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Langsame Android-Updates: Von Google zum Kunden ist es ein weiter Weg

Wie kommt eigentlich ein Android-Update vom Software-Entwickler zum Kunden? Die Telekom gibt einen Einblick in die Vorgänge - wir zeigen Ihnen, warum Apple seine iPhones viel schneller aktualisieren kann.
Von Hans-Georg Kluge

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Bild: teltarif.de
Wenn Google ein Update für Android vorstellt, dann schauen die meisten Nutzer in die Röhre: Nur wer ein Nexus-Smartphone besitzt, erhält das entsprechende Update recht schnell - alle anderen müssen hoffen, dass der Hersteller das Update irgendwann einmal zur Verfügung stellt. Die Telekom gibt jetzt einen Einblick in den aufwändigen Prozess [Link entfernt] , den ein Update durchlaufen muss, bis es tatsächlich beim Kunden ankommt. Dieser Einblick ist allgemein gehalten, hat aber für die Android-Plattform die höchste Relevanz.

Die Aufgaben von Hardware-Herstellern und Entwicklern

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Zunächst ist der Entwickler des Betriebs­systems gefragt. Dieser entwickelt eine neue Version des Systems. Danach ist der Hersteller des Smart­phones am Zug: Denn dieser muss entscheiden, ob er ein Update für eines oder mehrere seiner Smart­phones entwickeln möchte. Die Updates erfordern auf Seiten des Herstellers Entwickler und Tester - dies lohnt sich nicht in jedem Fall.

Im Falle von Android kommt ein weiterer Schritt hinzu, wie HTC in einem ähnlichen Beitrag erklärt: Denn auch die Chip-Entwickler müssen zunächst ihre Treiber anpassen. Der Hersteller integriert danach seine eigene Be­nutzer­ober­fläche oder andere Apps.

Apple im Vorteil: Alles aus einer Hand

Hier zeigt sich ein großer Vorteil von Apple, denn der iPhone-Konzern kann diese Schritte parallel ausführen. Im Falle von Android geht hier bereits recht viel Zeit verloren, denn Google gibt seinen Hardware-Partnern erst spät im Entwicklungsprozess Einblick in den Android-Quellcode.

Apple hat einen weiteren Vorteil: Dank der Produktstrategie muss der Konzern nur wenige unter­schied­liche Modelle aktualisieren. Einige Android-Hersteller veröffentlichen in einem Jahr ein Dutzend oder mehr neue Smart­phones. Da ist es kein Wunder, dass Einsteiger-Smartphones und ältere Modelle oft keine Updates mehr erhalten - ärgerlich für den Kunden, wirtschaftlich sinnvoll für den Hersteller.

Hersteller und Netzbetreiber testen Updates

Das Nexus 5 hingegen erhält direkt von Google Updates. Das Nexus 5 hingegen erhält direkt von Google Updates.
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Ist das Update entwickelt, muss es getestet werden. Das übernimmt zunächst der Hardware-Hersteller. Sind die Tests abgeschlossen, erhalten die Netzbetreiber die Firmware. Nun beschreibt die Telekom, welche einzelnen Tests hier anstehen: Im Fall von kleineren Updates kommen schnell 500 Einzeltest zusammen, wogegen für größere Updates mehrere tausend Tests zu absolvieren sind. Dabei testet der Netzbetreiber das Update auf Kompatibilität zur eigenen Infrastruktur und optimiert gegebenenfalls Parameter der Mobilfunk-Schnittstelle. Fallen hier Fehler auf, muss der Smart­phone-Entwickler nachbessern.

Erst nachdem all diese Tests und Anpassungen abgeschlossen sind, gibt der Netzbetreiber das Update frei - der Hersteller lädt also das Update auf seine Server und verteilt es. Erst jetzt - oft Monate nach der Vorstellung einer neuen Version - hat der Nutzer eine neue Version des Betriebs­systems auf seinem Smart­phone.

Bei Geräten, die direkt im Einzelhandel gekauft werden, entfällt oft der Zwischenschritt mit dem Netzbetreiber - daher kommen diese sogenannten Retail-Geräte manchmal schneller in den Genuss eines Updates.

Schnelle Android-Updates: Der nie erreichbare Traum

Ein schnelles Update auf eine neue Android-Version dürfte in den meisten Fällen wohl ein Traum bleiben. Der hier skizzierte Prozess dauert seine Zeit. Nur wenige Hersteller meistern diesen Prozess innerhalb weniger Monate. Einige Hersteller versuchen hedoch, ihre Smartphones schneller zu aktualisieren - ganz im sinne von Google: Motorola brachte die Aktualisierung auf Android Kitkat 4.4 für das Moto X und das Moto G recht zügig. Auch HTC hat recht schnell für sein Topmodell HTC One ein Update erstellt. Samsung aktualisiert hauptsächlich seine High-End-Smartphones.

Bei Android gibt es nur wenig Hoffnung darauf, dass die Update-Situation sich an iOS annähert. Auch künftig werden Android-Nutzer nur dann die jeweils aktuelle Android-Versionen erhalten, wenn sie entweder ein Nexus-Smartphone oder -Tablet besitzen. Die Google-Play-Editions diverser Smart­phones und Tablets sind derzeit nur in den USA erhältlich und gehören zu den Geräten, die innerhalb kürzester Zeit ein Update erhalten.

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