Pro & Contra

Kontroverse: Einfacher bestellen mit dem Amazon Dash-Button?

Ob die Vorteile oder die Nachteile beim Amazon Dash-Button überwiegen, haben wir in der Praxis ausprobiert. Zwei teltarif.de-Redakteure sind zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen.
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teltarif.de-Redakteure im Pro und Contra
Unsere Redakteure sind offenbar geteilter Meinung über den Dash-Button von Amazon.
Der Amazon Dash Button ist seit Anfang September auch in Deutschland verfügbar. Über das WLAN-Gerät kann per Knopfdruck eine Bestellung bei Amazon ausgelöst werden. Das verspricht Bequemlichkeit beim unmittelbaren Auffüllen der Vorräte, das Konzept hat jedoch auch kritische Reaktionen hervorgerufen.

teltarif.de-Redakteure Daniel Rottinger und Daniel Molenda teilen zwar den Vornamen, nicht jedoch die Meinung über den neuesten Amazon-Wurf. Ihre Haltung bringen sie in diesem Pro & Contra-Artikel zum Ausdruck.

Pro und Contra

Daniel Rottinger
Pro
Daniel Rottinger
Genial einfach? Einfach genial!

Die Dash-Buttons von Amazon sind eine clevere Erfindung, die das Internet der Dinge zum Fast-Umsonst-Preis in deutsche Wohnungen bringt. Statt Alltagsartikel umständlich über die Amazon-App zu ordern, genügt ein kurzer Knopfdruck. Quasi parallel erhält der Nutzer auf seinem Smartphone die Bestellbenachrichtigung und kann sich über die Konditionen ein Bild machen. Versandkosten fallen nicht an, die Lieferung erfolgt frei Haus. Dank des stetig ausgebauten Amazon-Kurierdienstes erreichen mich die bestellten Artikel rasch und zuverlässig. Der kleine Knopf wird für viele Marken angeboten - für jeden sollte etwas dabei sein.

Die Einstiegshürde beim Dash-Button fällt zudem angenehm gering aus: So erhalten Anwender den Buttons quasi kostenfrei. Zwar werden beim Kauf des Bestellknopfs einmalig 4,99 Euro fällig, doch diese bekommt der Nutzer bei der ersten Order per Dash-Button in Form eines Rabatts zurückerstattet.

Fast so einfach wie die erste Bestellung ist die Einrichtung des Dash-Buttons. Der per Wifi angebundene Knopf lässt sich über die Amazon-App mit einem Artikel der eigenen Wahl konfigurieren. Später kann sich der Nutzer jederzeit für ein anderes Produkt des Herstellers umentscheiden. Gefällt mir indes ein Produkt nicht, kann ich es einfach zurückschicken.

Zudem ist die Flexibilität auch in puncto WLAN-Verbindung gegeben. Nutzer können den Dash-Button problemlos aus ihrem Heimnetzwerk entkoppeln und mit einem anderen Wifi verbinden. So lässt sich der gleiche Dash-Button etwa auch am Zweitwohnsitz nutzen - etwas Einrichtungszeit vorausgesetzt.

Natürlich ist die Intention von Amazon und der teilnehmenden Händler klar: Der Nutzer soll stets nur einen Knopfdruck von der nächsten Bestellung entfernt sein und sich keine Gedanken über deren Ablauf machen. Und dieses Prinzip stößt mir bei Alltagsgegenständen auch nicht sauer auf: Schließlich möchte ich mir darüber kein Kopf machen, wie sich ein Verbrauchsgegenstand seinen Weg in meinen virtuellen Warenkorb bahnt. Sollte der Preis bei einem Artikel unerwartet hoch ausfallen, kann ich die Bestellung ja immer noch stornieren.

Letztendlich bleibt es ein nettes Gadget für Prime-Kunden, mit dem Amazon seinen kostenpflichtigen Premium-Dienst weiter aufwertet. Gewöhnt sich ein Nutzer an die Bestellung per Dash-Button, wird er auch die dafür erforderliche Prime-Mitgliedschaft nicht ohne weiteres kündigen. Mit dieser Kopplung kann ich allerdings gut leben, mir war Prime auch zuvor die Jahresgebühr wert.

Ich bin schon auf den baldigen Deutschland-Launch des vernetzten Lautsprechers Amazon Echo gespannt, der die bequeme Bestellung nochmals deutlich ausweiten dürfte. Wer weiß - vielleicht werden in Zukunft viele andere Geräte über den Amazon Dash Replenishment Service (DRS) automatisch Verbrauchsmaterialien nachbestellen?

