Kampf der Süssigkeiten

Android-Versionschaos: Wenn Nutzer die Eiswaffel statt der Geleebohne bekommen

Der Android-Markt ist zersplittert. Immer noch läuft auf vielen Geräten eine veraltete Android-Version. Durch fehlende Updates kann es aber zu Problemen und Sicher­heits­risiken kommen. Doch der Weg für die Hersteller und Provider zur aktuellen Version ist oft weit.
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Am Anfang war ein gefrorener Joghurt und ein Pfeffer­kuchen, ihm folgten eine Honigwabe, eine Eiswaffel, die Geleebohne und der Schoko­riegel. In regel­mäßigen Abständen veröffentlicht Google neue, stets nach Süßigkeiten benannte Android-Versionen, die etwa mehr Stabilität oder neue Features versprechen. Davon profitieren aber längst nicht alle Nutzer. Je nach Hersteller müssen sie oft Monate auf das Update warten oder bekommen es gerade bei älteren Geräten nie.

Das sorgt für einen zersplitterten Markt: Die zweitletzte Version Jelly Bean (4.1 bis 4.3) ist laut Google-Statistik inzwischen relativ weit verbreitet und auf drei von fünf Geräten (62 Prozent) installiert - in mehr als der Hälfte der Fälle handelt es sich dabei aber noch um die älteste Variante 4.1. Und auf fast jedem fünften Androiden (19 Prozent) läuft sogar noch das uralte Gingerbread (2.3). Die aktuellste Version Kitkat (4.4) hat dagegen nur eine Minderheit der Geräte an Bord (3 Prozent), zieht aber in der Verbreitung langsam an.

Wenn das Update auf sich warten lässt

Versionschaos bei Android: Wenn Nutzer nur die Eiswaffel statt der Geleebohne bekommenVersionschaos bei Android "Es gibt sehr viele verschiedene Hersteller von Android-Geräten", erklärt Prof. Uwe Baumgarten von der TU München das Phänomen. "Die müssen die neue Software erst an ihre Hardware und ihre eigene Android-Oberflächen anpassen." Das sei oft mit großem Programmier- und Kosten­aufwand verbunden. Dafür bekomme der Hersteller aber nichts zurück, weil die Updates kostenlos sind. "Da kann es schon mal sein, dass man einen Versions­schritt nicht mitmacht." Mit dem langen Weg, den die Updates von Google bis zum Kunden zurück­legen müssen, hat sich teltarif.de schon beschäftigt.

Pünktlich gibt es die Android-Updates daher nur für Googles eigene Nexus-Geräte. Die werden zwar von LG, Asus oder Samsung produziert, laufen aber mit einem unver­änderten Android. Allerdings ist selbst bei den Google-Produkten irgendwann Schluss mit Updates: Für das Ende 2011 veröffent­lichte Galaxy Nexus gibt es etwa kein Kitkat mehr.

Und so halten es auch viele andere Hersteller: Spätestens nach ein paar Jahren gibt es in aller Regel keine Updates mehr. Zum Vergleich: Die aktuelle iOS-Version 7 läuft sogar noch auf dem iPhone 4 und dem iPad zwei von 2010 und 2011. Kein Wunder, sagt Uwe Baumgarten: "Apple hat die Hardware ja komplett in der Hand und so viel mehr Kontrolle über die Updates." Bei Android sei das gar nicht gewollt, weil es sich im Gegensatz zu iOS um ein offenes System handle. "Das ist eben der Preis der Vielfalt", so der Informatiker.

Die Folgen von alten Android-Versionen

Für den Nutzer kann ein veraltetes Android bedeuten, dass Spiele oder Apps nicht mehr funktionieren, weil sie zum Beispiel mindestens Ice Cream Sandwich (4.0) brauchen. Auch bei Benutzer­führung und Design gibt es je nach Android-Version Unterschiede. Das fällt in der Regel aber erst im direkten Vergleich mit einem neueren Gerät auf. Außerdem fehlen Besitzern älterer Geräte bestimmte Funktionen: Die Integration der Suchauto­matik Google Now gibt es zum Beispiel erst seit Android 4.1, beschränkte Nutzer­konten für Kinder erst ab Android 4.3.

Ein Riesen­problem sei das aber nicht, findet Baumgarten. Denn viele praktische Funktionen stecken inzwischen nicht mehr im Android-System selbst, sondern in den Google-Apps. "Google zieht die Features, die sie nicht offenlegen wollen, in die Apps hoch", erklärt Baumgarten. Damit schütze Google sein technisches Know-how. Und so laufen die aktuellsten Versionen von Chrome, Maps oder Gmail in der Regel immerhin auch auf etwas älteren Android-Versionen.

Ein veraltetes Android kann allerdings ein Sicher­heits­risiko sein, weil ohne Update bekannte Schwach­stellen nicht geschlossen werden. Das betrifft zum Beispiel Androids internen Browser WebView, erklärt Jens Heider, der am Fraunhofer-Institut für Sichere Informations­technologie (SIT) das Testlabor für mobile Sicherheit leitet. WebView kommt zum Beispiel zum Einsatz, wenn der Nutzer in RSS-Readern oder Apps für soziale Netzwerke auf einen Link tippt. "Ohne Update können Angreifer darüber leichter Schadcode einschleusen, zum Beispiel über eine manipulierte Webseite", warnt Heider. Virenscanner-Apps böten dagegen nur begrenzten Schutz.

Unter Umständen sorgen die Updates sogar dafür, dass Angreifer es leichter haben. "Die Angreifer sehen ja, was Google repariert, und können entsprechende Rück­schlüsse ziehen", sagt Heider. Um sich davor zu schützen, können Nutzer theoretisch eine alternative Android-Distri­bution einspielen, die auf der aktuellsten Version des Betriebs­systems basiert. Dafür braucht der Nutzer allerdings den sogenannten Root-Zugriff. "Laien würde ich das nicht empfehlen", sagt der Sicher­heits­experte. Denn wer nicht weiß, was er tut, erntet aus der Firmware-Bastelei eventuell mehr Schaden als Nutzen.

Mehr Informationen zu den verschiedenen Android-Versionen sowie einen Überblick zu den einzelnen Neuerungen finden Sie auf unserer Infoseite zu Googles mobilem Betriebs­system.

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