Abpfiff

90elf: Deutschlands Fußballradio wird Anfang Juni eingestellt

Ohne Bundesliga-Rechte künftig keine Geschäftsgrundlage
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Am 19. März verkündete die Deutsche Fußball-Liga die Entscheidung zu den Hörfunk-Übertragungsrechten von den Spielen der 1. und 2. Bundesliga. Während sich für die Hörer der ARD-Landesrundfunkanstalten keine Änderungen ergeben, kommt es im Bereich Netcast zu einer Änderung. Hier hatte die DFL nicht den bisherigen Rechteinhaber, das von Regiocast Digital veranstaltete 90elf, sondern das im Hörfunkbereich nicht aktive Sport1 berücksichtigt.

90elf zeigte sich von der Entscheidung zunächst enttäuscht, aber auch kämpferisch: "90elf ist eine starke Marke mit einem großen Wert, auch ohne die Bundesliga-Live-Rechte", so die Aussage im März. Doch nun steht fest: Deutschlands erstes Fußballradio stellt seinen Sendebetrieb ein. Letztes Live-Event des Senders ist das DFB-Pokal-Finale zwischen dem FC Bayern München und dem VfB Stuttgart am 1. Juni, das live aus dem Berliner Olympiastadion übertragen wird.

Regiocast Digital: "Geschäftsgrundlage für wirtschaftlichen Weiterbetrieb fehlt"

Schlusspfiff für 90elfSchlusspfiff für 90elf Für den DFB-Pokal hält 90elf die Senderechte eigentlich noch bis 2016. Ohne Bundesliga-Liverechte sieht der Veranstalter aber offenbar keine Perspektiven für den Sender. "Nach dem Verlust der Audio-Verwertungsrechte an den Spielen der 1. und 2. Bundesliga im Bereich Netcast für die kommenden vier Spielzeiten fehlt dem Sender die Geschäftsgrundlage für einen wirtschaftlichen Weiterbetrieb", so Regiocast Digital.

Nach der Entscheidung der DFL, Sport 1 anstelle von 90elf die Netcast-Rechte zuzusprechen, habe man dutzende Gespräche mit möglichen Partnern geführt, neue Konzepte entworfen und Businessmodelle geprüft. "Wir hatten bis zuletzt die Hoffnung, mit neuen Ideen die Erfolgsgeschichte von 90elf auch nach dieser Saison fortzusetzen", so Florian Fritsche, Geschäftsführer von Regiocast Digital.

Letztlich sei es nicht gelungen, wirtschaftlich tragbare Szenarien zu rechnen. Aufgrund des Wegfalls von mehr als zwei Dritteln des Contents und den direkt damit verbundenen planbaren Werbeumsätzen habe Regiocast Digital die Entscheidung treffen müssen, den Sendebetrieb von 90elf einzustellen.

Der Weg vom Webradio zum bundesweit terrestrisch verbreiteten Sender

90elf startete zunächst als reines Webradio, das über die Homepage des Senders und über WLAN-Radios zu empfangen war. Später folgten Apps für alle wichtigen Smartphone-Betriebssysteme und schließlich der Start im bundesweiten Digitalradio-Programmpaket (DAB+), wodurch 90elf auch terrestrisch und unabhängig von einem Internet-Zugang zu empfangen war.

Während die Internet-Übertragung von 90elf nach dem DFB-Pokalfinale vermutlich einfach abgeschaltet wird, will Regiocast Digital am Engagement im Digitalradio festhalten. "Wir sind bereits in intensiven Überlegungen, wie wir den freiwerdenden Programmplatz künftig mit attraktiven Inhalten besetzen können. Dafür werden wir uns jetzt die nötige Zeit nehmen", so Geschäftsführer Florian Fritsche.

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