Neuregelung

Aldi Talk: Prepaid-Identifizierung an der Aldi-Kasse im Test

Seit 1. Juli müssen Mobilfunkanbieter beim Verkauf von Prepaidkarten eine Identifizierung ihrer Kunden durchführen. Wir haben ausprobiert, ob und wie das bei Aldi Talk direkt an der Supermarkt-Kasse von Aldi funktioniert.
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Das bei Aldi Süd erworbene StartersetDas bei Aldi Süd erworbene Starterset Seit Samstag gilt wie berichtet die neue, vom Gesetzgeber vor­ge­schriebene Identifi­zierungs­pflicht für Prepaid­karten. Auf der einen Seite will damit der Gesetzgeber die anonyme Nutzung von Prepaid­karten zum Zwecke der Terrorismus­be­kämpfung unter­binden, anderer­seits bedeutet das neue Prozedere einen Mehraufwand für Provider, Händler und Kunden.

In den vergangenen Wochen haben sich Prepaidanbieter wie beispielsweise Aldi Talk auf die neue Regelung vorbereitet und mitgeteilt, auf welchen Wegen Neukunden eine offizielle Identitätsprüfung durchführen können. Da Aldi Süd nach eigenen Angaben die Identitätsprüfung auch an der Supermarktkasse bei Aldi anbietet, haben wir uns heute in eine Aldi-Filiale begeben und das Prozedere getestet.

Prepaid-Identifizierung: Nicht im laufenden Kassier-Vorgang

In unserer örtlichen Aldi-Filiale in Süd-Hessen begaben wir uns an die Kasse. Dort standen an jeder Kasse etwa vier bis sechs Personen Schlange. Bereits während des Wartens konnten wir ein Gespräch an der benachbarten Kasse mitverfolgen. Eine Kundin kaufte ein Aldi-Talk-Starterset, wusste aber offenbar nichts von der neuen Pflicht zur Identitätsprüfung. Die Kassiererin wies die Kundin darauf hin, dass sie dazu "zur Sparkasse oder Post" gehen müsse. Man würde das Verfahren zwar auch hier in der Filiale anbieten, allerdings würde dies "deutlich länger" dauern. Sichtlich eingeschüchtert verließ die Kundin mit dem Starterset ohne Identitätsprüfung den Supermarkt.

Wir wollten uns allerdings nicht abwimmeln lassen. Als wir an die Reihe kamen, forderten wir ein Starterset und bestanden darauf, die Identifizierung gleich hier im Supermarkt durchzuführen. Schnell wurde klar: Die Kassiererinnen machen das nicht, weil das den Kundenverkehr deutlich verzögern würde.

Unsere Kassiererin empfahl nochmals, dass wir zur Sparkasse oder Post gehen, wir blieben allerdings dabei und forderten die Identifizierung vor Ort. Daraufhin rief die Kassiererin den zuständigen Mitarbeiter an und bat ihn zur Kasse. "Der Kunde will es unbedingt hier machen", unterstrich sie unseren Wunsch. Was der Kollege daraufhin sagte, konnten wir nicht hören, offenbar empfahl er aber der Kassiererin, uns abzuwimmeln, denn sie fragte am Telefon: "Soll ich etwa alle Kunden wegschicken, oder was?" Schließlich erschien der Mitarbeiter an der Kasse, zuvor hatte die Kassiererin uns ordnungsgemäß 12,99 Euro für das Starterset berechnet.

Identifizierung dauert nur 5 Minuten

Während des ganzen Identifizierungsvorgangs mussten wir außerhalb der Abschrankung stehen, während der Mitarbeiter sich innerhalb des Marktes befand. Der Mitarbeiter fragte ein letztes Mal, ob wir nicht lieber woanders hingehen möchten, denn die Sache würde "einige Zeit dauern". Als wir wiederum hart blieben, forderte er unseren Personalausweis und verschwand damit für zwei Minuten im Markt - wir konnten wegen der Abschrankung neben der Kasse den Markt nicht erneut betreten.

Schließlich erschien der Mitarbeiter erneut mit unserem Ausweis und einem speziellen Registrierungs-Tablet, das wie das Starterset mit einer gelben Umrandung versehen war. Für die Bedienung des Tablets nutzte der Mitarbeiter einen Eingabestift. Zunächst wurde der Strichcode für die SIM-Karten-Nummer auf der Rückseite des Starterpakets gescannt. Im Verlauf des etwa 15 Schritte umfassenden Registrierungsprozesses musste der Mitarbeiter dann die Vorderseite unseres Personalausweises unter die Tablet-Kamera halten.

Erst nachdem der Mitarbeiter uns bereits den Ausweis zurückgegeben hatte, merkte er, dass das System auch ein Foto der Ausweis-Rückseite fordert. In weiteren Schritten wurden wir gefragt, ob wir die Registrierung auf unseren eigenen oder einen fremden Namen vornehmen wollen und ob wir optional unsere Adresse übermitteln wollen. Die Übermittlung der Adresse lehnten wir ab. Danach mussten wir das Starterpaket öffnen, die SIM-Karte suchen und dem Mitarbeiter die PUK2 vorlesen.

In weiteren Schritten zeigte uns der Mitarbeiter diverse Disclaimer-Texte zur Datenübermittlung, denen wir zustimmen mussten - ohne eine Zustimmung wäre keine Identifizierung möglich gewesen. Schließlich erschien ein lachendes grünes Gesicht auf dem Display - der Identifizierungsvorgang war erfolgreich abgeschlossen. Wir protokollierten die Zeit, die der Mitarbeiter für das ganze Prozedere mit dem Tablet benötigte: Es waren exakt fünf Minuten.

Fazit

Zumindest Aldi Süd hat seine Mitarbeiter offenbar darauf vorbereitet, dass sie die neue gesetzlich vorgeschriebene Prepaid-Identitätsprüfung direkt im Supermarkt vornehmen können. In technischer Hinsicht konnten wir keine Probleme bei dem Prozedere feststellen, das in wenigen Minuten absolviert war.

Sonderlich viel Freude scheinen die Supermarkt-Mitarbeiter an der neuen Aufgabe allerdings nicht zu haben - anscheinend freuen sie sich über die von Aldi Talk angebotenen Identifizierungswege per Post oder Sparkasse und verweisen nicht informierte Kunden darauf, auch wenn dies für den Kunden länger dauert als die Identifizierung direkt im Supermarkt. Auf die Möglichkeit der Online-Identifizierung wurden wir an der Kasse nicht hingewiesen.

In einer separaten Meldung haben wir erläutert, wie Bestandskunden die neuen Tarife von Aldi Talk erhalten.

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