Identitätsnachweis
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Aldi Talk: Keine Prepaid-Aktivierung für Flüchtlinge

Aldi Talk kann Prepaid-SIM-Karten von Flüchtlingen nicht aktivieren, damit ist das erworbene Prepaid-Paket nutzlos. Jetzt werden Verbraucherschützer aktiv.
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Aldi TalkFlüchtlinge haben Probleme, ihre Aldi-Talk-SIM zu aktivieren Die Bundes­regierung hat in diesem Sommer ein Gesetz verabschiedet, wodurch bei der Aktivierung einer Prepaid-SIM-Karte nun Ausweis­pflicht herrscht. Wer sich per Post- oder Video-Ident-Verfahren nicht ausweisen kann, darf keinen Mobilfunk­vertrag abschließen. Mit dem Gesetz sollen mögliche terroristische Gefahren abgewehrt werden, tatsächlich stellt es Anbieter und Kunden aber vor erhebliche Probleme mit der Aktivierung der gekauften Prepaid-Karten.

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen weist nun darauf hin, dass Asyl-Suchende und Flüchtlinge dadurch benachteiligt werden. So kann bei Aldi Talk ein Aufenthalts­titel von Flüchtlingen nicht als Nachweis der Herkunft bei der SIM-Karten-Aktivierung genutzt werden. Zwar gestattet das Gesetz für die Identifizierung neben Reisepass und Personalausweis auch Aufenthaltstitel, Ankunftsnachweise oder eine Bescheinigung über die Aufenthaltsgestattung. Das technische Verfahren zur Aktivierung von Aldi Talk erkennt aber diese Papiere nicht, weshalb ein Nachweis der Identität nicht möglich ist.

Update, 15:00 Uhr: Telefónica hat gegenüber teltarif.de erklärt, dass die Probleme nicht bei Aldi Talk selbst liegen, sondern bei dem Dienstleister für das Post- und Video-Ident-Verfahren. So heißt es, Zitat Telefónica: "In der Nachprüfung durch den Telekommunikations­anbieter werden [...] alle anerkannten Ausweis­dokumente akzeptiert, insofern diese den BNetzA-Vorgaben entsprechen und erfolgreich geprüft wurden. Wir arbeiten zusammen mit unseren Dienst­leistern daran, die Services für die Prepaid-Identifizierung - und damit auch das Angebot an akzeptierten Dokumenten - in den kommenden Monaten zu erweitern. Prinzipiell müssen dabei stets die regulatorischen Vorgaben beachtet werden." Warum ausgerechnet Aldi Talk im Mittelpunkt steht, wo doch auch andere Prepaid-Anbieter auf den Dienst­leister setzen, ist eine berechtigte Frage von Telefónica. /Update

Widersprüchliche Aussagen

Das Prüfverfahren der Discounterkette Aldi Nord hat dem Bericht zufolge Probleme mit der Größe der Schrift, die auf einem Aufenthalts­titel zum Einsatz kommt. Laut der Verbraucher­zentrale Niedersachsen kommen auf entsprechende Anfragen zu dem Thema von Aldi Talk teils sehr widersprüchliche Aussagen. Zuletzt habe der Prepaid-Anbieter mitgeteilt, betroffene Flüchtlinge sollten sich an den Kunden­service von Aldi Talk wenden und prüfen lassen, inwiefern eine individuelle Lösung möglich sei. Wie eine solche Lösung jedoch aussehen soll, ließ der Anbieter offen.

Daher rät die Verbraucherzentrale allen Betroffenen, das Prepaid-Starterpaket für Aldi Talk einfach wieder zurückzugeben, wenn eine Aktivierung nicht möglich sein sollte. Was wiederum selbst problematisch werden könnte, wenn sich die jeweilige Aldi-Nord-Filiale weigern, diese Starterpakete wieder zurückzunehmen. Letztlich muss jedoch Aldi Nord schnellstens dafür sorgen, dass das Verfahren zur Identifizierung angepasst wird, sodass auch Flüchtlinge ohne Personal­ausweis oder Reisepass eine Prepaid-SIM von Aldi Talk aktivieren können. Immerhin ist das Smartphone meistens die einzige Möglichkeit, Kontakt zur Familie oder Verwandten aufzunehmen.

In einer Übersichtsmeldung haben wir zusammengefasst, welche Probleme seit der Gesetzesänderung für die Aktivierung von Prepaid-Karten sonst noch aufgetreten sind.

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