DAB+

Media Broadcast will zweiten Bundesmux bis Jahresende starten

Sollten Media Broadcast und Absolut Radio den Zuschlag als gemeinsamer Plattformbetreiber für den zweiten DAB+-Bundesmux erhalten, planen beide Partner elf neue bundesweite Radioprogramme. Doch auch der Netzausbau beim ersten Bundesmux geht weiter.
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Thomas Wächter (links) und James Kessel von Media Broadcast auf der Anga ComThomas Wächter (links) und James Kessel von Media Broadcast auf der Anga Com Neue Töne im Äther könnte es geben, sollten Media Broadcast und Absolut Radio den Zuschlag als gemeinsamer Plattformbetreiber für den zweiten DAB+-Bundesmux erhalten. Die beiden Partner planen bis zu 11 neue Programme, wie teltarif.de im Gespräch mit James Kessel, Leiter Infrastruktur- und Rundfunkprodukte Radio und TV und Thomas Wächter, Leiter Digital Broadcast Technology bei Media Broadcast, auf der Fachmesse Anga Com erfuhr. Dabei sollen auch neue Formate wie ein Classic Rock-Radio oder ein Talkradio entstehen, die das bisherige Angebot sinnvoll ergänzen.

Vom Start weg bundesweite Abdeckung

In der kommenden Woche, am 6. Juni, will die Gremienvorsitzendenkonferenz der Landesmedienanstalten bekannt geben, wer die Zulassung als Plattformbetreiber erhält. Die beiden Media Broadcast-Vertreter sehen im Vergleich zu den beiden Mitbewerbern vor allem zeitliche Vorteile, da man bereits den ersten Bundesmux betreibt und die nötige Infrastruktur – die Sendeantennen - besäße: Das Sendernetz, bestehend aus 71 Sendeanlagen, könnte schon in einem halben Jahr stehen, der Sendestart also noch in diesem Jahr möglich sein. "Damit erfüllen wir vom Start weg die von den Medienanstalten erst nach sechs Jahren geforderte bundesweite Abdeckung", sagt James Kessel. Sein Kollege Thomas Wächter ergänzt, dass ähnlich wie beim ersten Bundesmux auch beim zweiten das Netz noch punktuell ausgebaut werden könnte.

Attraktiver Mix aus Eigenprogrammen und Fremdanbietern

Gesendet wird zunächst auf fünf unterschiedlichen Kanälen im Bundesgebiet. Nach einer Räumung des analogen Polizeifunks könnte auf den bundeseinheitlichen Kanal 5A gewechselt werden. Neben den Eigenprogrammen soll es auch bekannte Drittanbieter im zweiten Bundesmux geben, die das bundesweite Angebot sinnvoll ergänzen. Von der Interessenlage sei auch abhängig, ob man tatsächlich alle elf Eigenprogramme startet, oder es doch mehr als fünf Drittanbieter gibt, denn insgesamt passen bis zu 16 Programme in den Mux. Wichtig sei die maximale Attraktivität des Gesamtbouquets.

Doch auch der Ausbau beim ersten Bundesmux schreitet weiter voran. In diesem Jahr soll das Sendernetz auf 120 Sendeanlagen wachsen. Dann würden 93,4 Prozent Deutschlands in der Fläche outdoor versorgt und sogar 98,2 Prozent der Autobahnen, wie Thomas Wächter bekannt gibt. Lediglich der Indoor-Empfang hinke mit 81,7 Prozent Abdeckung noch hinterher. Gerne würde Media Broadcast das Netz auch in den kommenden Jahren durch Füllsender verdichten, dies sei aber wie in den Jahren zuvor von Verhandlungen mit dem Deutschlandradio, das einen Versorgungsauftrag hat, und den kommerziellen Anbietern, die wirtschaftlich arbeiten müssen, abhängig.

Weitere Privatradios in Hamburg

Auf regionaler Ebene hebt Media Broadcast vor allem Hamburg hervor, wo Media Broadcast die Plattform betreibt: Das Angebot im privaten Multiplex (Kanal 11C) wird in Kürze von derzeit 11 auf 16 Programme ausgebaut, wie James Kessel verkündet. Einer der fünf weiteren Programmanbieter sei Radio ffn, das als erstes niedersächsisches Privatradio digital-terrestrisch ausgestrahlt wird. Mit den bald 16 Programmen sei der private Mux spätestens zum Jahresende ausgebucht, so Kessel. In Berlin könnte es sogar bald einen zweiten kommerziellen, regionalen Multiplex geben. Aktuell läuft eine Ausschreibung der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb), bei entsprechender Interessenlage wäre der Netzbetreiber bereit eine zweite Abdeckung aufzubauen.

Gespräche gibt es auch weiter über regionale Muxe in Nordrhein-Westfalen. Hier hofft der Netzbetreiber, dass die neue Landesregierung ihre Blockade gegen lokale und regionale Muxe aufgibt. Man habe ein Konzept vorgelegt, um auch den NRW-Lokalfunk im digital-terrestrischen Radio abzudecken.

Small Scale DAB+ sieht Media Broadcast kritisch

Kritisch sieht Media Broadcast so genannte Small Scale-Multiplexe, wie es sie aktuell in Großbritannien, der Schweiz und nun erstmals in Deutschland geben soll. Da bei diesen Kleinleistungsnetzen Open Source-Software verwendet wird, sei die Betriebsstabilität nicht gewährleistet, betont Thomas Wächter. An den geplanten Versuchen in Sachsen sei man zwar involviert, es sei aber unklar, ob man hier tatsächlich als Netzbetreiber zum Zug kommt.

Insgesamt lobt der Netzbetreiber die aktuelle Entwicklung bei DAB+: Das langjährige Henne-Ei-Problem sei aus dem Weg geräumt, da es inzwischen sowohl ein breites Angebot an Empfangsgeräten als auch ein attraktives Programmangebot gäbe, wie James Kessel unterstreicht. Auch im Bereich Marketing hätte sich vieles positiv entwickelt, und auch die anfangs skeptischen Privatradios setzen auf DAB+ und loben vor allem den störungsfreien Empfang im Auto.

DAB+-Smartphone zusammen mit Mutter freenet?

Im Hardwaresektor hofft der Netzbetreiber, dass endlich weitere Smartphones mit DAB+-Empfang auf den Markt kommen. Das LG Stylus 2 als bislang einziges Modell sei zu teuer, und DAB+ als Feature nicht genügend beworben worden. Thomas Wächter hofft, dass es hier künftig eine Lösung mit der Mutter freenet gibt.

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