Null Funklöcher

5G: Autoindustrie fordert volle Flächendeckung

Der Verband der Autoindustrie (VDA) macht im Handelsblatt gewaltig Druck. Gefordert wird ein flächendeckendes 5G-Netz.
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Das Thema 5G beherrscht nicht nur die Fachwelt. Jetzt macht der Verband der Automobilindustrie gewaltigen Druck.

Die Forderung ist so schlicht wie umfassend: Die deutsche Automobilindustrie verlangt ein flächendeckendes Mobilfunknetz in 5G-Technik, damit Vernetzung und Digitalisierung der Fahrzeugflotten in Zukunft funktionieren können. „Das Problem besteht eher auf dem Land. Wenn man beispielsweise von Straßburg über den Rhein nach Deutschland fährt, ist die Verbindung 10 bis 15 Kilometer tot. teltarif.de hat diese Strecke abgefahren und kann das bestätigen. Das ist für die Zukunft nicht hinnehmbar“, sagte Bernhard Mattes, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), im Gespräch mit dem in Düsseldorf erscheinenden Handelsblatt. Autobahnen und große Städte müssten komplett digitalisiert sein. Für das vollautomatisierte Fahren sei auch eine 100-prozentige Abdeckung in der Fläche notwendig.

Volle Flächendeckung - vierte Anbieter wünschenswert

Das Autonome Auto (hier ein Elektro-Auto Modell S von Tesla) braucht ein flächendeckendes Netz.Das Autonome Auto (hier ein Elektro-Auto Modell S von Tesla) braucht ein flächendeckendes Netz. Der nach Einschätzung des Handelsblatts mächtigste Industrieverband in Deutschland stünde einer Entwicklung positiv gegenüber, wenn es zusätzlich zu Telekom, Telefónica und Vodafone weitere Mobilfunkanbieter geben würde. „Ich halte Wettbewerb für eine belebende Form in jeder Branche“, betonte Mattes. Wettbewerb sei „ein prima Antreiber, um gute technologische Lösungen zu erreichen“.

In zwei Wochen beginnt in Hannover die internationale Branchenmesse IAA Nutzfahrzeuge, die der VDA veranstaltet. „Über 2100 Unternehmen werden da sein – damit liegen wir noch einmal über dem schon sehr guten Stand von 2016“, sagte Mattes. Das Thema 5G wird auf dieser Messe eine wichtige Rolle spielen.

Eine Einschätzung

Dass autonomes Fahren, so wie es sich die Kunden und die Branche vorstellen, eine volle Flächendeckung erfordert, sollte jedem Beteiligten klar sein. Flächendeckung heißt wirklich Flächendeckung, also alle frei befahrbaren Straßen, alle Plätze, Tiefgaragen und so weiter müssen wirklich versorgt sein, auch mit "schlechten" Antennen oder innerhalb von Fahrzeugen.

Schon länger senden die Mobilfunker bei 1800 (LTE/GSM) oder 2100 MHz (UMTS) und in Ballungszonen auch bei 2600 MHz (LTE). Wer sich heute über schlechte Indoor-Abdeckung ärgert, versteht, dass bei 3,5 GHz, was im Frühjahr neben 2100 MHz versteigert wird, spätestens alle 100 Meter irgendetwas Sendefähiges stehen muss, das über Glasfaser mit dem nächsten nicht zu weit entfernten Computer verbunden sein muss ("Edge-Computing").

Es fehlen Sender und Glasfasern

Derzeit gibt es aber - gerade in der Fläche - weder genügend Sendestationen noch genügend Glasfaserleitungen. Ein unabhängiger vierter Anbieter, der aus eigener Kraft ein echtes viertes Netz aus dem Nichts hervorzaubern könnte, existiert aber nicht. Ein vierter Anbieter, der sich nur bei den Mitbewerbern einmietet (egal ob zu regulierten oder marktüblichen Preisen) kann nur dort versorgen, wo die andern bereits "Netz" haben. Wo es kein Netz gibt, gibt es weiter kein Netz, bis dort jemand bauen will und bauen darf.

Blieben neue Investoren aus dem Ausland, vielleicht aus dem arabischen Raum. Die investieren derzeit sehr viel, aber ob sie große Lust haben hierzulande richtig und schnell in ein stark reguliertes Mobilfunknetz zu investieren, muss mehr als bezweifelt werden.

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