Handy-TV

Fernsehen auf dem Handy kommt mit 5G

Laut der 5G Media Initiative werden mit 5G großflächige Rundfunk­anwendungen in den Mobilfunk­netzen möglich, die nahe an klassische terrestrische Rund­funk­übertragungs­verfahren herankommen.
AAA
Teilen (113)

Fernsehen auf dem Smartphone - hier per DVB-T2 Full HD AppFernsehen auf dem Smartphone - hier per DVB-T2 Full HD App Fernsehen auf dem Handy ist hierzulande seit der Vergabe der UMTS-Lizenzen im Jahr 2000 im Deutschland ein viel diskutiertes, bisher aber reichlich frustrierendes Thema gewesen: Jahrelang konnten sich Mobilfunkanbieter, öffentlich-rechtliche sowie private Sender, Contentproduzenten und zahlreiche weitere Unternehmen und Institutionen nicht auf eine gemeinsame Lösung einigen. Denn die Mobilfunk-Anbieter wollten nach ihren Milliarden­investitionen unter anderem mit Handy-TV endlich wieder Geld verdienen - die Mobilfunk-Kunden hingegen waren nicht bereit, für derartige Spielereien extra zu bezahlen. Zumal sich schnell herausstellte, dass Mobilfunknetze und Endgeräte längst noch nicht ausgereift genug waren, um ein massenhaftes Fernsehinteresse überhaupt bedienen zu können, wenn es denn eins gegeben hätte. So wurde zwar allerhand ausprobiert, es gab Versuche mit DVB-H, DVB-SH oder DMB, insbesondere um die Fußball-WM 2006 in Deutschland herum, aber der große Durchbruch blieb aus.

Von der Entwicklung überholt

Letztlich überholten die technischen Entwicklungen bei Geräteherstellern und Diensteanbietern die streitenden Parteien immer wieder: Dank Netflix, Amazon und YouTube ist Fernsehen auf dem Handy längst bei den interessierten Nutzern angekommen. Auch wenn man sich dafür entweder in einem gut funktionieren WLAN befinden oder die neuen Folgen der Lieblingsserie zuvor in der jeweiligen App auf sein Smartphone geladen haben sollte. Sicher, das ist nicht unbedingt das, was die Fernsehmacher in Deutschland noch unter Fernsehen verstehen, denn die setzen weiterhin auf das klassische, linear ausgestrahlte Medium. Aber auch das lässt sich seit einiger Zeit dank Anbietern wie Zattoo oder Magine auf das eigene Smartphone holen. Und zwar in einer Vielfalt, von der man früher nicht zu träumen gewagt hätte.

Und auch die einheimischen Sender bieten längst eigene Smartphone-Apps an, über die sie bestimmte Inhalte für die Nutzung auf dem Smartphone zur Verfügung stellen. Hier bleibt das Problem allerdings, dass, wenn man sich außerhalb vertrauenswürdiger WLANs bewegt, der für die jeweilige Übertragung nötige mobile Traffic bezahlt werden muss - auch wenn die Datenpreise fallen und die Telekom mit StreamOn zumindest in vergleichsweise teuren Tarifen den Traffic für bestimmte Streaming-Dienste nicht mehr auf das enthaltene Datenvolumen anrechnet.

Release 14

Hier gibt es eine gute Nachricht vom Institut für Rundfunktechnik: Eine effiziente und kostengünstige Übertragung von TV-Programmen auf Smartphones und Tablets ist nämlich mittlerweile ein gutes Stück näher gerückt. Das internationale Standardisierungsgremium 3GPP (3G Partnership Project) hat im Juni 2017 die Entwicklungsstufe Release 14 abgeschlossen. Das bedeutet, dass nun wichtige Anforderungen unterstützt werden, die eine Übertragung von Rundfunkangeboten in großzelligen 4G- und 5G-Netzen unterstützen. Es heißt, dass Release 14 den Parametern, wie sie bisher bei klassischen terrestrischen Rundfunkübertragungsverfahren üblich sind, ziemlich nahe kommt. Das jedenfalls erklärten die Partner der 5G Media Initiative, eine Interessensgruppe namhafter Firmen wie Qualcomm, Nokia und Ericsson und weitere Organisationen.

Nach den abgeschlossenen Standardisierungs­arbeiten könne die Implementierung in Geräten, Diensten und Netzen in Angriff genommen werden. Die Erweiterungen des 3GPP- Standards sollen zahlreiche Verbesserungen für das bereits bestehende eMBMS- Verfahren (evolved Multimedia Broadcast Multicast System) bieten. Diese wiederum sollen die technischen Voraussetzungen für eine wirtschaftliche Programmverbreitung und einen freien Zugang zu Fernsehprogrammen ermöglichen.

Empfang ohne SIM

Ein Empfang ohne SIM-Karte und ohne Authentifizierung sind Bestandteil der neuen Spezifikation, ebenso wie die Option, bis zu 100-Prozent der Übertragungskapazität für Rundfunkanwendungen zur Verfügung zu stellen. Dazu kommen deutlich größere Senderabstände als bisher, so dass eine Flächenversorgung endlich wirtschaftlich machbar wird. Einen reinen Empfangsmodus (Receive-Only-Mode) ohne die zwingende Notwendigkeit eines Rückkanals gibt es in dem 3GPP-Standard auch. Netzbetreiber können damit verschiedene Arten der TV-Verbreitung und Interaktivität kombinieren. Weil die Fernsehprogramme nicht in allen Netzen der Mobilfunkbetreiber gleichzeitig übertragen werden müssen, ist dieser Standard besonders effizient. Auch die Aussendung über ein eigenes Rundfunksendernetz wäre möglich, wenn alle Empfangsgeräte, mit und ohne Vertragsbindung, Fernsehprogramme empfangen sollen - was bei Katastrophenwarnungen vorteilhaft wäre, gerade weil bei Naturkatastrophen oder Massenereignissen sonstiger Art ja wirklich jeder und jede informiert werden soll und muss - unabhängig davon, ob die jeweiligen Nutzer eine Katastrophen-Warn-App installiert haben oder eben nicht.

Ausblick

Weiterhin wurde im Standard festgeschrieben, dass die derzeit im Rundfunkbereich genutzten Transport- und Kodierungsformate in 4G- und 5G-Netzen zur Anwendung kommen können. Die Anforderungen für die Verbesserungen des erfolgreichen LTE/eMBMS-Standards wurden im Vorfeld von EBU, SWR, IRT, BBC, RAI und Industriepartnern definiert und bei 3GPP eingereicht. Gleichzeitig wurde eine Grundlage für den nahtlosen Übergang zu der gerade entstehenden 5G-Standardisierung gelegt, die in einer ersten Phase in Verbindung mit LTE umgesetzt werden soll.

Der neue Netzstandard 5G soll in einer ersten Entwicklungsstufe bis 2018 zur Verfügung stehen. Danach soll 5G kontinuierlich zu einem universellen System für Datenanwendungen mit hoher Bandbreite erweitert werden. Ab 2020 werden weitere Optimierungen für Rundfunkanwendungen im Rahmen von 5G erwartet. Den Durchbruch für die massenhafte Nutzung von Rundfunkdiensten über 5G erwartet die 5G Media Initiative ab 2025.

Teilen (113)

Mehr zum Thema 5G