Start

Amazon bringt In-Skill-Käufe für Alexa nach Deutschland

Nutzer von Amazons Sprachas­sistent Alexa können ab sofort kosten­pflich­tige Skills nutzen. Das Unter­nehmen lässt Entwickler jetzt auch in Deutsch­land zusätz­liche Alexa-Fähig­keiten gegen Geld anbieten.
Von dpa /
AAA
Teilen (2)

Nutzer von Amazons Sprachas­sistent Alexa können ab sofort kosten­pflich­tige Skills nutzen. Das Unter­nehmen lässt Entwickler jetzt auch in Deutsch­land zusätz­liche Alexa-Fähig­keiten gegen Geld anbieten.

Diese soge­nannten In-Skill-Käufe funk­tionieren ähnlich wie In-App-Käufe in Apps für Smart­phones. Per Sprach­befehl können Amazon-Kunden für ihre bereits bestehenden Alexa-Skills neue Inhalte erwerben.

Wie "heise online" berichtet, zählen dazu etwa Dienste wie der "Handy Finder", der dann für 4,99 Euro jähr­lich bis zu drei Mobil­geräte aufspüren kann. Wer Busi­ness-Englisch lernen will, kann das beispiels­weise über den Skill "Sprach­dusche von Jicki" für rund 10 Euro im Monat tun. Die Basis-Versionen von Alexa-Skills bleiben laut Amazon kosten­frei.

Unten lesen Sie, wie Sie Skills für Alexa selbst erstellen können.

Teilen (2)
Alexa persönlich

Skills selbstgemacht: Alexa Skill Blueprints im Test

Mit den Skill Blue­prints für Alexa lassen sich ohne Program­mier­kennt­nisse indi­vidu­elle Inter­aktionen mit der digi­talen Sprach­amazone erstellen. Doch wie gut funk­tioniert das wirk­lich? Wir haben es getestet.
Von Dennis Knake

Amazons Sprachas­sistentin Alexa erfreut sich trotz aller Diskus­sionen um die Privat­sphäre wach­sender Beliebt­heit. Ob zur Steue­rung im Smart Home, für Musik oder Unter­haltung. Weniger bekannt sind die „Blue­prints“ mit denen es Amazon seinen Nutzern ermög­licht, mit Alexa noch persön­licher zu inter­agieren. Ganz ohne Program­mier­kennt­nisse. Hier zeigen wir, wie es geht und verraten, wo Amazon noch drin­gend nach­bessern muss.

Unter blueprints.amazon.de bietet das Unter­nehmen seinen Alexa-Kunden eine webba­sierte Platt­form, mit der sich indi­vidu­elle Skills erstellen lassen, ohne zu program­mieren. Damit kann Alexa in wenigen Schritten, auf eigene Sprach­kommandos indi­vidu­elle Antworten geben. So spuckt die digi­tale Sprach­amazone etwa nach der Frage nach dem Gäste-WLAN das passende Pass­wort aus oder verrät Besu­chern, wo Haus­herr oder Haus­dame den Rotwein zu verste­cken pflegen.

Alexa Skill Blueprints Titelbild
Alexa Blueprints sind fertige Skill-Vorlagen, die nur noch personalisiert werden müssen. Richtig sinnvoll lässt sich aber nur der "Frage & Antwort" Skill verwenden.
Auch unan­genehme Haus­arbeiten wie etwa den Müll raus­tragen oder die Wäsche bügeln – eine Ange­legen­heit, die gerne mal für dicke Luft im Fami­lien­kreise sorgt – kann Alexa künftig auf Nach­frage als „neutrale dritte Person“ auf die Bewohner verteilen. Sie erle­digt es zwar leider nicht selbst, aber hilft zumin­dest bei der Entschei­dungs­findung.

Soweit die Theorie. Doch wie sieht es in der Praxis aus? Nach dem Einloggen auf dem Blue­print-Portal stehen verschie­dene Blue­prints für die Skill-Erstel­lung zur Verfü­gung. Die viel­verspre­chendsten dabei sind die Blue­prints „Frage & Antwort“ sowie „Wer ist dran“.

