Umgestellt

Aldi Talk: So finden Sie den Aktivitätszeitraum heraus

Die Umstellungen bei Aldi Talk verunsichern viele Kunden - manche Infos sind nun an einer ganz anderen Stelle zu finden. Langjährige Nutzer müssen sich bei eingefleischten Mechanismen umgewöhnen und es gibt weiter Probleme bei der Tagesflat.
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Aldi Talk: Umstellungen verunsichern NutzerAldi Talk: Umstellungen verunsichern Nutzer Seit etwa drei Wochen werden die Nutzer von Aldi Talk auf die neue o2-Plattform überführt. Für viele Nutzer bringt dies tiefgreifende Änderungen mit sich - auch technische Probleme können auftreten. Beispielsweise kann die Aldi-Talk-Tages-Flat zur Kostenfalle werden, der Provider hat aber zugesagt, dass zu viel berechnete Gebühren erstattet werden.

Ein Teil der Kunden nutzt die Aldi-Talk-SIM offenbar gar nicht, um viel damit zu telefonieren oder zu surfen, sondern um telefonisch erreichbar zu sein. Liegt die SIM also im Handy über einen längeren Zeitraum in der Schublade, muss der Kunde sich darüber informieren, wann der Aktivitätszeitraum der Prepaidkarte abläuft. Wird vor Ablauf dieses Zeitraums nicht wieder Guthaben aufgeladen, kann Aldi Talk die SIM abschalten und die Nummer nach einer Wartezeit neu vergeben.

Langjährige Aldi-Talk-Nutzer sind es gewohnt, für die Verwaltung ihres Guthabens - wie seinerzeit im E-Plus-Netz üblich - GSM-Steuercodes oder Kurzwahlen zu nutzen, um den Guthabenstand abzufragen. Auf diesem Weg war es bislang auch möglich, über die Kurzwahl 1155 den Aktivitätszeitraum der Prepaidkarte abzurufen. Doch dies geht nach der Umstellung nicht mehr - und viele Kunden sind verunsichert.

Online-Kundencenter für viele Bestandskunden fremd

Telefónica hat bei den ganzen Umstellungsmaßnahmen (nicht nur bei Aldi Talk, sondern auch bei anderen Mobilfunkmarken wie Blau) offenbar ein Ziel: Die Nutzer sollen für die Verwaltung ihrer Prepaid- und Vertragskarten überwiegend Online-Services wie das Kundencenter oder Smartphone-Apps nutzen. Kundenanfragen sollen dadurch minimiert und "Retro-Systeme" wie Steuercodes oder Kurzwahlen auf ein Mindestmaß zurückgeführt werden.

Dabei hat Telefónica augenscheinlich übersehen, dass wahrscheinlich ein gewisser Teil der Kunden gar keinen Online-Account für die Prepaidkarte angemeldet, sondern diese bisher ausschließlich über Kurzwahlen administriert hat, was bei einer SIM, die zu einem Großteil in der Schublade liegt, auch kein Problem ist. Zudem dürfte die SIM bei einigen Nutzern für die Erreichbarkeit in einem alten Feature-Handy und nicht in einem Smartphone stecken. Die Nutzung der App ist dann nicht möglich. Insbesondere ältere Nutzer dürften sich schwer tun mit der Umstellung, nun für die bereits jahrelang genutzte SIM erstmals einen Online-Account anmelden zu müssen und sich in einem Online-Kundencenter zu orientieren.

Ein Teil der Nutzer hat im Kundencenter offenbar auch nicht herausgefunden, wo die Informationen zum Aktivitätszeitraum zu finden sind. Auf Anfrage schrieb uns eine Telefónica-Sprecherin hierzu:

Aldi-Talk-Kunden finden die Angabe ihres aktuellen Aktivitätszeitfensters in ihrem persönlichen Kunden-Account (meinalditalk.de) unter dem Menüpunkt "SIM" - "SIM Karten Daten". Unter meinalditalk.de können sie auch die letzten getätigten Gespräche und SMS sowie die dafür angefallenen Kosten einsehen.

Hierbei hat die Sprecherin allerdings übersehen, dass das Portal meinalditalk.de, das früher auf prepaidkundenbetreuung.eplus.de umleitete, gar nicht mehr erreichbar ist. Das neue Kundenportal befindet sich auf der Webseite alditalk-kundenbetreuung.de. Hier können sich auch Bestandsnutzer erstmals für den Online-Kundenservice registrieren.

