Grenzblick

Auch in der Schweiz: All-IP-Umstellung nicht ohne Probleme

Nicht nur in Deutschland zieht All-IP in den Telefonmarkt ein - auch in der Schweiz wird umgestellt. Bis Ende 2017 soll das klassische Festnetz Geschichte sein. Und wie in Deutschland läuft die Umstellung nicht ohne Probleme.
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Swisscom stellt auf All-IP umSwisscom stellt auf All-IP um In Deutschland erhitzt ein Projekt der Deutschen Telekom seit mehr als einem Jahr schon die Gemüter: Die Umstellung auf All-IP. Bei unseren Nachbarn in der Schweiz sieht es nicht anders auch. Auch dort will der Ex-Monopolist Swisscom sein klassisches Telefonnetz nicht länger am Leben erhalten und die Anschlüsse auf eine deutlich modernere All-IP-Technik umstellen. So gibt es für die Telefonanbieter nur noch ein Netz, das gleichermaßen für Sprache, Daten und andere Dienste genutzt wird. Doch wie auch in Deutschland funktioniert das in der Schweiz nur mit vielen Nebengeräuschen, wie der Tagesanzeiger berichtet.

Status Quo: 700 000 Kunden migriert

Etwa 2,8 Millionen Festnetzanschlüsse zählte die Swisscom Ende 2014. Davon hat sie nach Angaben des Tagesanzeigers nun etwa 700 000 Kundenanschlüsse umgestellt. Vor einem Jahr waren es noch 260 000 Anschlüsse. In den kommenden etwa zweieinhalb Jahren liegt also noch eine Menge Arbeit vor der Swisscom. Und in der Branche geht man davon aus, dass die letzten zehn Prozent der Kunden jene sind, die am schwersten von einem IP-Anschluss zu überzeugen sind. An denen könne man sich die Zähne ausbeißen, wird ein namentlich nicht genannter Brancheninsider in der Tageszeitung zitiert.

Die Swisscom wiegelt ab. ISDN habe gerade für Privatkunden kaum noch Bedeutung. Nur fünf Prozent der Privatkunden nutzen ISDN-Telefone, heißt es. Diese würden auch bis Ende 2017 an noch nicht umgestellten ISDN-Anschlüssen weiterhin funktionieren. Danach können sie unter Umständen an Telefonanlagen mit S0-Bus weiterverwendet werden. Absolute ISDN-Anschlusszahlen gibt die Swisscom nicht aus.

Der zitierte Insider sieht die Probleme auch vor allem bei Firmenkunden. Da habe man "unendlich viele Spezialfälle", heißt es. Und es fehle oft der Anreiz, bei einer funktionierenden ISDN-Anlage das System zu wechseln. Bislang verzichtet die Swisscom wohl auf Änderungskündigungen bei ihren Kunden. Anders als die Deutsche Telekom, die seit vergangenem Jahr bestehenden VDSL-Kunden mit echtem Festnetzanschluss zum Ende der Vertragslaufzeit kündigt, wenn sie sich nicht zum Wechsel bewegen lassen.

Elektroinstallateure bekommen Provision für Wechsel

In der Schweiz arbeitet die Swisscom bei den Umstellungen eng mit Elektroinstallateuren zusammen. Sie gehen nach der Darstellung des Tagesanzeigers zu den Kunden und überzeugen sie von einem Wechsel. Dafür gibt es dann eine Provision. Dennoch: Hinter vorgehaltener Hand bezeichnen auch sie die Swisscom-Pläne, bis Ende 2017 auf das Festnetz zu verzichten, als illusorisch. Und sie sind verärgert über die mangelnde Unterstützung durch den Konzern. Eine Software-Plattform, die die Installateure unterstützen soll, wird als nicht ausgereift bezeichnet, manche bezeichnen sich gar als Versuchskaninchen.

Bei der Swisscom wird man, wie auch bei der Telekom, indes nicht müde, den Kunden zu versichern, dass die neue Technologie genau so zuverlässig sei wie die alte - nur dass sie deutlich mehr Features biete. Wie in Deutschland werden auch in der Schweiz die neuen IP-Anschlüsse unter anderem mit TV-Lösungen in Betrieb genommen - eines der möglichen Verkaufsargumente, auch wenn es technisch dafür keine Gründe gibt. Doch wenn dann bei derartigen Premium-Produkten etwas nicht funktioniert, kann der Kunde weder telefonieren, noch im Internet surfen, noch TV sehen und der Ärger ist vorprogrammiert.

In Deutschland will die Telekom die Umstellung ihres Telefonnetzes bis 2018 abgeschlossen haben. Nachdem die Umstellung der VDSL-Kunden vollzogen ist, werden wohl die nächsten Zwangskündigungen auch normale DSL-Anschlüsse treffen.

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