Persön­lichen „Frage & Antwort“-Skill erstellen

Mit dem Blue­print „Frage & Antwort“ lassen sich, wie der Name es schon vermuten lässt, Fragen erstellen, auf die Alexa indi­vidu­elle Antworten bereit­hält. Die Anzahl der Fragen ist dabei unbe­grenzt. Pro gewünschter Antwort können jedoch nur maximal vier Frage­vari­anten vorge­geben werden.

Wer etwa Gästen im Haus eine Hilfe­stel­lung geben möchte, kann damit Alexa sagen lassen, wo sich der Wein befindet oder wie sich der Fern­seher oder die HiFi-Anlage einschalten lassen. Amazon hat zwar dafür einen anderen Blue­print „Haus­gast“ vorge­sehen, der für solche Fragen und Antworten vorge­sehen ist. Das Problem: Dieses Helfer­lein muss erst mit dem Befehl „Alexa, öffne meinen Gast Guide“ gestartet werden. Ganz ehrlich? Das ist wenig intuitiv und das macht so kein Mensch.

Bei dem Blue­print für „Frage & Antworten“ hingegen muss vorher kein Skill gestartet werden. Die Frage kann einfach so gestellt werden. Um eine neue Frage zu erstellen, klickt man dazu auf die entspre­chende Blue­print Kachel und dann auf „Jetzt erstellen“. Amazon gibt nun die Möglich­keit, unter „Wenn Sie sagen: Alexa,…“ bis zu vier Frage­vari­anten zu defi­nieren. Unter „Alexa wird sagen…“ wird die gewünschte Antwort einge­tragen.

Screenshot Alexa Blueprint
Schritt für Schritt zum eigenen Skill. Mit dem Blueprint "Frage & Antworten", lernt Alexa individuell zu reagieren.
Sind Fragen und Antworten defi­niert, genügt ein Klick auf den Button „Nächster Schritt: Skill aktua­lisieren“ oben rechts. Es dauert nur knapp eine Minute, dann ist der neue Skill sofort verfügbar. Bei Fragen nach Gegen­ständen wie etwa „Wo finde ich den Wein“ oder „Wo liegt das Besteck“ antwor­tete Alexa in unserem Test auch recht zuver­lässig.

Fall­stricke: Nicht alle Fragen eignen sich

Was sich als unheim­lich schwierig heraus­stellte, war die heut­zutage sicher­lich wich­tige Frage nach dem Gäste-WLAN. Diese Frage wollte Alexa in vielen nahe­liegend klin­genden Vari­anten partout nicht wie vorge­geben beant­worten. Das mag damit zusam­menhängen, dass Alexa hier Konflikte mit anderen bereits vorpro­gram­mierten Fragen bekommt.

So antwor­tete sie auf die im Blue­print einge­tragene Frage „Gibt es hier WLAN?“ statt mit der gewünschten Antwort mit „Welches Gerät?“. Auf die Vari­ante „Wie lautet das WLAN-Pass­wort“ hat sie statt der rich­tigen Antwort nur den Flach­witz „Lass mich raten, 1234abcd“ parat. Andere Vari­anten wie „Sag mir das WLAN Pass­wort“ lieferten nur „ich sehe diesen Trig­gersatz nicht“ oder „ich weiß es nicht“.

Auch nahe­liegende Formu­lierungen „Wie heißt das WLAN“ oder „Wie lautet das WLAN“ wollte Alexa trotz expli­ziter Vorgabe in den Blue­prints in unserem Test nicht korrekt beant­worten. Ledig­lich etwas weiter herge­holte Vari­anten nach dem Pass­wort, wie etwa „Wie gehe ich online“ oder „Wie heißt das Wifi“ beant­wortete sie wie geplant. Hier hat Amazon offenbar Nach­holbe­darf. Da hat es auch nicht geholfen, ihr via Alexa-App mitzu­teilen, dass sie die eine oder andere Frage nicht wie gewünscht beant­wortet hatte.

Entschei­dungs­findung mit „Wer ist dran?“

Eine spie­leri­sche Idee, Konflikten im Haus­halt vorzu­beugen und Alexa entscheiden zu lassen, wer jetzt bestimmte Aufgaben über­nimmt, ist der Blue­print „Wer ist dran?“. Hier trägt man zunächst die Namen aller Haus­halts­mitglieder oder Freunde ein, die Alexa per Zufalls­prinzip auswählen soll.

