Fernsehen

Analoge Kabelabschaltung: "Stell deine Eltern um"

Wie ist die Abschaltung des analogen TV-Kabelsignals zu schaffen? Auf der Anga Com diskutierten die Anbieter darüber. Am schwierigsten dürfte dabei sein, bestehende Zuschauer nicht zu verlieren.
Von der Anga Com in Köln berichtet
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Noch immer übertragen die Kabelnetzbetreiber analoge Fernsehsender. Das ist aus mehreren Gründen unwirtschaftlich. Doch über das ob, wann und wie bei der Abschaltung der analogen Fernsehsender gibt es in der Branche große Uneinigkeit. Das wurde auf einem Kongress-Panel im Rahmen der derzeit in Köln stattfindenden Anga Com deutlich. Dabei zeigte zumindest Günther Singer, Geschäftsführer der Liwest Kabelmedien aus Linz auf, wie eine Analog-Abschaltung kommunikativ geschickt gelöst werden kann, während Tele Columbus in Person von Chief Marketing Officer Stefan Beberweil auch Bedenken in Sachen Wohnungswirtschaft anmeldete.

Singer zeigte dem anwesenden Publikum zwei Spots, mit denen in Österreich auf die anstehende Abschaltung durch die Sender oder die Netzbetreiber hingewiesen werden kann. Liwest richtet sich in dem Spot (siehe Ende dieses Artikels) an Kinder und Jugendliche, die dafür sorgen sollen, dass ihre Eltern künftig noch Fernsehschauen können. Hintergrund dürfte sein, dass jüngere Generationen ein besseres Verständnis für solche Umstellungen haben als die Elterngenerationen.

Unitymedia hat sich bereits auf eine Abschaltung des analogen TV-Signals im kommenden Jahr festgelegt. Damit steht der Anbieter allerdings in Deutschland alleine da. Auch auf der Anga Com wollten sich Vodafone als größter Kabelanbieter Deutschlands und die nach zahlreichen Übernahmen zur Nummer drei in Deutschland angewachsene Tele Columbus nicht zu Abschaltterminen äußern.

Der Kabel-Branche fehlt es an Einigkeit

Wann folgt die Abschaltung des analogen Kabels?Wann folgt die Abschaltung des analogen Kabels? Das größte Problem der Branche dürfte sein, dass es keine Einigkeit zwischen den Anbietern gibt und auch die Sender nach wie vor ein Interesse an analogen Signalen haben. Schließlich gehen Schätzungen davon aus, dass in einem Drittel der Haushalte mindestens ein Fernseher heute noch analog versorgt wird. Vor dieser Migration hat die Branche offenbar Respekt. "Es gibt keinen Konsens in der Branche", meint auch Martin Heine, Direktor der Medienanstalt Sachsen-Anhalt.

Stefan Beberweil von Tele Columbus gibt neben dem Bedarf der TV-Sender auch bestehende Verträge mit der Wohnungswirtschaft zu bedenken. "Wenn wir in Verträgen vereinbart haben, eine bestimmte Anzahl analoger Sender zu liefern, können wir nicht einfach beschließen, diese von heute auf morgen abzuschalten", sagte er. Dr. Annette Schumacher Head of Regulatory Media & State Aid bei Vodafone pflichte ihm bei, dass viele Mieter nicht einmal wüssten, wer ihr Kabelanbieter ist, an den sie sich für ein digitales Signal wenden müssten. Zudem sehen die Kabelanbieter auch die Sender bei der Kommunikation einer Abschaltung in der Pflicht: Beim Ende des analogen Antennenfernsehens und der analogen Satelliten-Verbreitung habe es eine intensive Kommunikation durch die Sender gegeben, so etwas sei auch beim Ende des analogen Kabels notwendig. Doch dafür müsste sich die Branche auf einen gemeinsamen Termin einigen - sonst kommen die Sender nicht mehr aus dem Senden von Abschaltungshinweisen heraus.

Genutzt werden sollen die freien Kapazitäten übrigens für die Einführung von DOCSIS 3.1. Damit soll Internet in Gigabit-Geschwindigkeit ermöglicht werden.

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