Autonomes Fahren

Selbstfahrende Autos: Wer braucht schon 5G?

Auto­nomes Fahren soll eine der Killerap­plika­tionen für 5G sein. Doch weder die EU noch die Auto­indus­trie ist sich da ganz sicher. Schließ­lich gibt es ja auch noch WLAN und LTE. Und beides ist sofort verfügbar.
Von Wolfgang Korne

Einen Unter­stützer bekommt die ASFINAG durch VW. Volks­wagen hat die Seri­enein­führung der WLAN-Tech­nologie in einem der nächsten Fahr­zeuge bereits ange­kündigt. Weitere Hersteller planen eben­falls in den nächsten Fahr­zeug-Genera­tionen die WLAN-Tech­nologie einzu­bauen, zum Beispiel auch um die teil­auto­mati­sche Fahrt in LKW-Konvois zu unter­stützen („Platoo­ning“). Dabei über­nimmt nur noch das erste Fahr­zeug die Lenkung. Alle anderen Fahrer haben dann Pause und durch das Wind­schatten-Fahren wird viel Sprit gespart. Zudem kann der Abstand der LKW auf 15 Meter schrumpfen, was die Last­wagen-Kolone deut­lich verkürzt und den Verkehrs­fluss verbes­sert. Das System ist aber noch in der Erpro­bung, es sind noch eine ganze Reihe von Fragen zu klären. Alex­ander Doll, Bahn-Vorstand für Güter­verkehr, Logistik und Finanzen, schätzt, dass es noch bis Mitte oder Ende der 2020er-Jahre dauert, bis das System praxis­reif ist.

Alles für die Sicher­heit

In Öster­reich soll die Technik als Zwei-Wege-Kommu­nika­tion genutzt werden. Von den Fahr­zeugen können Infor­mationen an die ASFINAG gesendet werden, um so andere Verkehrs­teil­nehme­rinnen und Verkehrs­teil­nehmer besser mit Updates entlang der Strecke versorgen zu können. Der ASFINAG geht es dabei vor allem um die Sicher­heit. So können zum Beispiel Infor­mationen über Fahr­strei­fensperren, Baustellen, Tempo­limits, Pannen oder Unfälle entlang der Strecke direkt ins Fahr­zeug gesendet und dort via Bord­computer ange­zeigt werden. Von der Betrei­berge­sell­schaft gesen­dete Infor­mationen werden auto­matisch in die Sprache des Herkunfts­landes des Fahr­zeugs über­setzt.

Platooning ist noch in der Testphase. Platooning ist noch in der Testphase.
Bild: picture alliance/Bernd Settnik/dpa-Zentralbild/dpa
Also braucht man doch kein 5G? Frank Fitzek, Inhaber des Telekom-Lehr­stuhls für Nach­rich­tennetze an der TU Dresden, glaubt doch. In einem Beitrag für die Webseite car-it.com sagt er: „Ohne 5G wird man beim hoch auto­mati­sierten Fahren auf vieles verzichten müssen, auf Sicher­heit und auf zügiges Voran­kommen zum Beispiel.“

5G ermög­licht neue Anwen­dungen

Es gibt nämlich Anwen­dungen, bei denen der 5G-Stan­dard mit seinen kurzen Latenz­zeiten und seiner Ausfall­sicher­heit unab­dingbar scheint. Schon jetzt ein beliebter Show­case: Die Fern­steue­rung von Fahr­zeugen, bei der es auf mini­male Latenz­zeiten ankommt. Eine solche Steue­rung könnte wichtig bei einem Notfall werden.

Oder das Beispiel Stadt­verkehr: An Ampeln könnten die Fahr­zeuge durch 5G alle gleich­zeitig losfahren. Der Zieh­harmo­nika-Effekt wird vermieden und der Verkehrs­fluss opti­miert. Zumin­dest theo­retisch: Hand­gesteu­erte Oldtimer dürfen dann wohl keine mehr vor der Ampel warten.

Und damit diese Visionen wahr werden, muss 5G flächen­deckend verfügbar sein. Bis dahin wird es aber noch eine Zeit lang dauern. Eine Zeit, in der die Auto­konzerne auch weiterhin inno­vative Autos verkaufen wollen. Und die werden dann eben mit der verfüg­baren Technik ausge­rüstet werden. Es wird also wahr­schein­lich so kommen, wie Datler es prophe­zeit: 5G wird im Auto der Zukunft Einzug halten, aber nur als Ergän­zung zu bestehenden Systemen.

Mehr über die LTE- und WLAN-Technik für das auto­nome Fahren und den poli­tischen Streit dahinter können Sie übri­gens in einem weiteren Bericht lesen.

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