Google-Betriebssystem

Android P: Google erfindet das mobile Betriebssystem neu

In diesem Artikel stellen wir die Highlights von Android P vor und erklären, weshalb es sich um den größten Versionssprung seit vielen Jahren handelt. Außerdem stellen wir die Links zu bereits veröffentlichten Betaversionen bereit.
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Die neue Benutzeroberfläche von Android PDie neue Benutzeroberfläche von Android P Auf der gestrigen Entwicklerkonferenz Google I/O 2018 wurden einige Features des Android-Oreo-Nachfolgers Android P gezeigt. Wir haben die Präsentation verfolgt und die wichtigsten Neuerungen des kommenden mobilen Betriebssystems festgehalten. War der Sprung von Android 7.1 auf Android 8.0 keine allzu große Evolution, so fällt das Upgrade auf die neunte Iteration nun definitiv umfassender aus. Die Bedienung wurde zu großen Teilen überarbeitet und das OS soll dafür sorgen, dass die Smartphone-Nutzung nicht zu sehr ausartet. Des Weiteren verraten wir Ihnen, für welche Smartphones es bereits die Betaversion von Android P gibt.

Android P macht vieles anders

Jährlich grüßt der grüne Blechkamerad mit einer neuen Ausgabe, doch an der grundlegenden Bedienung hat sich seit der Fassung 4.0 Ice Cream Sandwich kaum etwas geändert. Mit dieser Version hielten die auch heute noch angewandten Steuerungselemente "zurück", "Homescreen" und "aktive Apps" Einzug. Sieben Jahre später findet bei Google nun ein Umdenken statt und das vorherige Konzept wird mit Android P über Bord geworfen. Ähnlich wie bei iOS gibt es in der neunten Ausgabe des Betriebssystems einen omnipräsenten Home-Button, die Zurück-Taste wird nur noch bei Bedarf eingeblendet und der Schalter zum Wechseln der Anwendungen ist sogar komplett verschwunden. Ein Wisch in Richtung des oberen Displaybereichs blendet schließlich die aktiven Apps ein, ein weiterer Wisch führt zur bekannten Schublade, die alle installierten Programme listet. Clever: selbst in der Vorschauansicht beim Task-Wechseln kann ein Text markiert werden. Befindet sich beispielsweise ein Word-Dokument unter den im Hintergrund laufenden Apps, lassen sich daraus Elemente kopieren, ohne dass das Programm im Vollbildmodus gestartet werden muss.

Weitere Änderungen an der Benutzerführung

Eigentlich hätte man da schon vorher drauf kommen können: der physische Lautstärkeregler eines Smartphones befindet sich stets an der Seite, die Software-gesteuerte Kontrolle jedoch am oberen Bildschirmrand. Mit Android P wird dieses Durcheinander bereinigt, künftig wird die Anzeige genau neben der Lautstärkewippe eingeblendet. Über dem Volume-Balken befindet sich zudem ein praktischer Button für das Umstellen von Profilen, darunter gibt es ein Icon, das zu den Einstellungen führt. Ein weiteres Feature, das bei manchen Hersteller-Oberflächen längst gang und gäbe ist, bezieht sich auf das Stummschalten des Mobilgeräts. Wird das Telefon mit dem Display nach unten abgelegt, aktiviert sich ein "Nicht-Stören-Modus".

Android P macht das Smartphone schlauer

Praktisches Feature: App Actions
Praktisches Feature: App Actions
Dave Burke, der die stellvertretende Leitung des Android-Entwicklerstudios innehat, hob auf der I/O 2018 die Wichtigkeit der Künstlichen Intelligenz hervor. Android P soll nicht nur unkomplizierter zu bedienen, sondern auch cleverer als die vorangegangenen Versionen sein. So ermöglicht das Feature "App Actions" den Programmen, selbstständig weiterführende Aktionen anzubieten. Schließt ein Benutzer beispielsweise einen Kopfhörer an und hat zuvor öfters darüber Songs von Lady Gaga gehört, gibt es eine Anfrage der Musik-App, ob Titel von dieser Interpretin gespielt werden sollen. Oder die Google-Suche nach dem Begriff "Infinity Wars" führt direkt zu einer Option, eine Kinokarte für den Marvel-Blockbuster zu ordern. Außerdem können Entwickler nützliche Empfehlungen für den Anwender mit "Slices" innerhalb des Betriebssystems integrieren. Wird etwa eine Google-Suche nach dem Ride-Sharing-Dienst Lyfe vollzogen, kann der User entscheiden, ob er ein Auto daheim oder bei der Arbeit benötigt.

