Showcase

Telekom und Nokia zeigen 5G-Testnetz im Berliner Olympiastadion

Bei der Siegerehrung direkt neben dem Treppchen stehen - das könnte 5G ermöglichen. Telekom und Nokia haben einen Showcase realisiert, bei dem im Stadion vom Zuschauerrang aus eine andere Perspektive eingenommen werden konnte.
Aus Berlin berichtet
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Telekom-CTO Bruno Jacobfeuerborn probiert VR aus.Telekom-CTO Bruno Jacobfeuerborn probiert VR aus. Noch sind es zwei große Blöcke in der Größe normaler Einbau-Kühlschränke, die am Samstag im Berliner Olympiastadion standen, und ein Bildsignal des 75. Stadionfestes ISTAF übertrugen, doch am Ende soll darauf in einigen Jahren Handys werden. Handys, die den Mobilfunkstandard der nächsten Generation 5G nutzen. Denn um einen 5G-Showcase ging es auch im Olympiastadion. Die Deutsche Telekom zeigte zusammen mit Netzwerkausrüster Nokia und dem Fraunhofer Institut, wo in einigen Jahren die neuen Möglichkeiten des 5G-Netze kommerziell und auch für Privatkunden genutzt werden können.

Die eigentliche 5G-Funkstrecke war nicht einmal zwei Meter lang. Das lag aber auch an der niedrigen Sendeleitung zwischen Sender und Empfänger, also den beiden Geräten in Kühlschrankgröße. Auf 2x100 MHz Spektrum im Bereich um 4,5 GHz, der nach Angaben der Firmen für diesen Test von der Bundesnetzagentur freigegeben war, wurden in der Praxis 3,3 GBit/s Daten übertragen. Möglich gewesen wären nach Nokia-Angaben bis zu 4,5 GBit/s. Gleichzeitig schwankte die Latenz zwischen 1,5 und 3 Millisekunden - weitaus weniger als das, was LTE heute leisten kann.

Darum sind die 5G-Prototypen noch so groß

Dass Sender und Empfänger noch so groß sind liegt daran, dass der 5G-Standard noch nicht final ist. Auf einem fertigen Chip, der für Handys geeignet wäre, ließe sich nichts mehr ändern, heißt es, der Chip müsste komplett neu produziert werden, je nachdem, welche Spezifikationen am Ende verlangt werden. Um das zu vermeiden, werden normale Rack-Rechner verwendet, denen die Prozesse beigebracht werden. Hier sind Änderungen deutlich einfacher einzuarbeiten. Erst wenn alle Spezifikationen fix sind, werden dann in einigen Jahren entsprechende Chipsätze produziert. Derzeit gehen die beteiligten Unternehmen davon aus, dass das noch zwei Jahre dauert.

Dann passiert hoffentlich auch nicht mehr, was bei der Demo der Fall war: Eine Journalistin hielt ihre Hand in die Funkstrecke und die Verbindung brach ab. Nach Nokia-Angaben lag das jedoch daran, dass das Test-Setup quasi als Richtfunk-Strecke programmiert ist. Später würden sich die Sendesignale bei einer Störung durch einen Gegenstand einen anderen Weg zum Empfänger suchen. 5G-Übertragung mit mehr als 3 GBit/s5G-Übertragung mit mehr als 3 GBit/s

Eine der möglichen Anwendungen sehen die Firmen im Stadion und bei Sportveranstaltungen. Wer beim ISTAF im Stadion war, hat schnell gemerkt, dass viele Leichathletik-Disziplinen weit entfernt von seinem Sitzplatz stattfanden. Damit der Zuschauer näher dran sein und auch ungewöhnliche Perspektiven einnehmen kann, wurde beim Showcase eine professionelle 360-Grad-Kamera im Inneren des Stadions platziert. Ihr Signal wurde auf VR-Brillen wiedergegeben. So konnte zum Beispiel der Zuschauer direkt neben dem Siegertreppchen stehen und der Siegerehrung aus ungewöhnlicher Position folgen. Möglich war das jedoch nur für die Zuschauer in der von der Telekom angemieteten Business-Lounge. 5G soll hier einerseits die Latenz verringern, so dass der reale Ton im Stadion auch zum Bild der VR-Brille passt und die Datenmenge erhöhen. Gleichzeitig würde 5G es ermöglichen, das Bildsignal an alle Zuschauer im Stadion zu übertragen.

Die Zukunft im Stadion wird virtuell

Die 5G-Testgeräte von NokiaDie 5G-Testgeräte von Nokia Bruno Jacobfeuerborn, CTO der Deutschen Telekom, sieht in 5G ein spannendes, neues Kapitel für Virtual- und Augmented- Reality und andere zukünftige digitale Unterhaltungsdienste. "5G-Netze bieten den Kunden schnellere Video- und Virtual-Reality-Inhalte in höherer Qualität und werden damit das Nutzererlebnis deutlich verbessern. Wie wir hier in Berlin zeigen, kann dies das Erlebnis der Fans im Stadion völlig verändern." Nokia-Europachef Markus Borchert zeigte sich stolz, dass man in der Lage war, "diese weltweit erste Demonstration in Berlin mit kommerziell verfügbaren Geräten von Nokia zu realisieren." Das mache deutlich, "wie interaktiv und unmittelbar das Erlebnis im Stadion in enigen Jahren sein wird." Natürlich ist es dann auch möglich, das Signal aus dem Stadion in alle Welt zu übertragen.

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