Rückzieher

América Móvil zieht Gebot für KPN zurück

KPN-Stiftung hat Offerte als feindlich eingestuft
Von Marie-Anne Winter mit Material von dpa

América-Móvil-Chef Carlos Slim. América-Móvil-Chef Carlos Slim.
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Der Mobil­funkanbieter América Móvil zieht sein Gebot für das nieder­ländische Telekom­unternehmen KPN zurück. Das Angebot sei wegen der KPN-Stiftung nicht reali­sierbar, teilte die vom Multi­milliardär Carlos Slim kontrollierte Gesellschaft mit. Zuletzt hatte América Móvil bereits betont, dass es eine Anhebung der Offerte "unter keinen Umständen" geben werde.

América Móvil wollte seinen Anteil an KPN aufstocken und das Unternehmen kontrollieren. Die Mexikaner hatten insgesamt etwa 7,2 Milliarden América-Móvil-Chef Carlos Slim. América-Móvil-Chef Carlos Slim.
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Euro geboten. Die KPN-Stiftung, welche im Zuge der Privatisierung des niederländischen Telefonkonzerns entstand und die Interessen der Aktionäre verteidigen soll, hatte die Übernahmeofferte als feindlich eingestuft.

Hintergrund des Gerangels um KPN ist der Beschluss des niederländischen Mobilfunk-Konzerns, die deutsche Mobilfunk-Tocher E-Plus an den Konkurrenten Telefónica zu verkaufen, der in Deutschland mit der Marke o2 vertreten ist.

Zwar hat der Großaktionär Carlos Slim seinen anfänglichen Widerstand gegen den Verkauf aufgegeben, die europäischen Wettbewerbshüter haben allerdings signalisiert, dass sie diesen Deal nicht einfach durchwinken werden.

Erhebliche Auswirkungen für denn deutschen Markt

Durch den Zusammenschluss schrumpft die Zahl der Anbieter auf dem größten europäischen Mobilfunkmarkt von vier auf drei. Deshalb wird befürchtet, dass angesichts der gestiegenen Marktmacht die Preise künftig nicht mehr so stark fallen könnten wie bisher. Zwar hat E-Plus-Chef Thorsten Dirks schon angekündigt, dass er das nicht so sieht und sein Unternehmen weiterhin der Angreifer im deutschen Mobilfunkmarkt bleiben werde. Preiserhöhungen könne sich bei dem harten Wettbewerbsumfeld keiner erlauben.

Trotzdem bleibt die Frage offen, ob die Mobilfunkbranche mit nur drei Spielern ihre Dynamik behalten kann. Torsten Gerpott, Professor für Unternehmens- und Technologieplanung an der Universität Duisburg-Essen und Telekommunikationsexperte, ist sich da nicht so sicher, weil ein preisaggressiver Wettbewerber weg falle - und damit auch der Zwang an der Preisschraube zu drehen. Tatsächlich hatte gerade E-Plus in den vergangenen Jahren der Konkurrenz mit einer Vielmarkenstrategie und als Billigheimer ordentlich eingeheizt. Der Zusammenschluss mit Telefónica Deutschland könnte dieser Wettbewerbsdynamik ein jähes Ende setzen.

Auch Kartellamtspräsident Andreas Mundt wies darauf hin, dass auf der Hand liege, "dass ein solcher Zusammenschluss erhebliche Folgen für den Wettbewerb hätte und in all seinen Facetten geprüft werden muss". Am liebsten hätte Mundt die Fusion in der Bonner Behörde geprüft. Doch ob das deutsche Kartellamt überhaupt zuständig ist, ist noch nicht entschieden. Denn wegen seiner Größe landet ein solcher Fusionsfall automatisch bei der EU-Kommission. Und der Hüter des EU-Wettbewerbs, Joaquín Almunia, hatte das Bundeskartellamt bereits in seine Schranken verwiesen: Wegen der Bedeutung der betroffenen Unternehmen auf EU-Ebene sei der Fall in Brüssel angesiedelt.

So oder so steht den Mobilfunkern in Düsseldorf und München eine längere Wartezeit bevor. Eine solche Prüfung wird mehrere Monate in Anspruch nehmen. Außerdem wird die Bundesnetzagentur wegen der Funk-Lizenzen, die von beiden Anbietern gehalten werden, auch noch ein Wörtchen mitreden wollen. Die Vergabe von GSM- und UMTS-Lizenzen wurden seinerzeit nämlich an die wirtschaftliche Unabhängigkeit geknüpft. Deshalb ist durchaus möglich, dass die Frequenzen ganz oder zum Teil widerrufen und erneut versteigert werden müssen.

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