Nachgefragt

Amazon: Account-Lücke auf Fire TV wird nicht geschlossen

Ein komplett vorkonfigurierter Amazon Fire TV Stick inklusive Account-Daten und Passwort: Entspricht das dem Datenschutz, dem Jugendschutz - und was passiert, wenn der Stick gestohlen wird? Wir haben bei Amazon nachgefragt.
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Amazon: Account-Lücke auf Fire TV wird nicht geschlossenAmazon: Account-Lücke auf Fire TV wird nicht geschlossen Als wir bei teltarif.de den Amazon Fire TV Stick bestellten und diesen einrichteten, staunten wir nicht schlecht: Wie in unserem Bericht zur Ersteinrichtung erläutert, hat sich Amazon für seine Kunden einen ganz besonderen Service ausgedacht: Auf dem Gerät sind bereits die Account-Daten des Bestellers inklusive Passwort hinterlegt. Doch entspricht das den deutschen Datenschutz- und Jugendschutzbestimmungen?

Die Sache mit dem vorkunfigurierten Account gab es bereits bei der Ersteinrichtung der Fire-TV-Settop-Box, was uns auch Leser bestätigen. Aus Sicht der Nutzer ist das möglicherweise ein komfortabler Service: Mit einem vorkonfigurierten Gerät ist die Ersteinrichtung ein Kinderspiel. Doch was passiert, wenn das Gerät in falsche Hände gerät - zum Beispiel in die Hände eines minderjährigen Kindes?

Unberechtigte Einkaufstouren und nicht jugendfreie Flme

In unserem Fall hatte ein Redakteur den Stick über seinen privaten Amazon-Account bestellt, befand sich aber zum Zeitpunkt der Auslieferung im Urlaub. Also hinterließ er eine schriftliche Nachricht, dass die Kollegen das Paket öffnen und den Stick testen dürfen. Dadurch, dass der Stick bei seiner Auslieferung auf den privaten Amazon-Account des Bestellers registriert war, hätten wir direkt digitale Käufe im Namen des Bestellers durchführen können. Letztendlich hätten wir während der Ersteinrichtung sogar ein Prime-Abonnement für den Kollegen abschließen können

Bei deutschen Logistikunternehmen kommt es immer wieder vor, dass Pakete, die eindeutig Amazon als Absender zuzuordnen sind, verschwinden und unberechtigt geöffnet werden. Im Fall eines derartigen Diebstahls könnte der Dieb nicht nur den Stick nutzen, sondern auch Filme, Musik oder eBooks auf fremde Kosten bei Amazon kaufen, falls im verknüpften Account Zahlungsdaten hinterlegt sind, beispielswise im Rahmen einer Einzugsermächtigung. Der vorkonfigurierte Account des BestellersDer vorkonfigurierte Account des Bestellers

Auch der Jugendschutz leidet bei dieser Praxis massiv, allerdings nicht unbedingt beim hauseigenen Amazon Instant/Prime Video. Denn wer dort FSK-18-Filme abrufen möchte, muss vorher eine vierstellige PIN in seinem Account definieren, die vor der Wiedergabe eingegeben werden muss.

Ein Kind könnte aber das Paket mit dem Fire TV (Stick) aus dem Briefkasten ziehen, den Stick anschließen und einrichten und danach die App von Netzkino aus dem Appstore installieren. Die App für werbefinanzierte Gratis-Filme verfügt über keinen wirksamen Jugendschutzmechanismus und wir konnten im Test an einem Vormittag ohne Beschränkung FSK-18-Filme auf dem Fire TV Stick abrufen. Und davon gibt es bei Netzkino sehr viele, überwiegend im Bereich der Horror- und Splatter-Filme.

Ausweg: Amazon empfiehlt Geschenkoption

Zu den oben geschilderten Problemen haben wir bei Amazon nachgefragt. Das Unternehmen antwortete uns wie folgt:

Kunden haben die Möglichkeit, den Fire TV Stick auch ohne Vorkonfiguration zu bestellen. Dazu lässt sich die Geschenkoption nutzen. Der Fire TV Stick lässt sich dann nach Erhalt während des einfachen Setups konfigurieren.

Im Rahmen des regulären Bestellprozesses lässt sich die Account-Vorkonfiguration also nicht abwählen. Leser berichten gegenüber teltarif.de, dass der Umweg über die Geschenkoption tatsächlich funktioniert und der Fire TV Stick dann ohne Vorkonfiguration ankommt.

Ob Datenschützer und Jugendschützer dies allerdings als wirksamen Schutz betrachten, muss erst einmal offen bleiben. Denn fraglich ist, ob dieser Trick mit der Geschenkoption überhaupt auf breiter Basis bekannt ist.

Mittlerweile ist unser ausführlicher Testbericht zum Amazon Fire TV Stick erschienen, in dem wir nicht nur das App- und Content-Angebot unter die Lupe nehmen, sondern auch die Bedienung.

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