Teure Bequemlichkeit

Abo-Lieferdienste im Netz teils doppelt so teuer wie Ladenkauf

Verträge für Lebensmittel oder Kosmetik im Abo ausführlich prüfen
Von mit Material von dpa
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Abodienste im Internet liefern monat­lich oder wöchent­lich Le­bens­mittel und andere Ver­brauchs­ge­gen­stände nach Hause. Das Sortiment reicht von Rasier­klingen und Zahn­bürsten bis zu Obst und frische Blumen. Selbst der regel­mäßige Unter­wäsche-Wechsel soll via Abo problemlos klappen. Verbraucher sollten das Angebot vor dem Abschluss eines Vertrags aber sorgfältig prüfen. Nach Angaben der Ver­braucher­zentrale Nordrhein-Westfalen, die 30 Anbieter von Produkt-Abos getestet hat, kann die bequeme Lieferung teilweise doppelt so teuer sein wie der Einkauf im Laden. Zu allem Überfluss ist der Preisvergleich oft relativ aufwändig, weil die Anbieter nicht genau erklären, welches Produkt sie in welcher Menge liefern.

Außerdem lauern Fallen im Kleingedruckten der Abos, warnen die Verbraucherschützer: Gut die Hälfte der Dienste (14) arbeitet mit Mindestlaufzeiten von bis zu einem Jahr. Bei etwa einem Viertel (7) verlängert sich der Vertrag sogar automatisch, wenn der Kunde nicht rechtzeitig kündigt. Auch kleine Unterbrechungen des Abos, etwa für Urlaubsreisen, und eine versandkostenfreie Lieferung sind nicht überall selbstverständlich. Wer ein Abo abschließt, muss zum monatlichen oder wöchentlichen Liefertag außerdem auch zu Hause sein: In der Regel kommt die Ware per Paketbote. Bei vielen Diensten können Kunden alternativ einen Nachbarn angeben, der die Lieferung für sie entgegennimmt.

Unbekannte Startups mehr vertreten als etablierte Shops

Abo-Lieferdienste im Netz teils doppelt so teuer wie LadenkaufAbo-Lieferdienste im Netz teils doppelt so teuer wie Ladenkauf Rund 50 Firmen suchen laut der Ver­braucher­zentrale mittler­weile auf diesem Weg den Dauer­kontakt zu den Kunden. Etablierte Unter­nehmen wie Amazon und der Socken­her­steller Falke sind dabei aller­dings die Aus­nahme, eher un­be­kannte Startups bestimmen (noch) das Feld. Die meisten von ihnen ver­treiben ein ein­ge­schränktes Sortiment, das sich auf eine bestimmte Pro­dukt­kategorie konzentriert. Das können Drogerie­artikel, Süßig­keiten, Tee, Nahrungs­er­gänzungs­mittel, Kinder­spiel­zeug oder Marmelade sein.

In aller Regel wird jede Lieferung einzeln abgerechnet, doch die Mindestlaufzeit verlängert sich bei einzelnen Anbietern nach drei Monaten um ein ganzes Jahr. Bei anderen Diensten ist nach der zweiten Lieferung der Ausstieg möglich. Bei den Spar-Abos von Amazon waren die angebotenen Produkte beim Besuch der Verbraucherschützer nicht nur mit dem Einzelverkaufspreis ausgezeichnet, sondern zudem mit einem um zehn Prozent reduzierten Abo-Preis. Außerdem werden - auch bei einem Lieferwert von unter 20 Euro - beim Amazon-Abo keine Versandkosten berechnet.

Rund die Hälfte der Abohändler bietet eine "Überraschungsbox", bei der der Käufer den Inhalt vorab nicht kennt - dies soll Laune auf eine weitere Nutzung des Abos machen. Die Verbraucherschützer warnen aber explizit vor einer Bezahlung per Vorkasse: Wer 358,80 Euro im Voraus bezahle, damit ein Jahr lang jede zweite Woche 30 Saft-Orangen geliefert werden oder gar 1 169 Euro für ein einjähriges Steak-Abo, würde ein enormes Risiko eingehen. Denn wenn die Abo-Idee floppt und der Anbieter sich "verabschiedet", seien laut der Verbraucherzentrale nicht nur Obst und Fleisch futsch, sondern meist auch das per Vorkasse bezahlte Geld.

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