Hintergrund

Südkorea: Diese Reichweite hat das 5G-Netz für Privatkunden

Mit 5G verbinden die Anwender hohe Erwartungen. Dazu gehört vor allem ein besseres Netz. Ob das so ist, kann man wohl schon in den nächsten Wochen in Südkorea sehen. Am Freitag war in dem Hightech-Land offizieller 5G-Netzstart.
Von dpa /
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Die südko­rea­ni­schen Mobil­funk­be­treiber sind dem Marke­ting­coup von Verizon noch einmal zuvor­ge­kommen. Heim­lich hatte der US-Provider die Frei­schal­tung des 5G-Ultrab­reit­bands für die super­schnelle Daten­über­tra­gung eine Woche vorge­zogen, um für sich den Titel des welt­weit ersten Betrei­bers eines kommer­zi­ellen 5G-Netzes zu bean­spru­chen. Doch Südko­reas Regie­rung bekam Wind davon, und die drei Unter­nehmen KT, SK Telecom und LG Uplus einigten sich darauf, die eigenen 5G-Dienste zwei Tage früher als geplant zu akti­vieren. Sie schal­teten noch am späten Mitt­woch­abend um 23 Uhr ihre Netze frei.

Der Titel der ersten Nation mit landes­weiter Versor­gung mit der neuen Daten­funk­technik ist Südkorea sicher. Viel lag den Südko­rea­nern auch daran, beim Start des Massen­markts die Nase vorn zu haben. Etwa eine Stunde soll der Vorsprung vor Verizon betragen haben, hieß es aus Indus­trie­kreisen.

War die 5G-Nutzung aber zunächst auf einige ausge­wählte User beschränkt, erfolgte heute der eigent­liche Start­schuss von 5G für die breite Masse. Voraus­set­zung dafür war die Einfüh­rung des ersten 5G-taug­li­chen Smart­phones. Das Galaxy S10 5G ist das welt­weit erste verfüg­bare Smart­phone mit einge­bautem 5G-Mobil­funk­chip. "Wir stehen am Beginn einer neuen Ära, in der unglaub­liche Geschwin­dig­keit und Konnek­ti­vität durch 5G Realität wird", sagte der Chef der Abtei­lung IT und mobile Kommu­ni­ka­tion bei Samsung Elec­tro­nics, Koh Dong Jin.

Seoul: Eine der ersten Städte weltweit mit einem 5G-Netz für private Kunden
Seoul: Eine der ersten Städte weltweit mit einem 5G-Netz für private Kunden

Südkorea: 5G gleich für private Verbrau­cher

Die Anwender erwarten von 5G vor allem ein besseres und stabi­leres Netz. Ihnen wird eine deut­lich schnel­lere Daten­über­tra­gung verspro­chen. Doch die Kapa­zi­täten von 5G werden anfangs bei weitem nicht ausge­schöpft. Der Netz­be­treiber SK Telecom, der bis zum Jahres­ende etwa eine Million Kunden für das neue Netz erwartet, setzt auf eine Bünde­lung von 4G und 5G.

Die Verän­de­rungen durch 5G werden in Südkorea - anders als hier­zu­lande, wo 5G zunächst der Indus­trie vorbe­halten sein dürfte - zunächst bei den Verbrau­chern ankommen. Das gilt für den Unter­hal­tungs­be­reich, einschließ­lich AR- (erwei­terte Realität), VR- (virtu­elle Realität) und Cloud-Spielen und beson­ders dort, wo viele Menschen zusam­men­kommen und sie gleich­zeitig online sein wollen. So eignet sich 5G zum Beispiel ideal dafür, auf einem Open-Air-Konzert oder bei einem Fußball­spiel im Stadion alle Besu­cher mit einer guten Verbin­dung zu versorgen.

Im Holgramm-Theater von KT in Seoul bekommen die Besu­cher etwa einen Vorge­schmack davon, wie das Konzert­er­lebnis der Zukunft aussehen könnte. Schon jetzt gibt es dort vorpro­du­zierte 3D-Konzerte von K-Pop-Gruppen zu sehen. Doch durch 5G lassen sich Konzerte in Echt­zeit auch außer­halb des Live-Veran­stal­tungs­orts in 3D miter­leben. Das Konzert einer K-Popgruppe wird beispiels­weise in einem Studio aufge­nommen und dank 5G in Echt­zeit auf einer Lein­wand bei K-Live und in anderen Thea­tern gezeigt, erläu­tert der Manager in der Abtei­lung für immer­sive Medien, Shin Jong Hyun. Probleme berei­teten jedoch noch die Verhand­lungen über die hohen Produk­ti­ons­kosten.

In 85 Städten ist 5G verfügbar

Der Start von 5G ist für das High­tech-Land Südkorea nicht nur ein Pres­ti­ge­er­folg, weil es damit seine Vorrei­ter­rolle in der Tele­kom­mu­ni­ka­tion unter­streicht. Es geht auch um Stan­dards und viel Geld: Mit der welt­weit ersten 5G-Kommer­zia­li­sie­rung hoffe Südkorea "einen globalen Stan­dard zu schaffen", sagte Wissen­schafts- und ICT-Minister You Young Min. 5G bietet etwa die nötigen Hoch­ge­schwin­dig­keits­netze für den nächsten Schritt der Auto­ma­ti­sie­rung von Fabriken, das auto­nome Fahren und die künst­liche Intel­li­genz. Für die Indus­trie 4.0 ist 5G unab­dingbar.

Die südko­rea­ni­schen Netz­be­treiber hatten bereits im vergan­genen Jahr für zusammen 3,6 Billionen Won (2,8 Milli­arden Euro) die 5G-Frequenzen in 28 Blöcken für das 3,5-Giga­hertz-Band und in 24 Blöcken für das 28-Giga­hertz-Band erstei­gert. Bei der noch laufenden 5G-Auktion in Deutsch­land geht es um 41 Frequenz­blöcke, die mit 2 sowie 3,4 bis 3,7 Giga­hertz in vergleichs­weise hohen Berei­chen liegen. Nach den Gesetzen der Physik haben diese hohen Frequenzen jedoch keine großen Reich­weiten.

Die Reich­weite beim 3,5-Giga­hertz-Band liege in einem Gebäude bei 200 Metern, ohne Hinder­nisse könne sie ein bis zwei Kilo­meter errei­chen, heißt es bei SK Telecom. SK und KT bauten eigenen Angaben zufolge bisher mehr als 30 000 zusätz­liche Funk­masten auf. In 85 Städten, in Bahn­höfen, auf Univer­si­täts­ge­länden und in Fabriken ist 5G jetzt verfügbar.

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