Reparierbarkeit

US-Gesetzentwurf fordert einfach zu wechselnde Akkus

Vor einigen Jahren sind Smartphone-Hersteller dazu übergegangen, Akkus fest in ihren Geräten zu verbauen. Nach den jüngsten Aufregern rund um gedrosselte iPhones erwägt der US-Bundestaat Washington nun drastische Schritte.
Von Stefan Kirchner
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Es ist eines der jüngsten Probleme, denen sich Apple gegenüber sieht: Die Kritik an dem Vorgehen, per Software-Update ältere iPhone-Modelle auszubremsen, deren Akku nicht mehr die volle Leistung bringen kann. Der Austausch alter Akkus ist zwar auf den ersten Blick erheblich im Preis gesenkt worden, aber nun zeichnet sich etwas gänzlich Anderes ab.

Im US-Bundesstaat Washington wird der Ruf nach einem Gesetz immer lauter, welches es Herstellern von Smartphones vorschreibt, dass der Akku bei Bedarf einfach vom Nutzer selbst zu wechseln ist, berichtet das US-Magazin Motherboard. Im Visier der Legislative sind solche Geräte, deren Akku entweder nur sehr schwer oder gar nicht zu wechseln sind. Solche könnten in Zukunft verboten werden.

Ein Weckruf für Hersteller?

Austauschbarer AkkuIn Amerika wird an einem Gesetz gegen fest verbaute Akkus gearbeitet Noch befindet sich das Vorhaben lediglich als Gesetzes­entwurf ein, welches nach derzeitigen Planungen ab dem 1. Januar 2019 in dem US-Bundesstaat in Kraft treten könnte. Voraussetzung dafür wiederum ist, dass das Repräsentanten­haus dem Entwurf zustimmt und derzeit bekommt der Entwurf über alle politischen Lager hinweg rege Zustimmung, sowohl von Demokraten als auch Republikanern.

Washington wäre damit ein weiterer US-Bundesstaat, der per Gesetz gegen mögliche geplante Obsoleszenz vorgehen will. Im Gegensatz zu den bisherigen 17 US-Bundes­staaten mit derartigen Gesetzen, geht der Entwurf von Washington eben deutlich weiter. So sehen besagte 17 US-Bundes­staaten es bisher lediglich vor, dass Dritt­anbieter für Reparaturen das Recht auf Zugriff von offiziellen Ersatz­teilen und Reparatur­anleitungen haben.

Das Washingtoner Gesetz würde Hersteller direkt ins Visier nehmen, deren Geräte sich mit verklebten Akkus und anderen technischen Schwierig­keiten kaum oder gar nicht reparieren lassen. Kein Wunder, dass sich Apple, Microsoft und weitere Hersteller bereits über die Pläne aufregen.

Fadenscheinige Argumente und Lobbyarbeit

Insgesamt 14 Interessen­gruppen aus der Branche haben bereits Widerstand angekündigt und versuchen sicherlich mit Hilfe von Lobby­arbeit das Gesetz doch noch zu stoppen. Dazu gehören neben der CTIA gehören unter anderem die Consumer Technology Association, Telecommunications Industry Association oder auch die Entertainment Software Association dazu. Sie vertreten Konzerne wie Apple, Microsoft, Electronics Arts und weitere Schwer­gewichte der IT-Branche.

So wird den Gesetzes­initiatoren vorgeworfen, die Sicherheit als auch digitale Sicherheit bewusst zu gefährden, wenn Kunden in der Lage sind, ihre Geräte selbst zu reparieren. Einen schlüssigen Grund beziehungs­weise Beweis für die Behauptung bleiben die Kritiker des Vorhabens jedoch bisher schuldig. Das mit Hilfe der frei verfügbaren Dokumentationen Sicherheits­vorkehrungen umgangen werden können, wie in einem Brief an Jeff Morris behauptet wird, gilt als sehr umstritten.

Nicht unwichtig ist an dieser Stelle zu erwähnen, dass die Arbeiten an dem Gesetzes­entwurf noch vor Bekannt­werden der Akku-Limitierungen bei Apple-Geräten begonnen haben. Der führende Kopf hinter dem Gesetz, der US-Politiker und Demokrat Jeff Morris, sieht den Vorfall aber als perfekte Bestätigung für das Vorhaben. Die Sache mit dem Galaxy Note 7 von 2016 wird dabei sicherlich auch eine maßgebliche Rolle gespielt haben.

Ein Gesetz, dass ignoriert wird

In Deutschland ist die Legislative da schon ein Stück weiter, hierzulande existiert bereits ein solches Gesetz. Jedoch wird das "Gesetz über das Inverkehr­bringen, die Rücknahme und die umwelt­verträgliche Entsorgung von Elektro- und Elektronikgeräten" kurz ElektroG kaum beachtet.

So heißt es in Paragraph 4, Absatz 1: "[...] Elektro- und Elektronik­geräte, die vollständig oder teilweise mit Batterien oder Akkumulatoren betrieben werden können, sind möglichst so zu gestalten, dass Alt­batterien und Alt­akkumulatoren durch Endnutzer problemlos entnommen werden können. Sind Alt­batterien oder Alt­akkumulatoren nicht problemlos durch den Endnutzer entnehmbar, sind die Elektro- und Elektronik­geräte so zu gestalten, dass die Alt­batterien und Alt­akkumulatoren problemlos durch vom Hersteller unabhängiges Fach­personal entnommen werden können."

Auf der anderen Seite lässt die Formulierung des ElektroG an dieser Stelle auch einiges an Freiraum für Hersteller. Verpflichtet werden sie nicht dazu, lediglich Reparatur­dienstleistern es zu ermöglichen, Akkus auszutauschen - mehr nicht. Vielleicht wird das geplante Gesetz des US-Bundes­staates Washington auch in Europa zu einem Umdenken in der Gesetz­gebung führen, wenn erheblich mehr Geräte deutlich einfacher zu recyceln sind. Elektro­schrott ist schließlich kein kleines Problem mehr, dass sich ignorieren lässt.

In unserem Akku-Ratgeber erklären wir Ihnen, wie Sie den Akku Ihres Smartphones optimaler nutzen können.

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