Festnetzfrei

Das Land ohne Kupfer-Festnetz

Norwegen setzt auf Glasfaser und Mobilfunk
Von Jennifer Buchholz

Telenor will von Norwegen aus Technologieführer werden Als erstes Land will Norwegen das Kupfer-Festnetz abschaffen.
Bild: dpa
Ein Land ohne Telefon­fest­netz? Klingt un­glaub­lich. Aller­dings hat die norwegische Telefon­ge­sellschaft Telenor in diesem Jahr mit der Abschaltung des Telefon­fest­netzes begonnen. Bis zum Jahr 2017 soll dann das gesamte kupfer­basierte Netz abgeschaltet werden.

Kritik der norwegischen Regierung an den Plänen

Die Regierung hat sich eben­falls in die Pläne des geschichtsträchtigen Telefon­anbieters ein­ge­schaltet. So musste der Konzern vorab eine Studie einreichen, die die Zusammen­hänge des Vor­habens konkret darstellen sollte. Auf­grund dieser Studie wurden einige Probleme sichtbar. Neben fehlenden exakten Zeit- und Abschaltungsplänen bemängelt die Regierung die fehlenden Maßnahmen zur konstanten Er­reichbar­keit des Notrufes. Auch geht aus der Studie nicht hervor, wie mit Haus­halten verfahren werden soll, die keine Alternative zum Telefon­festnetz haben.

Neben den organisato­rischen Problemen zeigte sich durch die Studie zudem ein erhöhtes Risiko von Cyber-Angriffe auf die IP-basierten Netze. Des Weiteren muss Telenor Kunden Alternativen bieten, die ihre verschiedenen Alarm- und Steuerungssysteme über ISDN oder analoge Leitungen laufen lassen.

Lösungsversuche von Telenor

Telenor will von Norwegen aus Technologieführer werden Als erstes Land will Norwegen das Kupfer-Festnetz abschaffen.
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Telenor bemüht sich nun um eine Problem­lösung. Dies zeigt vor allem der im September geschlossene IT-Kooperations­vertrag mit Accenture. Die IT-Firma soll bei der Entwicklung und Wartung der Mobilfunkanschlüsse helfen. Neben einem besseren Kunden­service wird der von Telenor-Geschäftsführer Berit Svendsen abgeschlossene Vetrag mit der schnelleren Einführung neuer Angebote und Produkte begründet. "Wir sind mitten in einem spannenden technologischen Wandel, der große IT-Investitionen und Veränderungen unserer Arbeitsabläufe erfordert", sagte Svendsen.

Eine weitere Abhilfe der durch die Studie bekannt­gewordenen Probleme soll der Ausbau der 3G- und 4G-Netze bringen. Hierfür wurden dieses Jahr in Norwegen insgesamt 2 000 Basisstationen installiert.

Als Teil der Vereinbarung wurden 120 Telenor-Mitarbeiter zum Kooperations­partner Accenture versetzt. Weitere 180 sollen in den kommenden Monaten folgen.

Der Skandinavier versucht konsequent mit seiner Umstrukturierung des Tele­kommunikations­netzes und der Zusammen­arbeit mit dem IT-Unternehmen als Technologieführer voranzugehen. Fakten zu den Kosten und der genauen Fertigstellung des Vorhabens sind derzeit noch nicht bekannt.

Telenor will an die Spitze

Das Vorhaben des norwegischen Telefon­an­bieters Telenor kann sicherlich als richtungsweisendes Beispiel für andere Länder gesehen werden. Allerdings zeigt sich auch anhand der noch auftretenden Probleme, dass eine konkrete Abschaffung des Telefonfestnetzes derzeit noch nicht realisierbar ist.

Telenor hatte 2011 einen öffentlichen Auftrag zur Bereit­stellung von Festnetz- und Mobiltelefondiensten sowie IP-Telefonie für Norwegen erhalten.

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