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Amazon Fire TV als Media-Player im Test: Nur über Umwege möglich

Amazons Fire TV muss sich im Langzeittest auch als Media-Player bewähren. Echter Spaß kommt aber erst auf, wenn externe Software installiert ist - das ist aber aufwändig. Wir haben uns außerdem die aktuell vorhandenen Mediatheken-Apps angesehen.
Von Hans-Georg Kluge
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Im vierten Teil unseres Fire-TV-Tests haben wir uns mit der Leistung als Medienplayer auseinandergesetzt. Noch immer ist die App für Netflix nicht erschienen - somit konzentrieren wir uns im Folgenden auf anderweitig vorrätige Videodateien und Mediatheken.

Kodi.tv - die beste Wahl für einen Mediaplayer

Auf der Startseite des Amazon Fire TV haben vor allem Instant-Video-Filme Platz.Auf der Startseite des Amazon Fire TV haben vor allem Instant-Video-Filme Platz. Wie schon in unserem Test von Drittanbieter-Apps geschrieben, ist der offiziell im App Shop erhältliche Media Player Vimu keine gute Lösung für Videodateien. Gerade bei Ton-Formaten fehlt der Software einiges.

Stattdessen haben wir die Mediacenter-Software Kodi.tv (früher XBMC) installiert - wir testeten die Version 14 Alpha 3. Die Installation muss dabei über die Entwickler-Software ADB erfolgen. Dafür muss der Nutzer die nötige Software auf einem Notebook installieren - die einzelnen Schritte sind auf einer Webseite des Open-Source-Projekts beschrieben.

Kodi.tv spielt nicht einfach nur Videos ab. Es handelt sich um ein vollwertiges Mediacenter-Interface, das auch für andere Plattformen zur Verfügung steht - beispielsweise Windows, OS X, Android oder iOS. Im Interface kann der Nutzer einzelne Dateien für die Wiedergabe auswählen. Die Software erstellt auf Wunsch auch eine Medienbibliothek aus den eigenen Quellen. So lassen sich beispielsweise Musik-Alben und Filme oder Fernsehserien erfassen. Dabei merkt sich Kodi.tv, welche Inhalte bereits abgespielt wurden.

Die Software bringt für die meisten Video- und Tonformate eigene Decoder mit. Videos liefen in unserem Test aber nicht immer ruckelfrei. Bewegte Bildelemente hüpften teilweise einige Zentimeter, wenn schnelle Bewegungen auftraten. Wirklich störend waren die Aussetzer jedoch nicht. Sie kamen unabhängig davon zustande, ob wir Full-HD- oder niedrig auflösende SD-Inhalte abspielten. Das deutet auf Probleme mit der Bildrate hin. Trotz einiger Versuche, die nötigen Einstellungen aufeinander abzustimmen, war es uns nicht möglich, die genaue Fehlerursache für die teils ruckeligen Videos einzugrenzen. Nicht auszuschließen ist außerdem, dass die Fehler wegen des Entwickler-Stadiums der getesteten Kodi.tv-Version auftreten.

Mediatheken: Öffentlich-rechtliche Sendungen on Demand

Anschlüsse des Fire TV: Stromkabel, HDMI, optischer Ausgang, Netzwerk und USBAnschlüsse des Fire TV: Stromkabel, HDMI, optischer Ausgang, Netzwerk und USB Während alternative Streaming-Anbieter wie Netflix, maxdome oder Watchever noch nicht auf Fire TV verfügbar sind, sind einige Mediatheken-Apps der öffentlich-rechtlichen Sender im App-Shop herunterzuladen. Mit dabei sind beispielsweise ARD, ZDF, BR und arte.

Wie alle anderen, offiziell erhältlichen Apps sind sie nach der Installation über die normale Benutzeroberfläche erreichbar. Je mehr Apps installiert sind, umso deutlicher zeigt sich jedoch eine große Schwäche der Benutzeroberfläche des Fire TV: Filme und Serien aus dem Instant-Video-Programm zeigt Amazon in mehreren Listen an - der Zugriff ist recht komfortabel. Apps hingegen finden nur auf dem Homescreen in einer Leiste Platz. Die ist auch noch chronologisch nach der letzten Nutzung geordnet. Das ist praktisch, wenn der Nutzer nur auf wenige Apps zugreift - unkomfortabel wird das, wenn viele Apps im Einsatz sind. Wünschenswert wären personalisierbare Ordner oder Ansichten.

In den Mediatheken der Sender findet sich das gewohnte Angebot. Filme sind meist nicht abrufbar - andere Sendungen hingegen meist noch sieben Tage nach der Ausstrahlung. Die Steuerung erfolgt mit der kleinen Fernbedienung, was in unserem Test recht gut klappte. In Sachen Darstellung spielt Fire TV die Stärken des leistungsfähigen Prozessors aus: Die Navigationsmenüs waren meist flüssig animiert. Bei arte steht beispielsweise auch HD-Qualität zur Auswahl. Die Fire-TV-weite Suche kann allerdings nicht auf die Inhalte der einzelnen Mediatheken zugreifen; somit muss der Nutzer schon wissen, für welche Sendungen er sich interessiert.

Preis-Leistungsverhältnis von Amazon Fire TV

Der Einführungspreis der Fire-TV-Konsole lag für Prime-Kunden bei 49 Euro - ein fast unschlagbar günstiger Preis. Zusammen mit dem Game-Controller kam so ein Preis von rund 90 Euro zusammen. Regulär kostet unsere getestete Kombination aber 140 Euro - sofern das Gamepad mit im Paket liegen soll. Richtig günstig ist das nicht - hier kommt als Konkurrenz die letzte Konsolengeneration infrage oder aber auch der bald erscheinende Nexus Player - preislich wird der aber nicht niedriger anzusiedeln sein.

Fazit: Amazon Fire TV mit Potenzial

In unserer ausführlichen Testserie haben wir gesehen, dass Amazons Smart-TV-Box Fire TV eine ganze Menge kann: Für Amazon-Content ist sie gut geeignet - wenngleich immer noch rätselhaft ist, warum Amazon seinen Musikdienst nicht für deutsche Nutzer freischaltet.

Die Einschränkungen, zum Beispiel bei Drittanbieter-Apps, sind dagegen ärgerlich. Dass Amazon bis heute die Netflix-App nicht ausliefert, ist dreist - technische Gründe können dafür nicht verantwortlich sein. Gelegenheitsspielern reicht Fire TV auch zum Zocken aus - schnelle 3D-Spiele bringen die Box aber schnell an die Grenze der Belastbarkeit.

Amazons Fire TV ist zum jetzigen Zeitpunkt vor allem für Kunden interessant, die das Instant-Video-Angebot auf den Fernseher bringen möchten. Wer eigene Inhalte abspielen möchte, ist mit anderen Lösungen möglicherweise besser bedient - denn ob und wann Amazon die beschriebenen Einschränkungen aufhebt, ist vollkommen unklar. Apps für Mediatheken sind oft auch auf Blu-Ray-Playern und anderen Konsolen installierbar.

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