Doppelanstieg

Editorial: Mehr für mehr!?

Die enthaltenen Datenvolumina steigen bei vielen Verträgen, die Kosten bei bestimmten Vertrags­bestandteilen aber auch. Lohnt sich das für den Kunden?
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Traffic: Mehr Datenvolumen liegt im Trend, auch bei Aldi TalkTraffic: Mehr Datenvolumen liegt im Trend, auch bei Aldi Talk Es war absehbar, dass es passieren würde: Bei Mobilfunkverträgen müssen die Netzbetreiber die Größe des Datenvolumens nach oben anpassen, da Kunden mit kleinen Datenpaketen, die nur einige hundert Megabyte enthalten, immer seltener auskommen. Es reicht ja, unterwegs ein paar Apps herunterzuladen oder Videos anzuschauen, um ans Drossel-Limit zu geraten.

Positiv zu erwähnen ist, dass Aldi Talk jüngst das Inklusivvolumen in etwa verdoppelt hat, ohne die Preise zu erhöhen. Beim Paket 300 hat sich beispielsweise der Preis (7,99 Euro monatlich) und die Zahl der enthaltenen Gesprächsminuten (300) nicht verändert, aber das Volumen von 400 MB auf 750 MB erhöht. So können die Kunden künftig mehr surfen, bis sie an die Drosselgrenze geraten.

Wird beim Paket 300 die Drossel erreicht, verlangt Aldi jedoch künftig 4 statt bisher 3 Euro für den Reset des Datenzählers. Dafür bringt der Reset künftig weitere 750 MB statt der bisherigen 400 MB. Man kann den höheren Reset-Preis dabei auch so interpretieren, dass sich der Anteil der Kosten für das Datenvolumen am Gesamtpreis des Pakets erhöht hat: Bisher kosteten im Paket 300 die Daten­verbindungen 3 Euro und die Sprachverbindungen (knapp) 5 Euro, nun liegen beide Werte bei (ziemlich genau) 4 Euro.

Da Aldi Talk keine Datenautomatik verwendet, die automatisch bei Erreichen der Volumengrenze neues Volumen nachbucht, sind die gestiegenen Kosten für den Nutzer transparent. Er kann zu dem Zeitpunkt, wo er die Drossel erreicht hat, selber aktiv entscheiden, ob er nachbucht oder sich eben mit der stark reduzierten Geschwindigkeit zufrieden gibt. Aufgrund des gestiegenen Surfvolumens gibt es auch nur einen kleinen Bereich, nämlich von 750 bis 800 MB, wo der Kunde nach alter Regelung einen Euro günstiger wegkommt als nach neuer Regelung. Sonst ist die neue Regelung immer zumindest gleich teuer oder günstiger als die alte.

Zu erwarten ist, dass das Preiskarussell sich weiter drehen wird und die Kunden für das gleiche Geld oder allenfalls geringfügig höhere Kosten immer mehr Inklusivvolumen erhalten. Insbesondere im Prepaid-Bereich ist der Druck auf die Anbieter hoch, die durch den Ausbau der Netze und das immer höhere Gesamt-Datenvolumen erreichten Effizienzvorteile zügig an die Kunden weiterzugeben. Denn ein Prepaid-Vertrag ist schnell gewechselt. Akzeptiert der Kunde eine neue Ruf­nummer, braucht er nur die alte Karte leer­laufen zu lassen und sie dann wegzu­werfen. Aber auch mit Rufnummernportierung ist der zeitliche und administrative Aufwand für den Anbieterwechsel im Prepaid-Bereich überschaubar. Entsprechend hoch ist die Wechselbereitschaft, und entsprechend viele Kunden kann ein Anbieter verlieren, der zu lange zu teuer bleibt.

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