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Am Konzept von Chrome OS scheiden sich die Geister

Von Steffen Herget
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Jetzt ist es raus: Googles neues Betriebssystem für Netbooks Chrome OS setzt komplett auf das Internet und nutzt Cloud-Computing konsequenter und radikaler als bisherige Systeme. Auch in der gesamten Ausrichtung macht Google kaum Kompromisse. Über das Wohl und Wehe dieses Konzeptes gibt es unterschiedliche Meinungen.

Mit Chrome OS wird der Rechner reduziert auf ein Gerät zum Zugriff auf das Internet. Es laufen keine Programme darauf, Daten werden auch nur über das Netbook ins Netz geschaufelt oder heruntergeladen und nicht gespeichert, und außer einem Browser hat Chrome OS - genau, nichts. Überhaupt nichts. Klar, die Zahl der Web-Applikationen wird immer größer, aber bis zu dem angekündigten Start in einem Jahr müsste sich da schon noch viel tun.

Die Tatsache, dass Google das Internet so stark ins Zentrum rückt, bedeutet auch: ohne Online-Verbindung geht gar nichts. Wer also sein Netbook unterwegs benutzen will, kommt ohne WLAN- oder UMTS-Verbindung nicht weiter. Zwar werden die Datentarife zusehend billiger, aber die Geschwindigkeiten, die die Netze derzeit anbieten, könnten das Vergnügen deutlich einbremsen. Dazu kommt, dass sich der Chrome-OS-User immer mit seinem Google-Konto anmelden muss. Jeder Schritt im Netz führt dann über Google, das muss den Nutzern immer bewusst sein. Die Daten, die Google über Chrome OS über jeden Einzelnen sammeln kann, sind so umfangreich wie nie zuvor. Ein Schelm wer Böses dabei denkt.

Chrome OS braucht neue Netbooks

Wer sich denkt, naja, ich lade mir Chrome OS einfach mal runter und probier's aus, wird sich ebenfalls wundern. Laut Google muss für Chrome OS neue Hardware gekauft werden, das System läuft nur auf zertifizierten Netbooks mit SSD, gewöhnliche Festplatten werden nicht unterstützt. Die Hersteller freuen sich, aber viele potenzielle User könnte das durchaus abschrecken. Allerdings kommen die Hersteller wohl kaum drum herum, die Geräte mit Chrome OS dann extrem günstig anzubieten, sonst kauft das wohl niemand. Außerdem noch weitgehend ungeklärt ist die Problematik der Treiber für Peripherie-Geräte wie Drucker, Scanner, Kameras und ähnliches. Zwar entwickelt angeblich ein kleines Heer von Programmierern Treiber für Google Chrome OS, aber die Menge an verschiedenen Geräte und Herstellern macht diese Aufgabe nicht gerade klein. Immerhin: wenn alle Daten, Programme und Einstellungen im Internet liegen, und die Geräte auch noch billig sind, ist ein Verlust oder Defekt deutlich leichter zu verschmerzen. Einfach ein neues Chrome-OS-Netbook kaufen und alles ist wie vorher. Oder gleich eins für zu Hause, eins fürs Büro, eins fürs Auto, und so weiter.

Vielleicht ist die Welt einfach nur noch nicht ganz reif dafür, vielleicht ist das Konzept auch nur ein bisschen zu radikal geraten. Es kann aber auf der anderen Seite auch sein, dass Google genau in die richtige Kerbe schlägt. Billige, neue Geräte kommen ja durchaus gut an, und die Reduzierung auf die Grundfunktionen könnte sich ja auch positiv etwa auf die Akku-Laufzeit der Netbooks mit Chrome OS auswirken und die Mobilität weiter erhöhen. Die Hersteller dürften den geringen technischen Aufwand und das kostenlose OS auch zu schätzen wissen. Alles steht und fällt aber mit der Akzeptanz bei den Nutzern. Solange die Bedenken, die viele heutzutage gegen Cloud-Computing haben, nicht ausgeräumt werden, dürfte Google der große Wurf mit Chrome OS nicht gelingen.

Hier noch ein Video von Google Chrome OS auf dem Netbook:

[Quelle: TechCrunch]

Screenshots von Google Chrome OS:

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