Frequenz-Auktion

700-MHz-Frequenzen sind offenbar zu unattraktiv

War die Versteigerung des 700-MHz-Bandes doch zu übereilig? Zu viele Störfaktoren sprechen gegen einen schnellen Einsatz der Frequenzen. Das macht sie offenbar wenig interessant für die Anbieter.
Von Thorsten Neuhetzki
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In den Frequenzbereichen, in denen derzeit noch Fernsehen per DVB-T übertragen wird, sollen in einigen Jahren Smartphones Daten empfangen. Derzeit werden in Mainz Mobilfunkfrequenzen versteigert - darunter auch die heutigen DVB-T-Frequenzen um 700 MHz. Doch schon am ersten Tag der Auktion wurde deutlich: Begehrt sind die Frequenzen nicht, dabei waren gerade sie den Verantwortlichen in der Politik besonders wichtig.

Sie setzen große Stücke darauf, dass die Mobilfunkanbieter viel Geld für die Frequenzen ausgeben, das wiederum in die Förderung des Breitband-Ausbaus im Festnetz gesteckt werden soll. Außerdem erhoffen sich die Politiker eine schnelle, flächendeckende Breitbandversorgung. Aber weder das eine noch das andere dürfte eintreten. Die Gebote für die Frequenzblöcke kommen kaum über die Mindestgebote hinaus, was in Summe gerade einmal 450,14 Millionen Euro sind. Doch warum bieten die Mobilfunkanbieter anders, als bei den 800-MHz-Frequenzen vor einigen Jahren? Damals erzielte alleine das 800-MHz-Band 3,6 Milliarden Euro.

Fernsehen behindert Mobilfunkausstrahlung

700-MHz-Sender mit LTE wird es so schnell in Deutschland nicht geben700-MHz-Sender mit LTE wird es so schnell in Deutschland nicht geben Als vor fünf Jahren die heutigen LTE-Frequenzen um 800 MHz unter den Hammer kamen, waren die Frequenzen weitestgehend schon frei. Zwar übertrugen auch sie zuvor Fernsehen, doch das analoge Fernsehen war Geschichte, DVB-T sendete meist in einem anderen Frequenzbereich. Nur vereinzelt mussten Fernsehsender ihre Kanäle räumen und auf eine andere Frequenz wechseln. Anders heute: An mehr als 300 Standorten müssen die Sender vom DVB-T-Fernsehen ausgetauscht werden, weil auf DVB-T2 umgestellt werden soll. DVB-T2 ist ressourcenschonender, daher werden Frequenzen frei. Doch die Umstellung dauert, zumal der Übertragungsstandard, der in Deutschland zum Einsatz kommen soll, noch nicht einmal abschließend festgelegt ist. Allgemein wird davon ausgegangen, dass die Umstellungen der Sender zwischen 2017 und 2019 stattfinden.

Bis das Antennen-Fernsehen die Frequenzen geräumt hat, lassen sie sich von den Mobilfunkanbietern nicht nutzen. Die Nicht-Nutzbarkeit betrifft dabei nicht nur die Städte, in denen Fernsehen ausgestrahlt wird, sondern auch die weiträumige Umgebung. Bis zu 50 Kilometer Abstand sind einzuhalten, heißt es aus der Branche. Sonst kann es zu Störungen von LTE und Fernsehen kommen. Praktisch lassen sich die Frequenzen so vor April 2017 gar nicht und in den zwei Jahren danach kaum nutzen. So lange wird die Umstellung auf DVB-T2 dauern.

Auch im Ausland gibt es DVB-T auf 700 MHz

Das nächste Problem kommt aus dem Ausland. Denn auch hier gibt es DVB-T und auch hier wird der 700-MHz-Bereich genutzt. Deutschland ist das erste Land in Europa, das diesen Frequenzbereich räumt und ihn für Mobifunkdienste nutzen will. Die Sendungen im Ausland gehen aber weiter und sie machen nicht an der Grenze halt. Entsprechend müssen auch hier die Mobilfunkanbieter deutliche Schutzabstände einhalten. In Bayern etwa ist in weiteren Teilen österreichisches Fernsehen über Antenne zu empfangen. Die Frequenzzuteilungen in Österreich laufen bis 2023. Ob die Zuteilungsnehmer bereit sind, diesen Bereich vorher zu räumen, darf bezweifelt werden. Und sollten sie einem Wechsel zustimmen, so wird das sicher auch nicht ohne entsprechende finanziellen Ausgleich laufen.

Von Ländern wie Frankreich oder der Schweiz gibt es zwar Pläne, ebenfalls auf diese Frequenzen für Fernsehen zu verzichten. Doch einen Zeitplan gibt es hier nicht. Verbindliche Pläne, wann die Mobilfunknetzbetreiber die Frequenzen in Grenzregionen einsetzen können, sind so nicht möglich.

Seitens der Bundesnetzagentur heißt es zwar, man sei im Gespräch mit den angrenzenden Ländern, damit diese das 700-MHz-Band räumen, konkrete Ergebnisse kann die Behörde jedoch kaum vorweisen. Länder mit einem definierten Ausstiegs-Zeitpunkt gibt es gerade mal eins: Schweden. Diese Abschaltung dürfte aufgrund der zwischen den Ländern befindlichen Ostsee und somit der Distanz zu Deutschland eine untergeordnete Rolle spielen, direkt angrenzende Länder haben da ein deutlich höheres Störpotential.

Wer Frequenzen ersteigert, geht mit der Zuteilung der Frequenzen übrigens auch eine Ausbauverpflichtung ein. 98 Prozent aller Haushalte bundesweit müssen binnen drei Jahren nach Frequenzzuteilung versorgt sein. Eine Versorgung ist dann gegeben, wenn die jeweiligen Antennensegmente mit 50 MBit/s angebunden sind und die Kunden im Durchschnitt 10 MBit/s erhalten. Mehr dazu lesen Sie in einer weiteren Meldung.

Hintergrund-Informationen in weiteren Texten

Im Rahmen der Mobilfunk-Frequenzauktion haben wir auch zahlreiche Hintergrundinformationen für Sie zusammengestellt. Lesen Sie unter anderem, welche der Frequenzen sich künftig für welche Zwecke nutzen lassen und die wichtigsten Fakten zur Auktion im Überblick.

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