Daniel Molenda
Contra
Daniel Molenda
Was Amazon da mit dem Dash-Button abgeliefert hat, nennen böse Zungen schon "Trash-Button". Ich kann es ihnen nicht verübeln.

Die Enttäuschung beginnt schon beim Einrichten. Kaum hat man den Button ins Netzwerk eingebunden, stellt man fest, dass die Auswahl der Prime-Produkte der ent­sprechenden Marke stark eingeschränkt ist (Biozentrale: 2,8 Prozent). Dies erfahre ich aber erst nach dem Ein­binden des Dash-Buttons. Die Liste ist nur über die App einsehbar. Man kauft die Katze im Sack.

Ohnehin lässt sich der Dash-Button nur über die Amazon-App verwalten. Das ist ein doppelter Zwang: Der Zwang zum Smartphone und der Zwang zur Amazon-App, die nicht gerade zimperlich mit meinen Daten umgeht.

Bestellen muss ich in Gebinde­größen, die vielleicht auf Großfamilien passen, nicht aber für den typischen 2- bis 5-Personen-Haushalt. Kiloweise Lebensmittel bestelle ich vielleicht alle paar Monate mal. Dafür brauche ich kein eigenes Gerät.

Die Verbraucherzentralen kritisieren zu Recht: Der Kauf per Button ist völlig intransparent. Preisanzeige? Fehl­anzeige! Amazon informiert mich nach eigener Aussage erst gesondert, wenn der Preis seit dem letzten Kauf um 10 Prozent gestiegen ist. Noch eine Katze im Sack.

Der Dash-Button ist ein Fremdkörper im Amazon-Reich. Die Bestellungen können nicht mit Amazon Pantry oder dem Spar-Abo gekoppelt werden. Rabatte gibt es hier daher nicht - ein Riesen-Nachteil. Da bringt es mir auch nichts, dass der Button rechnerisch kostenlos ist.

Der Dash-Button ist nicht nur intransparent, Amazon steht möglicher­weise Ärger ins Haus. Denn der Button umgeht - welche Ironie - die gesetzlich geforderte Button-Lösung bei Online-Käufen. Allein der Umstand, dass Amazon dieses verbraucherfreundliche Instrument auf diese Weise torpediert, verdient deutliche Kritik.

Der Dash-Button sei "intelligent", wird mir versprochen. Das ist grober Unfug: Seine Funktion ist dermaßen schmal - "beschränkt" trifft es eher. Zwar gibt es eine Reihe kreativer Köpfe, die bereits zahlreiche Hacks ausgesonnen haben. Sie konnten den Button für diverse Smart-Home-Anwendungen fit machen. Aber ehrlich: Ohne diese Hacks ist der Dash-Button ein Stück Elektronikschrott - spätestens in 10 Jahren, wenn die nicht wechselbare Batterie leer ist.

Nicht zuletzt stelle ich die ästhetische Frage: Soll ich meine ganze Wohnung mit Dash-Buttons zupflastern? Hell, no!

Unterm Strich ist der Dash-Button ein prominentes Beispiel dafür, wie das Internet of Things sich meiner Meinung nach nicht weiter entwickeln sollte: Der Dash-Button ist der Gestalt gewordene Lock-in-Effekt! Warum hat Amazon nicht das "Dash-Board" entworfen? Eine interaktive Einkaufsliste mit allen Prime-Produkten und Preisanzeige?

Die Antwort ist klar - Amazon will dreifach kassieren: Die Lizenzkosten von den Markenherstellern, den Umsatz mit den Kunden und die Provision für jeden Kauf. Außerdem soll der Kaufvorgang so niedrigschwellig wie möglich sein. Impulskauf galore!

Nicht-Prime-Kunden können meiner Meinung nach beruhigt sein, dass sie den Dash-Button nicht kaufen können. Sie haben keinen Grund dazu.


Offenlegung: Beide Redakteure sind Amazon Prime-Kunden und nutzen den Service aktiv.

Fehlt Ihnen ein Argument und Sie möchten mitreden? Schreiben Sie einen eigenen Beitrag oder diskutieren Sie mit anderen Usern im Forum. In einer gesonderten Meldung haben wir gezeigt, wie der Dash-Button funktioniert.

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