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Fremde Apps und Spiele im Test: Amazon Fire TV als Konsole überfordert

Amazons Fire TV hat nicht nur Video-Streaming zu bieten: Dank Snapdragon-600-Prozessor ist die Box auch für aufwändige 3D-Spiele geeignet. Zeichnet sich hier die ideale Wohnzimmer-Konsole ab? In unserem Test zeigen wir, was dem Amazon-Player noch fehlt, um vollends zu überzeugen.
Von Hans-Georg Kluge
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Die Amazon-Fire-TV-Box ist nicht nur eine passable Streaming-Box - wie unser Streaming-Test zeigte. Mit Hilfe von Apps lassen sich eine Menge Funktionen nachrüsten und Spiele gibt es obendrein. In diesem Test beschäftigen wir uns eingehender mit diesen Funktionen des Amazon Fire TV.

Interner Speicher ist schnell knapp

Eines der wohl größten Probleme der Smart-TV-Box ist der knappe interne Speicher. Dieser beträgt gerade einmal 8 GB - davon belegt das System aber schon etwas. Es verbleiben rund 5,5 GB, die für Apps und Spiele ausreichen müssen. Umfangreiche Spiele wie beispielsweise "The Bards Tale" können schon alleine auf eine Größe von mehr als einem Gigabyte kommen. Es kann also schnell knapp werden mit dem Speicherplatz.

Riptide GP2 bringt Fire TV an die Grenze.Riptide GP2 bringt Fire TV an die Grenze. Immerhin müssen keine Medien-Dateien auf der Box gelagert werden - einen Player dafür gäbe es ohnehin nicht. Eine der wenigen Player-Apps, die für Fire TV verfügbar sind, nennt sich ViMu Player und kostet 1,10 Euro. Überzeugen kann die App aber nicht. Sie spielt zwar viele Video-Formate ab, aber beim Ton ist sie wählerisch. Dolby Digital oder AAC? Fehlanzeige - die Lautsprecher bleiben stumm.

Game-Controller und Spiele-Leistung

Amazon setzt auf einen recht fixen Snapdragon 600 von Qualcomm. Dieser Quadcore-Prozessor hat genügend Leistungsreserven, sodass die Be­nutzer­ober­fläche prinzipiell flüssig dargestellt wird. Auch für Spiele sollte die Box ausreichen. In unserem Test zeigt sich aber: So ganz klappt das nicht. Wir haben viele Runden im Rennspiel Riptide GP2 gedreht. Die Grafik ist in Ordnung, wenngleich zuweilen Bildfehler auftreten, zum Beispiel durchsichtige Wände - diese könnten aber auch ein Fehler der Spieldaten sein. Allerdings ruckelt das Spiel auch zuweilen. Störend ist das normalerweise nicht, gibt allerdings einen Hinweis darauf, dass künftige Spiele die Box schon überfordern können.

Amazons Gamepad mit Play-TastenAmazons Gamepad mit Play-Tasten Das Gamepad kostet bei Amazon zusätzliche 40 Euro - nicht gerade günstig. Die Verarbeitung ist allerdings gut. Es sollen aber auch andere Gamepads anzuschließen sein - wir hatten aber keines zur Hand.

Wer sich von Fire TV eine leistungsfähige Spielekonsole erwartet hat, dürfte etwas enttäuscht sein. An die großen Spielekonsolen vom Schlage der Xbox One oder der Playstation 4 kommt die Box nicht heran. Für Gelegenheitsspieler ist sie aber eine akzeptable Lösung.

Fremde Apps installieren

Apps installiert der Nutzer am besten über den integrierten App-Shop. Hier sind auch App-Käufe vom Smart­phone oder Tablet verfügbar - soweit die Anwendung kompatibel ist. Die so installierte Software erscheint im Hauptmenü von Fire TV.

Im Amazon App-Shop für Fire TV sind derzeit viele Multimedia-Apps wie Mediatheken verfügbar. Die größte Gruppe machen aber Spiele aus. Hier finden sich umfangreiche Actionspiele, aber auch Gelegenheitsspiele in der Auswahl. Wir vermissen zum Beispiel einen Browser, aber auch Apps für soziale Netzwerke. Ist die Fire-TV-Plattform erfolgreich, dürften sich die Lücken nach und nach schließen.

FiredTV: Nicht einfach zu installieren, aber erlaubt schnelleren Zugriff auf Apps.FiredTV: Nicht einfach zu installieren, aber erlaubt schnelleren Zugriff auf Apps. Prinzipiell lassen sich aber auch fremde Apps installieren, die Amazon nicht im App-Shop eingestellt hat. Über die ADB-Entwickler-Funktion können Apps auf die Konsole geladen werden. Auf dem Hauptbildschirm erscheinen sie aber nicht. Einzige Möglichkeit sie zu starten ist, sie über die Einstellungen von Fire TV aufzurufen - dabei gibt es vier Menü-Ebenen, die zu überwinden sind. Für regelmäßige Aufrufe ist das kaum praxistauglich.

Alle Abhilfen dafür haben mehr oder weniger große Schwächen: Mit FiredTV gibt es einen alternativen Launcher, der sehr minimalistisch daher kommt und sich über den regulären Homescreen legt. Dieser Weg ist immerhin eine temporäre Lösung, wenngleich er einen spröden Charme versprüht und in puncto Bedienung die eine oder andere Kleinigkeit vermissen lässt. Beispielsweise lässt sich das reguläre Menü des Fire TV aufrufen - dann gelingt aber die Rückkehr zu FiredTV nur über den langwierigen Weg der Einstellungen.

Ein anderer Trick besteht darin, eine App über den App-Shop zu installieren, die gar nicht benötigt wird. Mit Hilfe weiterer inoffizieller Apps (über ADB zu installieren) lässt sich einstellen, dass beim Klick auf die nicht benötigte App eine andere Anwendung gestartet werden soll. Die Einrichtung ist aber kompliziert und erfordert, dass Tastatur und Maus angestöpselt werden.

In einem künftigen Test gehen wir noch auf die Funktionen von Fire TV als Medien-Player ein. Hoffentlich ist dann zumindest Netflix für Fire TV verfügbar.

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