Bessere Balance bei der Smartphone-Nutzung

Das neue Dashboard von Android P
Das neue Dashboard von Android P
Durch den technologischen Fortschritt der vergangenen Jahre sparen wir zwar auf der einen Seite viel Zeit, es fällt uns aber auch stets schwerer, uns von eben jener Technik zu trennen. Damit das Smartphone nicht zum Suchtmittel verkommt, legt Google wert auf das "digitale Wohlbefinden". So gibt es ein ausführliches Dashboard, das Informationen darüber liefert, wie viel Zeit der Anwender mit welcher App verbracht hat. Des Weiteren lässt sich ein Timer für die Anwendungen festlegen, nach dessen Ablauf das jeweilige Programm nicht mehr verwendet werden kann. Die Option "Wind Down" aktiviert schließlich einen Schwarz-Weiß-Modus, der darauf aufmerksam macht, dass man ins Bett gehen und das Handy beiseitelegen sollte.

Weitere Neuerungen bei Android P

Viele Anwender dürften das Problem mit der automatischen Displayhelligkeit kennen: nicht immer stellt das Smartphone eine Helligkeitsstufe ein, die der Nutzer möchte. Google rückt diesem Problem mit "Adaptive Brightness" auf den Leib, das Feature macht die Anpassung der Bildschirmhelligkeit smarter. Das System merkt sich, wenn der User die automatische Helligkeit manuell feinjustiert und passt seine eigenen Konfigurationen entsprechend an. Eine weitere KI-basierte Verbesserung ist "Adaptive Battery". Android P prägt sich ein, wann und wie oft welche App gestartet wird, somit werden nur die Programme aktiv belassen, die der Anwender momentan benötigen könnte. Dadurch soll die CPU um bis zu 30 Prozent seltener aus dem Standby wechseln. Der Akkuverbrauch könnte also mit Android P nochmals deutlich gesenkt werden.

Für welche Smartphones gibt es die Android P Beta?

Diese Hersteller bieten bereits eine Android-P-Beta an
Diese Hersteller bieten bereits eine Android-P-Beta an
Es haben einige namhafte Hersteller intensiv mit Google zusammengearbeitet, um den Nutzern bereits jetzt eine frühe Version des noch namenlosen Betriebssystems an die Hand zu geben. Konkret handelt es sich dabei um die Firmen HMD Global (Nokia), Vivo, OnePlus, Xiaomi, Sony, Essential und Oppo. Wie Markus Weidner in seinem Artikel bereits kritisierte, fehlt abermals bei solch einer Initiative der Marktführer Samsung. Auch von anderen Branchengrößen wie Huawei, LG und HTC fehlt jede Spur. Auf TheVerge wurde bereits berichtet, welche Smartphones konkret Zugriff auf die Betaversion von Android P haben. Hier nun die Links für die folgenden Mobilgeräte: Essential Phone, OnePlus 6, Sony Xperia XZ2, Nokia 7 Plus, Oppo R15 Pro, Vivo X21 UD, Vivo X21 und Xiaomi Mi Mix 2S. Besonders vorbildlich agiert dabei OnePlus. Obwohl das OnePlus 6 erst am 16. Mai offiziell vorgestellt wird, können sich die künftigen Besitzer nun schon über Android P freuen. Abseits der Hersteller an sich können natürlich auch Pixel-User einen Blick auf das OS werfen. Die Unternehmen weisen darauf hin, dass die Vorabversion des neuen Google-Betriebssystems Fehler beinhalten kann und sich daher nur zu Testzwecken und nicht für den Alltagsgebrauch eignet.
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