5G

5G-Netze: Sicherheitsdienste kämpfen um eine Hintertür

5G sollte ein sicherer Stan­dard werden. Nach­rich­tendienste und Straf­verfolger kämpfen verbissen um eine Hintertür.
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Der kommende 5G-Stan­dard sollte nach dem Willen seiner Entwickler deut­lich sicherer werden als die bishe­rigen Stan­dards. So war beispiels­weise eine End-to-End-Verschlüs­selung im Gespräch. Zudem sollen sich Basis­stationen gegen­über den Mobil­funk­geräten iden­tifi­zieren müssen. Das würde das Abhören der Verbin­dungen über IMSI-Catcher unmög­lich machen.

Den Schlapp­hüten ist 5G zu gut geschützt

5G ist als sicherer Standard angelegt. Für die Geheimdienste zu sicher.5G ist als sicherer Standard angelegt. Für die Geheimdienste zu sicher. Was vor allem zum Schutz der Privat­sphäre gedacht ist, sperrt aber auch profes­sionelle Schnüffler aus. Die Sicher­heits­maßnahmen gehen vielen euro­päischen Regie­rungen und Straf­verfol­gern deshalb zu weit. Sie gehen auf die Barri­kaden und machen ihren Einfluss geltend, um im Stan­dardi­sierungs­gremium 3GPP eine Locke­rung dieser Siche­rungs­maßnahmen zu ihren Gunsten zu errei­chen.

Unter­stüt­zung bekommen sie nun wohl auch aus den USA. In der ersten Woche im September soll es ein Sonder­treffen der für die Sicher­heit und den Daten­schutz zustän­digen Arbeits­gruppe SA3LI geben. Und das soll diesmal unter starker Betei­ligung von ameri­kani­schen Sicher­heits­behörden wie dem FBI statt­finden. Dazu hat der Telekom-Anbieter Verizon in sein Haupt­quar­tier in Baskin Ridge im Bundes­staat New Jersey einge­laden.

Die Arbeits­gruppe steht unter Zeit­druck. Noch in diesem Jahr sollen die Sicher­heits­bestim­mungen in eine feste Form gegossen werden, Ände­rungen sind dann kaum noch möglich.

Netz­betreiber wollen Daten­samm­lung mini­mieren

Die Begehr­lich­keiten der Sicher­heits­behörden laufen den Inter­essen der Netz­betreiber diame­tral entgegen. Sie wollen nämlich möglichst nur die anfal­lenden Daten spei­chern, die für das Funk­tionieren der Netze unbe­dingt notwendig sind. Das neue 5G Netz produ­ziert nämlich Unmengen davon, eine Über­tragung und Spei­cherung droht auch das Netz zu verstopfen.

Für die Geheim­dienste ist aber gerade dieser Aspekt inter­essant. Sie würden am liebsten alle diese Para­meter spei­chern. Daraus würden sich dann beispiels­weise exakte Bewe­gungs­profile in GPS-Qualität erstellen lassen. Für die Kosten der Spei­cherung und Auswer­tung haben sie auch schon jemanden im Visier: die Netz­betreiber.

Notfalls Gesetze ändern

Ange­sichts des Termin­drucks denkt die eine oder andere an der Diskus­sion betei­ligte Partei auch schon Mal über einen Notfall­plan nach. So könnte sich das Bundes­innen­minis­terium im Falles des funk­tions­untüch­tigen IMSI-Catchers auch eine recht­liche Lösung vorstellen. Denkbar wäre es, IMSI- oder IMEI-Daten zukünftig einfach mit rich­terli­chem Beschluss bei den Netz­anbie­tern abzu­fragen.

Aller­dings: Mögli­cher­weise ist Aufre­gung der Schlapp­hüte größ­tenteils umsonst. Laut Alf Zugen­maier, Professor für mobile Netze und Sicher­heit an der Hoch­schule München, stehen die Sicher­heits-Spezi­fika­tion längst fest und sollen Ende des Jahres nur noch formal beschlossen werden. Zugen­maier weist in einem Beitrag der Online-Platt­form heise.de, darauf hin, dass Schnitt­stellen zum Lauschen auch Teil des neuen Stan­dards wären, und dass die End-to-End-Verschlüs­selung längst vom Tisch sei. Der Münchner Experte dürfte die Infor­mationen aus erster Hand haben. Er ist Vize­vorsit­zender einer Arbeits­gruppe des 3GPP, die sich mit Sicher­heit und Daten­schutz beschäf­tigt.

Im Licht dieser Diskus­sion ist es durchaus befremd­lich, dass die USA Huawei vorwerfen, eine Back­door für die chine­sische Regie­rung in die 5G-Tech­nologie einbauen zu wollen. Umge­kehrt scheuen sie sich nicht, dasselbe über die offi­ziellen Gremien voran­zutreiben. Huawei wirft den USA vor, welt­weite Spio­nage zu betreiben und auch die eigenen Bürger durch Zugriffe auf ihre im Ausland gespei­cherten Daten auszu­spio­nieren

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