Verkürzt

Festnetz-Ersatz via Mobilfunk: Der nächste Anlauf!?

5G mit Millimeter-Wellen ermöglicht ausreichend hohe Datenraten, um auch Dauerstreamer zu versorgen. Aber sind die Wellen auch robust genug?
Vom Mobile World Congress in Barcelona berichtet
AAA
Teilen (15)

In der Vergangenheit gab es wiederholt Versuche, Mobilfunk­technologie als Ersatz für das kabelgebundene Festnetz einzusetzen. Doch die zugehörigen Technologien, beispielsweise Wireless Local Loop (kurz WLL) oder WiMAX haben den Durchbruch nicht geschafft, meist, weil sie zu teuer, zu unzuverlässig, oder gar beides auf einmal waren. Bei der Versteigerungen der Frequenzen im 800-MHz-Bereich, die derzeit von allen drei deutschen Mobilfunk-Netzbetreibern für LTE genutzt werden, war dennoch eine der Auflagen, ein mobiles Festnetz-Ersatzprodukt (Fixed Wireless Access, kurz FWA) zur Versorgung der vielzitierten weißen Flecken auf Abdeckungskarte mit Breitband-Anschlüssen anzubieten. Doch setzten die Anbieter damals schon eng bemessene und heute für einen Festnetz-Ersatz definitiv nicht mehr zeitgemäße Volumina von gerade einmal 10 bis 30 GB an. Entsprechend haben sich nur wenige Nutzer für Call & Surf via Funk bzw. LTE Zuhause Internet entschieden.

Günther Ottendorfer
Günther Ottendorfer, COO Technology, Sprint
Nun steht 5G vor der Tür und im Pflichtenheft für 5G findet sich prominent die Forderung, dass sich die Kapazität vertausendfachen soll. Dabei wird zwar "nur" die Kapazität von 5G zum Start der 5G-Netze mit der Kapazität von 4G zum Start der 4G-Netze verglichen. Dennoch: Wird in der Praxis tatsächlich diese Kapazitätssteigerung bei ansonsten unveränderten Netzbetriebskosten erreicht, dann können die Netzbetreiber künftig Inklusivvolumina im Bereich von Terabyte anbieten. Das sollte - zumindest bei derzeitigem Surfverhalten - für weit über 90 Prozent der Kunden ausreichen. Und damit endlich FWA zum Durchbruch verhelfen.

Genau diese neue Geschäftsmöglichkeit mit 5G war (auch) ein Thema auf der Pressekonferenz der Next Generation Mobile Network Alliance (kurz NGMN Alliance) anlässlich des Mobile World Congress in Barcelona. Günther Ottendorfer, Chief Operating Officer Technology von Sprint, erklärte, dass es in den USA tatsächlich Bestrebungen gibt, 5G mit Millimeterwellen (im Bereich von 26 bis 28 GHz) genau für diesen Zweck einzusetzen. Dank der insgesamt verfügbaren Bandbreite von über 1 GHz sei ausreichend Kapazität vorhanden.

Tim Höttges
Johan Wibergh, CTO der Vodafone Group
Johan Wibergh, CTO der Vodafone Group, sieht den Nutzen von Millimeterwellen hingegen deutlich kritischer: Millimeterwellen seien sehr empfindlich. Sie drängen nicht durch Wände, nicht durch Fenster, und schon das Blatt eines Baums würde ausreichen, sie zu stören. Selbst in Gebäuden könnte die Ausleuchtung mit Millimeterwellen schwierig werden, zum Beispiel, wenn in einer Messehalle die diversen Standaufbauten das Signal beeinflussen.

Mit 5G wird es einen erneuten Anlauf in Sachen "mobiler" Festnetz-Ersatz erfolgen. Ist dieser in den Startmärkten erfolgreich, werden schnell weitere Anbieter in weiteren Ländern folgen. Erweist sich 5G mit Millimeterwellen hingegen als "Schönwetternetz", weil Regen, Schnee oder fallendes Laub das Signal immer wieder erheblich stören, wird es hingegen zumindest hierzulande dem Festnetz nicht ernsthaft gefährlich werden können.

Teilen (15)

Mehr zum Thema Mobilfunk