Tagesflat: Probleme bei der Erstattung zu viel berechneter Gebühren

Unsere Redaktion erreichen mittlerweile Lesermitteilungen, dass die Kunden an der Hotline Schwierigkeiten haben, die Erstattung für falsch berechnete Gebühren bei der Tagesflat zu bekommen. Ein Knackpunkt bleibt für einige Nutzer weiterhin die Änderung des APN für die mobile Internet-Nutzung. Bis einschließlich 19.12. waren Informationen zum alten APN auf alditalk.de abrufbar. Die Formulierung lautete:

Zur Buchung der Zusatzdienstleistung muss sich der Kunde zunächst über den Zugangspunkt (APN) tagesflat.eplus.de einwählen. Sofern der Kunde über ein Endgerät verfügt, auf dem sich der darauf vorinstallierte "Medion Verbindungsassistent" befindet, erfolgt dies über den Medion Verbindungsassistenten durch eine Auswahl des Kunden in der dafür vorgesehenen Eingabemaske. Die Laufzeit der Zusatzdienstleistung beginnt mit der ersten Nutzung (Datenübertragung). Um eine nicht beabsichtigte Buchung der Tagesflat durch Datenübertragung zu vermeiden, wird bei manueller Auswahl des Zugangspunktes die Löschung des Zugangspunktes nach Beendigung der Tagesflat empfohlen.

Hieraus geht nicht ganz klar hervor, dass der Verbindungsassistent obligatorisch für die Buchung der Tagesflat ist, noch ergibt sich daraus, dass der APN "kein regulärer Zugangspunkt" war. Hierzu schreibt die Telefónica-Sprecherin:

Die Kunden wurden darauf hingewiesen, dass für eine einwandfreie Buchung und Nutzung der Tagesflat eine Aktualisierung der Software für den Verbindungsassistenten notwendig ist. Zudem wurde zuletzt per SMS darüber informiert, dass mobile Internetverbindungen bei manuell gewählter APN-Einstellung zu den Konditionen des Basistarifs abgerechnet werden. Sollte Kunden ein Schaden entstanden sein, bedauern wir dies. In diesem Falle können sie sich beim Aldi-Talk-Kundenservice unter der Nummer 0177-1771157 oder unter 1157 melden. Dort wird ihnen eine entsprechende Gutschrift erteilt. Die Umstellung des APNs erfolgte aus technischen Gründen. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir uns zu den Details der Umstellung nicht äußern.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Aldi-Talk-Kunden momentan ein gesteigertes Maß an Aufmerksamkeit mitbringen müssen, um kein Detail der Umstellung zu verpassen. Schlecht gelöst ist vor allem, dass eine Weiternutzung des bisherigen Systems zu höheren Kosten führen kann. Dies benachteiligt Kunden, die die SIM-Karte nur selten einsetzen und die auch sonst wenig Zeit für die Administration einer Prepaidkarte aufwenden wollen. Insbesondere ältere Nutzer, die gar nicht wissen, was ein APN ist und wie man diesen manuell umkonfiguriert, dürften sich benachteiligt fühlen. Und wenn auf dem Gerät gar keine Internetverbindung besteht, kann auch kein Verbindungsassistent aktualisiert werden.

teltarif.de-Redakteur Alexander Kuch meint:
Alexander KuchOb Telefónica alle möglichen Probleme vor der Umstellung auf die neue Plattform bedacht hat und auch technisch weniger versierte Kunden im Blick hatte, ist unbekannt. Dass Telefónica durch die Vereinheitlichung technischer Systeme Kosten sparen will, ist natürlich erlaubt. Doch wenn Kunden langjährige Gewohnheiten ändern müssen und durch die Umstellung eine Kostenfalle geschaffen wird, sollte Telefónica wirklich einmal ausrechnen, ob der ganze Aufwand mit vermehrten Kundenanfragen an der Hotline und der Erstattung falsch berechneter Gebühren die spätere Ersparnis wirklich rechtfertigt. Der Imageschaden, der einer bislang als "funktionierend" geltenden Mobilfunkmarke wie Aldi Talk damit zugefügt wurde und wird, ist dabei noch gar nicht eingerechnet.
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