5G

Sunrise Schweiz: 5G als Alternative bei fehlender Glasfaser

Der Auf- und Ausbau der Schweizer Mobilfunknetze stößt an "rigide" Grenzwerte. Sunrise sieht für 5G die Chance bei schnellem Internet in schlecht erschlossenen Regionen.
Über 5G in der Schweiz berichtet
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Die Diskussion um 5G in Deutschland produziert täglich neue Schlagzeilen. In der Schweiz hat derweilen ein Wettbewerb der Anbieter um den besten 5G-Netzausbau begonnen.

Der zweite Schweizer Netzbetreiber Sunrise (einst als diAx gestartet) hat im Sommer 2018 seine "erste 5G-Antenne der Schweiz" in Betrieb genommen und setzt auf „5G for People“. Das ist insofern bemerkenswert, da bei der Diskussion um Zweck und Nutzen von 5G allzu oft nur auf Industrie-Anwendungen oder das "autonome Fahren" verwiesen wird.

5G for People

Sunrise sieht in einer ersten Phase bei "5G for People" als größtes Potenzial. 5G biete die Möglichkeit, glasfaserähnliche Bandbreiten über Mobilfunk bereitzustellen. Dabei genügen ein 5G-WiFi-Hotspot und eine 5G-Mobilfunkversorgung. Wie einfach das geht, zeigte Sunrise anlässlich der Inbetriebnahme ihrer ersten 5G-Mobilfunkantenne.

Sunrise will Geschäfts- und Privatkunden ab 2020 außerhalb von Ballungszentren ganz regulär Hochbreitband-Verbindungen mit bis zu 1 GBit/s anbieten, gerade wenn vor Ort kein Glasfaseranschluss vorhanden ist. In seinem Demonstrationsnetz hat Sunrise das neueste 3GPP-basierte 5G-New-Radio-Equipment und Kundenmodems (CPE) aufgebaut. Die Netzwerk-Technologie wird vom Netzwerkausrüster Huawei geliefert.

Als ADSL-/VDSL-Ersatz könnten Privatkunden mit 5G von UHD TV, Surfen mit bis zu 1 GBit/s, Online-Gaming, Augmented und Virtual Reality profitieren. Für Geschäftskunden stehen 5G-basierte mobile Breitbandlösungen im Vordergrund, die sie als "Managed Services" statt aus der Steckdose neu über Mobilfunk maßgeschneidert beziehen könnten.

Vom Labor in die Realität

Die erste 5G-Live-Antenne von Sunrise steht in Oerlikon bei Zürich.Die erste 5G-Live-Antenne von Sunrise steht in Oerlikon bei Zürich. Als Vorstufe hatte Sunrise vor etwa einem Jahr im Labor die nach eigenen Angaben "schnellste 5G-Verbindung in der Schweiz" vorgestellt.

Sunrise und Huawei bauten im cloudbasierten Core-Network eine End-zu-End-Anwendung mit Virtual Reality, 360°-Live-Video und 12 parallelen 4K-Videostreams auf einem 65-Zoll-UHD-Fernseher auf. Über eine Test-Antenne mit 64 x 64 massive Mimo auf 3,5 GHz (Band 42) erreichten sie mit einem Download-Datendurchsatz von 3,28 GBit/s den "Weltrekordwert".

Als "Praxisanwendung 1" liefen 12 parallele über Funk übertragene 4K-Videostreams zu je etwa 40-50 MBit/s mit insgesamt bis zu 750 MBit/s Bandbreitenbedarf. Die "Praxisanwendung 2" war "Mobile Virtual Reality", welche die bei 5G möglichen kurzen Latenzzeit sowie die Stabilität des 5G-Netzes zeigen sollten. Mit "Praxisanwendung 3" wurde ein mobiles 360°-Live-Video von zwei getrennten Kamerastandorten aus übertragen, um auch hier die kurze Latenzzeit sowie die Kapazitäten eines 5G-Netzes zu demonstrieren.

Das Band 42 (3,4-3,8 GHz) wird nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Schweiz zum Start von 5G versteigert werden. Sunrise plant nach erfolgreicher Ersteigerung von Frequenzen im Jahre 2020 im Band 42 zu starten.

