Warnung

Verbraucherzentrale warnt: Enkeltrick nimmt neue Ausmaße an

Betrüger zielen auf ältere Menschen und zocken diese schamlos ab
Von mit Material von dpa
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Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein warnt eindringlichst vor einer neuen Masche des sogenannten Enkeltricks. Die Abzocke beim Telefongespräch nimmt dabei neue Ausmaße an und richtet sich meist gegen ältere Menschen. Die Anrufer geben sich als Rechtsanwälte aus und behaupten, dass ein Angehöriger einen schweren Unfall verursacht hat. Bei diesem angeblichen Unfall sei ein Kind verunglückt, welches sofort operiert werden müsse. Allerdings würden seine Mandanten - die Familie des Kindes - von einer Anzeige absehen, sofern die Kosten für die Operation sofort gezahlt werden. Sollte dies nicht schnell umgesetzt werden, dann drohe der imaginäre Anwalt dem Unfallverursacher mit dem Gefängnis. Nach der Zustimmung erscheint innerhalb kurzer Zeit bereits ein Geldbote an der Haustür des Angerufenen und holt Beträge zwischen 2 000 und 8 000 Euro ab.

Aktuell sind in Bayern 579 solcher Fälle bekannt - der Trick funktioniert laut der Polizei. Davon soll jeder vierte Anruf erfolgreich gewesen sein - allerdings kann die Dunkelziffer noch höher liegen. Was können Sie tun bei solch einem Anruf? Sollten Sie Opfer eines solchen Anrufes werden, dann versuchen Sie unbedingt die Nummer des Anrufenden aufzuschreiben und diese der Polizei unter der Notrufnummer 110 zu melden. Weiterhin sollte niemals unbekannten Personen Geld übergeben werden.

Werbung per Telefon wird immer dreister

Dreiste Werbung per Telefon und aufgedrängte Verträge kosten Verbraucher Nerven und Geld, obwohl es gegen unseriöse Praktiken dieser Art seit drei Jahren ein Gesetz gibt. "Am Telefon gehen das Geschäft mit der Angst und die Abzocke weiter", sagte Schleswig-Holsteins Verbraucherschutzminister Reinhard Meyer in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Die Verbraucher seien gut beraten, nicht nur ihre Kontoauszüge zu prüfen, sondern auch ihre Telefonrechnungen. "Auch bei Einschüchterungen mit Hilfe eines ausgeklügelten Inkassosystems mit Mahnungen oder angedrohten Gerichtsverfahren sollte genau geprüft werden, ob tatsächlich eine wirksame Zahlungsverpflichtung vorliegt", riet der SPD-Politiker.

Abzocke am Telefon Abzocke am Telefon

Abzocke am Telefon nimmt kein Ende

Meyer zufolge nehmen Beschwerden über Abzocke am Telefon kein Ende. Die Anrufer lockten mit angeblichen Gewinnen oder gäben sich sogar als Daten- oder Verbraucherschützer aus und nutzen dabei gefälschte Telefonnummern oder Fantasienamen

"Besonders ärgerlich wird es, wenn von unseriösen Anbietern noch Zeitschriften-Abonnements oder neue Telefonverträge untergeschoben werden." Häufig hätten mit Gewinnspielen geköderte Angerufene unbedacht persönliche Daten preisgegeben, die dann eine Vertragsbestätigung und eine Rechnung für eine nicht bestellte Ware oder Dienstleistung erhielten. Zunehmend würden auch Telefonrechnungen benutzt, um unauffällig mit der monatlichen Abbuchung unberechtigt erhobene Rechnungsbeträge einzuziehen.

Auf einen Appell der Verbraucherzentralen gingen in Deutschland zuletzt binnen drei Wochen 1 500 Beschwerden ein, mindestens 100 pro Woche bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein.

Einen besseren Schutz vor Abzocke und Abo-Fallen am Telefon verspricht aus Sicht Meyers das von der Bundesregierung angekündigte Gesetz gegen unseriöse Geschäftspraktiken. Der Entwurf sieht vor, dass Verträge, die durch unerbetene Werbeanrufe zustande kommen, nachträglich von den Verbrauchern bestätigt werden müssen. Für Abschlüsse per Internet gilt dies bereits seit Monatsbeginn. Meyer forderte den Bund auf, das Gesetz gegen Abzocke am Telefon zügig auf den Weg zu bringen. Er riet bereits betroffenen Verbrauchern, unlautere Telefonwerbeanrufe und untergeschobene Verträge bei der Bundesnetzagentur oder der Wettbewerbszentrale zu melden. Ungerechtfertigte Abbuchungen sollten nach Empfehlung des Landeskriminalamtes grundsätzlich sofort angezeigt werden.

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