eines GSM-Handys entsprechen, treten bereits Bildausfälle auf. Besonders beunruhigend ist, dass bei nur geringfügig höheren Sendeleistungen diese Störungen auch durch eine 15 Zentimeter dicke Stahlbetonwand hindurch auftreten. Das Fernsehbild bei einem Kabelkunden kann daher durch die mobile Internetnutzung eines Nachbarn beeinträchtigt werden." Wie die Studie belege, wirkten sich die Störungen vor allem bei den Rundfunkempfangsgeräten wie Fernsehern aus. Die Kabelnetze selbst seien "durch die hohe Schirmung (...) deutlich unempfindlicher gegenüber Störeinstrahlung als Endgeräte".

Kabelbetreiber: Keine Frequenz-Zuteilung ohne verträgliches Nebeneinander

Die ANGA, die als Branchenverband die Interessen der Kabelnetzbetreiber vertritt, zeigt sich davon überzeugt, dass "diese Probleme (...) flächendeckend auftreten, denn das mittlerweile von der Bundesnetzagentur (BNetzA) vorgelegte Eckpunktepapier zur Zuteilung der Frequenzen der digitalen Dividende sieht einen bundesweiten Regelbetrieb vor und keineswegs eine Beschränkung auf die sogenannten weißen Flecken." Daher forderten die Kabelbetreiber, "vor einer Zuteilung dieser Frequenzen für mobiles Internet die Auswirkungen auf die drahtgebundene Rundfunkverbreitung umfassend zu prüfen und Szenarien für eine verträgliche Nutzung zu entwickeln."

VATM: Problem ist lange bekannt

Der Geschäftsführer des Branchenverbandes VATM, Jürgen Grützner, hat die aktuelle Veröffentlichung der ANGA hingegen als lange bekanntes Problem zurückgewiesen. "Die jagen ständig dieselbe Sau durchs Dorf", so Grützner gegenüber teltarif.de. Die ANGA habe die Studie schon vor zwei Monaten dem zuständigen Arbeitskreis bei der Bundesnetzagentur vorgelegt, das Thema sei bekannt.

Zudem, so Grützner, sei seitens der BNetzA bereits geplant, die Frequenzen so zu tauschen, dass die Endgeräte möglichst weit weg von den TV-Frequenzen sendeten und Störungen so vermieden werden könnten. Auch der Netzbetreiber T-Mobile habe bereits eine entsprechende Planung vorgestellt.

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