Diskriminierungsfrei

Birgt 5G Gefahren für die Netzneutralität?

Der politische Wechsel in den USA hat die Diskussion um diskriminierungsfreien Netzverkehr erneut entfacht. Der Netzwerkausrüster Nokia äußerte sich dazu und zeigte auf, dass differenzierte Dienste in den Netzen nicht zu Lasten der Netzneutralität gehen müssen.
Vom Mobile World Congress in Barcelona berichtet
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Für Nokia erläutert Hussein Moiin die zukünftigen Eigenschaften von 5G. Für Nokia erläutert Hussein Moiin die zukünftigen Eigenschaften von 5G. Äußerungen des neuen FCC-Chefs Pai haben die Sorgen um die Netzneutralität genährt. Die vor zwei Jahren getroffene Entscheidung der Federal Communications Commission, das US-amerikanische Pendant der deutschen Bundesnetzagentur, Internet-Anbieter mit Versorgern gleichzusetzen, verlangte von diesen die gleichwertige Behandlung aller Datenströme in ihren Netzen. Der neue Chef distanzierte sich auf dem MWC in Barcelona von der Entscheidung und verkündete eine "Regulierung mit leichter Hand".

Bedroht 5G die Netzneutralität?

Auf das Thema angesprochen, äußerte sich der Netzwerkausrüster Nokia in einem Hintergrundgespräch zum zukünftigen Mobilfunk-Netzstandard 5G und zu möglichen Gefahren für die Netzneutralität.

Um hochgradig zuverlässige Anwendungen zu realisieren, müssen die Netze der Zukunft ultraschnell reagieren, sehr hohe Bandbreiten ermöglichen und in der Lage sein, massenhaft vernetze Geräte zu koordinieren. Alle diese Applikationen können nicht auf einer Ebene ausgeführt werden, was eine Aufteilung der 5G-Netze in sogenannte Slices notwendig machen wird. Das sei ein komplett neues Konzept, sagte Hossein Moiin, Technik- und Strategie-Chef von Nokia Solutions and Networks.

Slicing: Jeder Usecase bekommt eine Scheibe ab

Die Netze der Zukunft werden viele unterschiedliche Anwendungen ermöglichen. Weil diese Anwendungen jedoch nicht gleichzeitig betrieben werden können, muss das Netz aufgeteilt werden. Je nachdem, ob eine hohe Bandbreite, eine schnelle Reaktionszeit oder eine stromsparende IoT-Verbindung vom entsprechenden Endgerät gefragt ist, wird dieses über eine bestimmte Schicht im Netz verbunden, ohne Kapazitäten der anderen Schichten zu beeinträchtigen.

Dies sei auch eine Frage der Zuverlässigkeit, so Moiin. Diese müsse zu jeder Zeit gegeben sein. 5G beinhalte die Chance, Echtzeitanwendungen im Netz zu ermöglichen. Kritische Infrastruktur müsse sogar "ultra-zuverlässig sein".

Scheibchenweise gegen die Netzneutralität?

Kritiker werfen der Industrie vor, mit Network Slicing die Netzneutralität weiter zu gefährden. Gegen Überholspuren im Netz positioniert sich auch netzpolitik.org und spricht dem angehenden Netzstandard die technische Notwendigkeit ab. Hossein Moiin versuchte jedoch, hier die Wogen zu glätten. Zwar werde das 5G-Netz durch Slicing für verschiedene Anwendungsgebiete aufgeteilt, die gesendeten Datenpakete würden aber innerhalb der Slices gleichberechtigt behandelt. Die verschiedenen Network Slices unterschieden sich zwar im Timing der Datenpakete, die Sender und Empfänger der Daten würden indes nicht vom Netz diskriminiert.

Dedizierte Netze innerhalb eines Netzes

Schon jetzt würden Netze, die bestimmten Anforderungen genügen müssen, wie zum Beispiel Funknetze für Rettungsdienste, Datenpakete anders behandeln als andere Netze. Als typisches Beispiel für ein dediziertes Netz führte Moiin das Behördennetzwerk TETRA an. Diese verhalte sich zwar anders als andere Netze, behandele seine Quellen aber stets gleich. Dies sei auch bei 5G nicht anders: Die Network Slices behandeln die Daten gleich, stellen jedoch die Ressourcen denjenigen Geräten zur Verfügung, die sie auch benötigen.

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