Gemeinsam bauen

Telekom: Gemeinsam die Flächendeckung verbessern

Beim 5G-Netzausbau bietet die Telekom ihren Mitbewerbern die Mitnutzung von eigenen Türmen an und setzt auf einen Mix aus Glasfaser und drahtlosen Lösungen
Von der Connect Conference in München berichtet
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Vertreter aller zentraleuropäischen Netzbetreiber schauten bei der Connect Conference in München vorbei.

Glasfaser global

Für die Deutsche Telekom stellten Technik-Chef Walter Goldenits und sein Amts-Vorgänger und aktueller Chef der Deutschen Funkturm und einer der weltweiten Initiatoren von 5G, Bruno Jacobfeuerborn die Pläne der Deutschen Telekom vor. Man schreibe derzeit Geschichte, Glasfaser sei das nächste große Netz und wichtige Voraussetzung für den kommenden globalen Markt.

Walter Goldenits (CTO, Deutsche Telekom) stellte den Magenta Way vor
Walter Goldenits (CTO, Deutsche Telekom) stellte den Magenta Way vor

Bundesweites Aufgraben nicht möglich

Goldenits machte aber auch klar, dass ein bundesweites Aufgraben mit dem Bagger logistisch gar nicht möglich sei. Alternativ wild verspannte Freileitungen, wie sie in vielen südlichen Ländern, aber auch in den USA üblich seien, kämen für Deutschland auch nicht infrage. Pro Tag könnten an einer Stelle mit dem Bagger 2000 Meter Kabel vergraben werden. Eine denkbare Lösung könnte "Trenching" sein, wo der Gehweg oder die Straße aufgefräst wird, ein Kabel verlegt und kurz darauf wieder verschlossen wird. So seien ein Kilometer Glasfaser-Leitung pro Tag verlegbar.

Ein solcher Drahtverhau wäre in Deutschland undenkbar
Ein solcher Drahtverhau wäre in Deutschland undenkbar

Hausbesitzer schrecken vor Neuinstallationen zurück?

Viele Hausbesitzer hätten aber Bedenken wegen neuer (Glasfaser-)Verkabelung im Haus. Deswegen müssten auch drahtlose Lösungen her, welche die Telekom unter dem Schlagwort WTTH (Wireless to the Home) vorstellte. Schon jetzt baue die Deutsche Telekom 1000 neue Sendestationen, darunter viele "Small Cells" auf.

WTTH: Die Häuser werden im Nahbereich per Mobilfunk (Milimeter-Wellen) versorgt.
WTTH: Die Häuser werden im Nahbereich per Mobilfunk (Milimeter-Wellen) versorgt.

Pre-5G gestartet

Wie berichtet, hat die Deutsche Telekom in diesen Tagen in Berlin das erste Pre-5G-Netz in Betrieb genommen, wofür Frequenzen bei 3,7 GHz verwendet werden. Die Antennen arbeiten nach dem 64-MiMo-Prinzip. Der Inkubator "hubraum", der Venture-Kapital an interessante Startups vermittelt, erprobt mit diesen Startups gemeinsam neue Dienste, die erst mit 5G richtig realisiert werden können.

Schon heute sind viele Anwenderszenarien für 5G denkbar.
Schon heute sind viele Anwenderszenarien für 5G denkbar.

Jacobfeuerborn: Wir sind nahe an 5G

Sein Kollege und Vorgänger im Amt, Bruno Jacobfeuerborn, gab einen Überblick über 5G in der Welt und in Deutschland. "Wir sind nahe an 5G". Alle 10 Jahre komme eine neue Box und im Jahre 2020 sei "5G" darin, ein Standard, den 28 Netzbetreiber angeschoben und entwickelt hätten.

So könnte der Fahrplan für 5G aussehen
So könnte der Fahrplan für 5G aussehen

Der Zeitplan bei 5G

Bereits im Jahre 2018 ist 5G in Südkorea zu den olympischen Spielen in Pyeongchang vorab mit einer "Campus Lösung" gestartet. 2019 werde es in den USA richtig losgehen und kurz darauf werde der Mittlere Osten (arabische Emirate) folgen. 2020 werden die Olympischen Spiele in Tokio dort für 5G gewaltigen Schub geben. 2020 ist auch der Starttermin für Europa und speziell in Deutschland vorgesehen. 2022 werden die Winterspiele in China Motor für 5G.

Verizon braucht 850 MHz - an Bandbreite

In den USA werde der dortige Marktführer Verizon bei 28 GHz mit 850 MHz Bandbreite den "Fixed Wireless Access" (kurz FWA oder Festnetzzugang über Funk) ausprobieren. Solche Bandbreiten seien nur auf so hohen Frequenzen möglich.

Energiewende ohne 5G nicht möglich

Jacobfeuerborn betonte, dass die viel diskutierte "Energiewende" ohne 5G gar nicht möglich sei, beispielsweise brauche man 5G, um E-Mobililty zu ermöglichen. Er räumte ein, dass es im Moment noch keinen tragfähigen Business Case für 5G gäbe. Deswegen könnte man eigentlich noch gar nicht bauen. Aber wenn das in drei Jahren anders sei, dann würde man sich ärgern, nicht rechtzeitig aufgebaut zu haben.

Jacobfeuerborn erklärte die Vorgänge anhand des "Opfer-Retter-Verfolger"-Prinzips. "Alle wollen 5G. Wer macht es zuerst?"

Wird der digitale Behördenfunk der Zukunft bei 5G integriert werden?

Jacobfeuerborn stellte fest, dass "Critical Communications", etwa von Sicherheitsbehörden (BOS, also Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste, THW) gut mit dem sogenannten "NetworkSlicing" bei 5G möglich wäre. Ob er glaubt, dass die Politik diesmal mitspielen wird, nachdem sie frühere Pläne für ein GSM-BOS vehement abgelehnt hatte, sagte er nicht.

Mit Beginn des Internet der Dinge (Maschine-zu-Maschine) habe es zig Ideen und Normen gegeben, man habe für eine Norm wie beispielsweise NB-IoT gekämpft und diese bekommen.

Gegen 76 Prozent Netzabdeckung hilft nur Network Sharing?

Für die Zukunft sagte Jacobfeuerborn mehr "Network Sharing" voraus. Ein mobiler Netzwerkbetreiber (MNO) habe eigene Frequenzen und Lizenzen, baue aber vielleicht selbst gar nicht, sondern gehe zu einer "Tower-Company", wie seine Deutsche Funkturm. In Deutschland sei der Mobilfunk derzeit etwa zu 76 Prozent (der Fläche) ausgebaut, in der Schweiz seien es hingegen 95 Prozent. In der berüchtigen Provinz sei es nicht sinnvoll, wenn jeder Netzbetreiber eigene Türme oder Masten aufstelle, hier sollte gemeinsam gebaut und genutzt werden. Insgesamt sieht Jacobfeuerborn 5G auf einem guten Weg.

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