Screenshot Alexa Blueprint
Der Skill "Wer ist dran" lässt Alexa zufällig eine Person benennen. Leider ist Verwendung des Skills wenig intuitiv.
Um dem ganzen Auswahl­prozess ein wenig span­nender zu gestalten, können nun kurze Sounds wie etwa ein Tusch oder ein Applaus ausge­wählt werden, in Verbin­dung mit einem indi­viduell anpass­baren Einlei­tungs­satz wie etwa „Ok, ich entscheide mich für…“ oder „Und der Gewinner ist…“. Auf dem Echo-Show mit Bild­schirm kann dazu noch ein passendes Hinter­grund­bild ausge­wählt werden. Was stark anfängt, wird dann aber jäh zur Enttäu­schung: Völlig Gaga und nicht intuitiv ist die Bedie­nung dieses Skills. Es können keine Aufgaben wie etwa „Müll raus­tragen“ oder „Früh­stück machen“ defi­niert werden. Statt­dessen kann diesem Skill am Ende nur ein Name gegeben werden. Also beispiels­weise „Früh­stück machen“.

Will man nun Alexa entscheiden lassen, geht das dann aber nicht über die nahe­liegende Frage „Alexa, wer ist dran mit Früh­stück machen?“ – obwohl der Name des Blue­prints „Wer ist dran“ ja genau das sugge­riert - nein, man muss „Alexa, öffne Früh­stück machen“ sagen.

Ganz ehrlich? Das ist unbrauchbar! Kein Mensch redet so. Außerdem: Für jede weitere Aufgabe muss ein weiterer Skill mit dem „Wer ist dran“ Blue­print erstellt und entspre­chend benannt werden. Wäre das nicht einfa­cher gegangen?

Weitere Blue­prints eher Eintags­fliegen

Die weiteren Blue­prints zeigen leider auch das Dilemma, was im normalen Alexa-Skill-Store herrscht: Mehr oder weniger lustige Spiel­chen, die man viel­leicht einmal nutzt, aber danach nie wieder. Zudem oft eine nicht intui­tive Start­funk­tion über den „öffne“-Befehl.

So ist der Blue­print „Mein Komplize“ dazu gedacht, Alexa Fragen zum eigenen Outfit, zum Aussehen oder zu geplanten Akti­vitäten zu stellen. Alexa wird dann einen passenden Sound abspielen und soll den Frage­steller anschlie­ßend über den grünen Klee loben. Komplize halt. Im Grunde ist dieser Blue­print iden­tisch mit „Frage & Antworten“, nur erwei­tert um einen Sound­effekt und den Nach­teil, dass man ihn mit „Alexa, öffne mein Komplize“ starten muss.

Nütz­lich viel­leicht noch der Blue­print „Kartei­karten“, mit der sich der Nutzer zu frei wähl­baren Themen Lern­karten erstellt und anschlie­ßend von Alexa abfragen lassen kann. Die weiteren bislang verfüg­baren Blue­prints beschränken sich auf Witze, Rätsel­spiele oder das Sammeln von Lieb­lings­zitaten. Naja, wer’s braucht.

Wichtig ist zu wissen, dass sich die selbst erstellen Skills nicht im Skill-Store bereit­stellen lassen. Es ist aller­dings möglich, einen Skill mit anderen Nutzern zu teilen. Der Zugriff erfolgt über einen Frei­gabe­link, der sich per E-Mail, Face­book, Twitter, Pinte­rest oder als Direkt­link teilen lässt.

Fazit

Die Skill Blue­prints sind im Grunde eine groß­artige Möglich­keit, Alexa schnell und unkom­pliziert, perso­nali­sierte Fähig­keiten beizu­bringen. Aller­dings ist die Funk­tiona­lität noch ausbau­fähig. Auch werden einge­gebene Fragen nicht immer zuver­lässig erkannt oder kolli­dieren mit Fragen, die Alexa bereits von Haus aus nutzt.

Bild /
      Bild /