CEO gibt sich zuversichtlich

Olaf Swantee, CEO Sunrise ist von seinem Netz überzeugt: "Wir sind The Unlimited Company und treiben die Digitalisierung bereits mit dem besten 4G-Netz, das die höchste flächenmäßige 4G-Abdeckung der Schweiz bietet, stark voran. 5G wird ein ‚Game Changer‘ sein und ist für mich ein weiterer wichtiger Schritt nach vorne. Als führende 4G-Anbieterin sind wir natürlich auch mit Blick auf die fünfte Mobilfunkgeneration ambitiös. Wenn die weltweit strengste NIS-Regulierung endlich korrigiert wird und die Frequenzvergabe wettbewerbsfördernd erfolgt, können wir es schaffen und für die Schweiz auch mit 5G neue Maßstäbe setzen".

5G: Glasfaser durch die Luft

Für Sunrise bietet die fünfte Mobilfunkgeneration die Skalierbarkeit für verschiedene Dienste ("Services") die Möglichkeit, dedizierte Dienste und Bandbreiten für bestimmte Nutzergruppen bereitzustellen (Band-/Network-Slicing z.B. für Sicherheits- und Rettungskräfte oder geschäftskritische Unternehmensanwendungen). Von Vorteil ist die niedrige Latenzzeit (bis zu 1 Millisekunde), die sehr hohe mögliche Anzahl gleichzeitiger Verbindungen (1 Million Verbindungen pro Quadratkilometer), sehr hohe Verbindungsgeschwindigkeiten (bis 10 GBit/s) und vieles mehr.

Dadurch werde künftig über die „Schnittstelle Luft“ vieles möglich sein, was bisher nur über leitungsgebundene Infrastrukturen (z.B. Glasfaser) möglich war. Wie der 5G-Test von Sunrise und Huawei gezeigt habe, könnte beispielsweise der leitungsgebundene Internetzugang in einem Mehrfamilienhaus mit zwölf Haushalten ganz einfach mit einer 5G-Mobilfunkverbindung ersetzt werden. Selbst bei 12 parallelen datenintensiven 4K-TV-Streams die insgesamt eine Bandbreite von bis zu 750 MBit/s beanspruchten, bleiben in diesem frühen 5G-Stadium noch weitreichende Kapazitäten frei. Damit könnte jeder Haushalt gleichzeitig noch viele weitere Internetverbindungen für breitbandige Anwendungen nutzen. Ein ähnliches Projekt probiert auch Telefónica Deutschland in Hamburg aus.

Auch Xiao Haijun, CEO von Huawei Schweiz, gibt sich zuversichtlich: Was wir hier zusammen mit Sunrise zeigen, ist beispiellos, demonstriert die Leistungsfähigkeit von 5G."

Überraschender Testsieger

Jahrelang lag der älteste Schweizer Mobilfunkanbieter Swisscom in allen Netz-Tests vorne. Dann hatte Sunrise völlig überraschend den connect-Mobilfunk-Netztest für die Schweiz gewonnen.

Inzwischen wurde Sunrise zweimal in Folge Testsiegerin im connect-Mobilfunk-Netztest, mit den höchsten je erreichten Punktezahlen auch im weltweiten Vergleich zu 70 anderen Ländern. Sunrise nennt aktuell "über 95 Prozent flächenmässige 4G-Abdeckung der Schweiz und 99.9% der Bevölkerung". Damit sorge Sunrise auch in den Gebieten für breitbandige Internetverbindungen, wo über das Festnetz keine befriedigenden Internetangebote erbracht werden können.

NIS-Beschränkungen könnten 5G deutlich verzögern

NIS steht für Nicht-Ionisierende-Strahlung und ist das große Sorgenthema der Schweizer Mobilfunkbranche. Dass höhere mobile Bandbreiten auch neue Anwendungen mit sich bringen, zeigt sich bereits mit der vor über fünf Jahren eingeführten 4G-Technologie. Die im Vergleich zum Ausland zehnfach strengeren Strahlenschutzgrenzwerte, die "rigiden administrativen und technischen Vollzugsbestimmungen" sowie die langwierigen Bewilligungsverfahren für Mobilfunkanlagen dürften jedoch eine breite 5G-Einführung mit allen Leistungsmerkmalen bis ca. 2020 und darüber hinaus verzögern, schätzt Sunrise die Lage ein. In städtischen Gebieten könnten deshalb die bestehenden Anlagen kaum weiter ausgebaut werden. Ähnliche Klagen hört man auch vom größten Mitbewerber Swisscom.

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