Rundfahrt

Probefahrt mit C-V2X: Wenn das Fahrrad das Auto bremst

Was in Deutschland auf der Autobahn A9 ausprobiert wird, stellte Telefónica gemeinsam mit Partnern im Industriegebiet von Barcelona vor: C-V2X mit 5G.
Auf Probefahrt in der 5G-Hauptstadt Barcelona war
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Dass in Barce­lona fast ausschließ­lich über 5G gespro­chen wird, ist nichts Neues. Neu hingegen ist, dass langsam deut­lich klarer wird, was 5G ist und was wir im Alltag damit anfangen können. teltarif.de durfte in einem mit 5G vernetzten „Connected“-Car der 5G-Barce­lona-Initia­tive mitfahren. Das war in diesem Falle ein SEAT Ateca (ähnlich VW Tiguan oder Skoda Kodiaq), der schon ein Bild­schirm-Display hat, wo norma­ler­weise noch mecha­nisch bewegte Tacho­na­deln den Fahrer infor­mieren.

Wir trafen uns im ACE Café in einem Indus­trie­ge­biet unweit des Messe­ge­ländes, wo sich sonst Tuning-Freunde treffen, um sich gegen­seitig ihre schi­cken Autos mit satt grum­melnden Motoren oder kleine Kunst­stücke auf dem Motorrad zeigen. Der weiße SEAT da fiel eher durch seine Beschrif­tung und eine unge­wöhn­liche Antenne auf.

Aufre­gende Fahrt „rund um den Block“

Der Fahrer hat den Stadtplan im Tacho. Droht Gefahr wird er akustisch gewarnt, das Auto bremst selbständig.
Der Fahrer hat den Stadtplan im Tacho. Droht Gefahr wird er akustisch gewarnt, das Auto bremst selbständig.
Wir fuhren „um dem Block“: An einer Fußgän­ger­ampel lief ein „lebens­müder“ Fußgänger genau in dem Moment über die Straße als sich unser Auto näherte. Ein schriller, sich wieder­ho­lender Piepton aus dem Arma­tu­ren­brett und das Auto löste eine Voll­brem­sung aus.

Achtung Fußgänger

Diese Verkehrsampel ist mit Sensoren ausgerüstet, die 5G-Fahrzeuge warnen können.
Diese Verkehrsampel ist mit Sensoren ausgerüstet, die 5G-Fahrzeuge warnen können.
Die Leser ahnen es, dieser Fußgänger gehörte zur Demons­tra­tion dazu. Im Mast der Fußgän­ger­ampel sind Sensoren einge­baut, die erkennen, wenn jemand über die Straße läuft, und geben dies per 5G an das vernetzte Auto weiter. Zum Einsatz kommt der C-V2X Stan­dard (Cellular Vehi­cles to Anything), der das Fahren auf der Straße sicherer machen soll, indem sich die Verkehrs­teil­nehmer gegen­seitig vor Gefahren warnen können, etwa glatte Straßen oder Verkehrs­hin­der­nisse. An der nächsten Kurve wieder ein Überweg, wo in toll­kühnem Timing ein Radfahrer die Straße über­querte. Auffal­lend sein an Militär erin­nernder Schutz­helm und eine kleine graue Box auf dem Fahr­rad­ge­päck­träger, darin (nicht sichtbar) ein 5G-Gerät, welches das heran­na­hende Auto vor der Gefahr warnte und die Brem­sung auslöste. Hinter der letzten Kurve ein Fahr­zeug mitten auf der Straße mit Warn­blink­an­lage, offenbar ein Pannen­fahr­zeug, eben­falls Teil der Demons­tra­tion.

Kopro­duk­tion von Telefónica und weiteren Part­nern

Neben dem spani­schen Netz­be­treiber Telefónica, der an dieser Stelle ein 5G (NonStan­dA­lone) Demo-Netz aufge­baut hat und in Spanien unter der Marke „Movistar“ bekannt ist, sind die „Mobile World Capital Barce­lona“, der Auto­her­steller SEAT (gehört zur Volks­wagen Gruppe), der Auto­mobil Zulie­ferer Ficosa, ferner das Forschungs­zen­trum CTTC (Centre Tecnològic Tele­co­mu­ni­ca­cions Cata­lunya), das Medi­en­un­ter­nehmen UPC (Liberty Global) und Netz­werk­aus­rüster Ericsson betei­ligt.

Hoch­prä­zise Navi­ga­tion notwendig

Der Radfahrer trägt einen stabilen Helm und hat ein 5G-Mobilgerät auf dem Gepäckträger, darüber wird das Auto "gewarnt".
Der Radfahrer trägt einen stabilen Helm und hat ein 5G-Mobilgerät auf dem Gepäckträger, darüber wird das Auto "gewarnt".
Die eben­falls betei­ligte Firma „i2CAT“ hat eine ultra-präzise Orts­be­stim­mungs-Lösung für Fahr­räder entwi­ckelt. Das ist wichtig, um vorher­sehen zu können, ob Kolli­si­ons­ge­fahr mit dem Fahrrad besteht. Das Unter­nehmen ETRA liefert „Stra­ßen­in­fra­struktur“ , welche die Verbin­dung zur Fußgän­ger­ampel ermög­licht. Von Ericsson kommt die Netz­technik und die Sende­sta­tionen und im Innern der Geräte arbeiten Chip­sätze von Qual­comm Tech­no­lo­gies.

Zum 5G-Projekt gehören zwei Dinge: Der C-V2X Stan­dard und das soge­nannte EDGE-Compu­ting, was nichts mit dem 2,5G-Stan­dard GPRS/EDGE zu tun hat, sondern beschreibt, dass die notwen­digen Computer am Rand (Edge) des Netzes stehen, um die Signal­lauf­zeiten so kurz wie möglich zu halten. Es wäre fatal, wenn die Warnung „Fußgänger“ erst über zig Server in Taka-Tuka-Land laufen und dann 100 ms später beim Auto ankäme, das könnte über das Leben oder die Gesund­heit des Fußgän­gers entscheiden.

4k Unter­hal­tung via 5G

Im Fahr­zeug können die Mitfahrer sich über Musik und Video­pro­gramme freuen, die über 5G über­tragen werden, was eine wesent­lich höhere Band­breite (z.B. 4K-Videos) und damit ruck­el­freien Empfang ermög­licht.

Die 5G-Barce­lona Initia­tive möchte die Stadt als „euro­päi­sches 5G-Refe­renz­zen­trum“ etablieren.

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