Forschungsprojekt

o2 stiftet 700 MHz für Test von 5G-Rundfunk

Das Institut für Rundfunktechnik und der Bayerische Rundfunk probieren 5G-Rundfunk aus. Frequenzen werden von o2 verliehen.
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Der Sender Wendelstein des Bayrischen RundfunksDer Sender Wendelstein des Bayrischen Rundfunks Alle reden von 5G. So langsam wird der Begriff mit Leben gefüllt. Während sich die Radioprogrammveranstalter noch lautstark darüber streiten, ob UKW-FM eine Zukunft hat oder ob überhaupt, am besten sofort oder nie auf DAB+ gewechselt werden soll, ist bereits der Digitale Rundfunk über 5G im Gespräch.

o2 unterstützt 5G-Feldversuch

Der nach Kunden größte deutsche Netzbetreiber, die Telefónica Deutschland (o2) unterstützt seit Anfang des Jahres ein weiteres 5G-Vorhaben neben TechCity5G und Connected Mobility. Am Senderstandort Wendelstein (bei Rosenheim in Bayern) entsteht derzeit ein Testfeld für den Rundfunk über 5G im Frequenzbereich um 700 MHz. Damit soll untersucht werden, ob die 5G-Technologie zukünftig mit Blick auf eine großflächige und wirtschaftliche Übertragung von Rundfunkinhalten nutzbar wäre. Zu diesem Zweck wird ab Herbst 2018 rund um den Standort Wendelstein die TV-Übertragung im 5G-Rundfunkmodus (FeMBMS - Further evolved Multimedia Broadcast Multicast Service) auch über größere Distanzen untersucht.

Telefónica beteiligt sich mit 700 MHz-Frequenzen

Zu den Partnern des Konsortiums zählen unter anderem der Antennenhersteller Kathrein sowie der Messtechnik-Spezialist Rohde & Schwarz. Entwickelt und geleitet wird das Vorhaben im Rahmen des bayerischen Forschungsprojektes „5G-Today“ vom Institut für Rundfunktechnik (IRT) aus München.

Telefónica Deutschland und der Bayerischen Rundfunk sind „assoziierte Partner“. Der Bayerische Rundfunk wird das 5G FeMBMS-Sendernetz auf seinen Senderstandorten betreiben. Telefónica Deutschland stellt dafür seine teuer ersteigerten Frequenzen im 700 MHz-Band zur Verfügung, da sich diese ideal für hohe Reichweiten eignen.

Damit kann Telefónica seine 700 MHz-Frequenzen für die konkrete Erprobung erster 5G-Anwendungen in Deutschland einsetzen. „Als Mitglied der Next Generation Mobile Networks unterstützen wir gerne die Tests zur Verbreitung von Medieninhalten mit modernen und konvergenten 5G-Netzen. Deshalb werden wir 5G-Today bei Bedarf weiteres 700 MHz Spektrum und damit eines seitens der EU-Kommission priorisierten 5G-Frequenzbänder zur Verfügung stellen“, so Valentina Daiber, Director Corporate Affairs von Telefónica Deutschland.

5G kann mehr als nur Breitband

Der neue Mobilfunkstandard 5G gilt als Schlüsseltechnologie für selbstfahrende Fahrzeuge oder vernetzte Geräte im Internet der Dinge. Doch 5G ist auch für die effiziente Verbreitung von Medieninhalten geeignet. Mit dem Start der fünften Generation könnte ein neues Marktsegment mit Millionen von Smartphones und Tablet-PCs als potenzielle TV-Empfänger entstehen. Die Nutzer dieser Geräte greifen schon heute auf Live-TV-Dienste, Mediatheken oder soziale Netzwerke zurück. Hier sind viele weitere, unter Umständen auch völlig neue Mediendienste denkbar, die es so heute noch gar nicht gibt.

Standards sind fertig

Im Juni 2017 wurden unter Beteiligung von europäischen Rundfunkanstalten und der Industrie die internationalen Standardisierungsarbeiten im Bereich des Rundfunks (Broadcast) über 5G abgeschlossen, um Rundfunkangebote effizient in großflächigen 4G- und 5G-Netzen zu übertragen.

5G-TV: Die Kombination macht’s

Rundfunk, das waren früher riesige Sender auf möglichst hohen Standorten. Der Vorteil: Hohe Reichweite aber viele Abschattungen oder kleine, aber störende Funklöcher. Für eine großflächige Versorgung werden bei diesem Test große Senderzellen mit kleinen Senderzellen kombiniert. Zu diesem Zweck sendet der BR vom Wendelstein, aber gleichzeitig mit weiteren Standorten im Raum München verschiedene TV-Signale auf dem UHF-Kanal 56.

Der Beginn der ersten Ausstrahlungen ist für Ende 2018 geplant. Interessierte TV-Zuschauer blicken aber in die Röhre, da es die notwendigen Komponenten für Aussendung und Empfang des 5G-Rundfunks noch gar nicht gibt. Die müssen erst noch entwickelt und installiert werden und stehen dann erst einmal nur als Prototypen zur Verfügung.

Antennen von Kathrein

Eine wichtige Rolle hat der Antennenhersteller Kathrein. Das Unternehmen ist mit Rundfunk-, Satelliten- und Mobilfunktechnik groß geworden und hat in Rosenheim bereits ein eigenes Testfeld für die 5G-Antennentechnik aufgebaut. Daneben finden theoretische Voruntersuchungen und Simulationen statt. Gefördert wird das Forschungsprojekt 5G-Today über eine Laufzeit von 28 Monaten durch die Bayerische Forschungsstiftung. Der Antennenhersteller Kathrein wird sein Fachwissen aus den beiden Feldern Rundfunktechnik und Mobilfunk einbringen.

Bei Erfolg wird's kompliziert

Wenn das Projekt am Ende positiv verlaufen sollte, wird es kompliziert. Werden die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten bereit sein, schon wieder in neue Technik zu investieren, bevor interessierte Privatpersonen sich passende Empfänger kaufen? Und was sagen die privaten Rundfunkveranstalter dazu, die schon heute die Umstellung von analogem UKW-FM auf digitales DAB+ ablehnen? Werden sie zügig auf 5G-FE-MBMS umsteigen oder weiter auf reine IP-basierte Verfahren setzen, die schon heute mit jedem internetfähigen Mobiltelefon oder heimischen PC über den bereits vorhandenen Router empfangen wären?

Wer sendet was, wer zahlt was?

Wer strahlt am Ende die Sendesignale aus und wer muss wem welche Kosten erstatten? Die öffentlich-rechtlichen Sender stehen hier unter dem Vorbehalt der KEF (Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs) und die privaten Sender werden mit spitzer Feder rechnen, wo sie maximal viele Hörer und damit Werbekunden erreichen können.

Die Fragen gehen weiter: Wird es in Zukunft noch „kostenlosen“ Rundfunkempfang geben oder wird ein Radiohörer „gezwungen“, einen ortsfesten oder mobilen Internetzugang oder gar noch ein extra Vertrag für den „Empfang“ der über 5G ausgestrahlten Programme abzuschließen?

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