Dreigeteilt

ITU Telecom World: Hat Telefónica bei 5G die Nase vorn?

Die Übernahme zweier erfolgloser WiMAX-/WLL-/BWA-Anbieter könnte den Spaniern bei der Einführung von 5G einen strategischen Vorteil verschaffen - freilich nur bis Ende 2021
Von der ITU Telecom World 2016 in Bangkok berichtet
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Wie in unserem Übersichtsartikel geschrieben, peilen die Netzausrüster und Gerätehersteller derzeit drei weltweit neu dem Mobilfunk zugewiesene Frequenzbänder für die Einführung des kommenden Mobilfunkstandards 5G an: ein niedriges Band bei 600/700 MHz, ein mittleres rund um 3,5 GHz und ein hohes bei 26 GHz. Eventuell kommt noch ein zweites mittleres Band im Bereich von 4,4 bis 5,0 GHz dazu. Anders als bisher gewohnt ist keines dieser drei bzw. vier Bänder genau festgelegt, sondern die genauen Anfangs- und Endfrequenzen und die genaue zur Verfügung stehende Bandbreite wird sich von Region zu Region unterscheiden. 5G steht vor der Einführung5G steht vor der Einführung

Verläuft die 5G-Einführung erfolgreich, werden mittelfristig auch bestehende Mobilfunkfunkfrequenzen, auf die derzeit 2G-, 3G- oder 4G-Dienste geschaltet sind, für die Nutzung mit 5G umgewidmet werden. Anfangs ist jedoch nicht damit zu rechnen, dass überhaupt größere Mengen an ungenutzten Frequenzbändern für eine Umwidmung verfügbar ist - schließlich sind ja auch die bisherigen Mobilfunkstandards weiterhin sehr erfolgreich. Jede Abschaltung bestehender Frequenzen, um sie für 5G zu nutzen, wäre jedoch schmerzhaft für die bestehenden Kunden auf dieser Frequenz - wie in Deutschland jüngst E-Plus-Kunden erfahren mussten, weil Telefónica einige Frequenzblöcke im 1800er-Frequenzbereich räumen musste, um sie nach der letzten Frequenzauktion an Vodafone zu übertragen.

700-MHz-Band: Alles klar für die Netzbetreiber - wenn es denn mehr wäre

Eine gute Ausgangslage für die Einführung von 5G haben die Netzbetreiber in Deutschland im unteren Frequenzbereich um 700 MHz. Dieser ist bereits letztes Jahr erfolgreich versteigert worden. Jeder der drei Netzbetreiber konnte sich eine Bandbreite von 20 MHz sichern, die freilich symmetrisch in einen Uplink- und einen Downlink-Kanal von je 10 MHz geteilt wird. Da allgemein mit einer zügigen Einführung von 5G ab dem Jahr 2020 zu rechnen ist, und diese Frequenzen zudem erst ab 2018 überhaupt von den Netzbetreibern genutzt werden dürfen, ist damit zu rechnen, dass sie das 700-MHz-Band nicht zur Verbesserung der LTE-Versorgung verwenden werden, sondern ab Start direkt 5G aufschalten werden.

Pläne in der EU zu Einführung von 5G
Pläne in der EU zu Einführung von 5G
Damit ergibt sich für die niedrigen Frequenzen in Deutschland ein einheitliches Bild bei allen Netzbetreibern: 900 MHz für 2G/GSM, 800 MHz für 4G, 700 MHz künftig für 5G. Einzig die Deutsche Telekom verfügt bei 900 MHz über so viel Bandbreite, nämlich 15 MHz im Up- und Downlink, dass sie erwägen kann, GSM-900 auf 5 MHz gepaart zu reduzieren und die dadurch freiwerdenden 10 MHz gepaart für 4G- oder 5G-Dienste einzusetzen.

Für die anderen Netzbetreiber gilt: Für 5G, das die vielfachen Datenraten von 4G erreichen soll, sind die 10 MHz gepaart im 700-MHz-Band eigentlich viel zu wenig. Die Netzbetreiber werden daher weiter kräftig ihre Lobbyhebel in Bewegung setzen, um im Rahmen einer dritten digitalen Dividende weitere bisher für die Ausstrahlung von Fernsehprogrammen verwendete Frequenzen für den Mobilfunk umzuwidmen, und so insbesondere auch das 600-MHz-Band recht bald für 5G zu öffnen. Andererseits meldeten auf der ITU Telecom World die klassischen Rundfunkanbieter starke Bedenken dagegen an, dass ihnen immer mehr Frequenzbereiche entzogen werden. Schließlich lässt sich auch bei DVB-T die Effizienz nicht nach Belieben weiter steigern. Künftige Programminhalte, allen voran 4K, werden den Bandbreitenbedarf zudem sogar steigen, nicht sinken lassen. Wo zwei sich streiten, freut sich der Finanzminister: Es könnte sein, dass künftig Mobilfunk-Netzbetreiber und TV-Stationen in Frequenzauktionen gegeneinander antreten.

Auf der folgenden Seite erfahren Sie, wie es bei den höheren Frequenzen aussieht.

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