Mobilfunk

Mittendrin statt nur dabei: 5G in der TV-Produktion

Wenn man beim Formel-1-Rennen auf der Tribüne am Smart­phone live im Cockpit mitfahren kann, läuft im Hinter­grund 5G. Den ersten Schritt zur Nutzung der neuen Mobil­funk­genera­tion bei TV-Produk­tionen zeigt Media Broad­cast auf den Medi­entagen München. Hier aber noch auf einem Segway.
Von den Medientagen München berichtet Marc Hankmann
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Bevor die Zuschauer eines Formel-1-Rennens mehr auf ihre Smart­phones als auf die Renn­strecke blicken, muss nicht nur ein 5G-Netz für Endan­wender zur Verfü­gung stehen. Vor allem muss die neue Mobil­funk­genera­tion in der Produk­tions­kette etabliert werden. Wie das funk­tioniert, zeigt Media Broad­cast derzeit auf den Medi­entagen München. Der Service Provider für die Broad­cast-Indus­trie hat ein Campus­netz errichtet, das die Möglich­keiten von 5G in der TV-Produk­tion demons­triert und für Media Broad­cast selbst den Einstieg in ein neues Geschäfts­feld bedeutet.

5G in der TV-Produktion Objekterkennung
Über das 5G-Campus-Netz von Media Broadcast wird der jonglierte Ball erkannt und dessen Geschwindigkeit auf dem Bildschirm eingeblendet
Ans 5G-Netz ange­schlossen sind vier Kameras: eine Webcam am Ausstel­lungs­stand von Media Broad­cast, eine profes­sionelle Draht­los­kamera außer­halb des Gebäudes sowie zwei Smart­phones, von denen eines an ein Segway montiert ist. Jede Kamera verfügt über eine spezi­elle SIM-Karte, mit der es sich im Campus­netz anmeldet, um die eigenen Signale an die ange­schlos­senen Empfangs­geräte zu über­mitteln.
5G in der TV-Produktion Drahtloskamera
Die Drahtloskamera produziert ein HD-Live-Bild mit 3 GBit/s. Für die Darstellung am Bildschirm wird es auf 3 bis 6 MBit/s herunterkonvertiert.

Objekt­erken­nung in Echt­zeit

Neben einem Bild­schirm am Stand von Media Broad­cast, werden die Bild­signale auch an eine Smart­phone-App über­tragen. Dort können sie einzeln aufge­rufen werden. Im Bild hat Media Broad­cast den Namen der Kamera einge­stanzt, wobei auch andere Meta­daten wie etwa GPS-Infor­mationen über­tragen werden können. Ein Beispiel hierfür demons­triert Media Broad­cast anhand eines Fußballs der jongliert wird und dessen Geschwin­digkeit in Echt­zeit auf dem Bild­schirm ange­zeigt wird. Solche Beispiele lassen sich etwa für Sport­über­tragungen weiter­entwi­ckeln.

5G in der TV-Produktion App
Die App von Media Broadcast zeigt die vier Bildsignale der im Campusnetz integrierten Kameras und kann ebenfalls als Kamera eingesetzt werden
Gleich­zeitig fungiert die App eben­falls als Kamera. Aufnahmen werden über das Campus­netz an einen Über­tragungs­wagen weiter­geleitet, um dort die Bilder zu bear­beiten und zum Beispiel an eine ange­schlos­sene Sende­anstalt zu trans­portieren. Diese Über­tragung läuft heute noch weit­gehend über Glas­faser oder Satellit, wobei sich bei diesem Signal­trans­port, der Distri­bution, die Vorteile von 5G gegen­über dem Satel­liten zeigen: gerin­gere Latenz­zeiten und nied­rigere Kosten.

Mehr Flexi­bilität, gerin­gere Tech­nikkosten

Gerade weil 5G ein welt­weiter Stan­dard ist, geht Media Broad­cast davon aus, dass er auch in der TV-Produk­tion eine tragende Rolle spielen wird. Bei einer hohen Markt­durch­drin­gung dürften die Tech­nikkosten sinken. Dadurch würde 5G auch für lokale oder regio­nale TV-Anbieter inter­essant. Durch die Verwen­dung draht­loser Kameras und Mikro­fone erhalten Produ­zenten mehr Flexi­bilität in ihren Produk­tions­hallen und bei Vor-Ort-Produk­tionen. Des Weiteren würde 5G die vielen eigen­entwi­ckelten Über­tragungs­tech­niken für draht­lose Produk­tions­mittel verein­heit­lichen.

5G in der TV-Produktion Segway-Kamera
Mehr Flexibilität: Mit einem an einem Segway montierten Smartphone zeigt Media Broadcast auf den Medientagen München die Möglichkeiten von 5G in der TV-Produktion
Derzeit geht es Media Broad­cast darum zu demons­trieren, welches Poten­zial in 5G für die TV-Produk­tion steckt. Das Unter­nehmen will Erfah­rungs­werte sammeln und mit Kunden deren Bedürf­nisse für 5G-Anwen­dungen disku­tierten. „Bei entspre­chender Nach­frage und Verfüg­barkeit der Frequenzen sehen wir in 5G-Campus­netzen eine sinn­volle Ergän­zung zu unserem Port­folio“, sagte Lars Bayer, Leiter der Unter­nehmens­kommu­nika­tion von Media Broad­cast, auf den Medi­entagen München.
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