3G-Zukunft

Hinweise auf den UMTS-Abbau: Was ist dran?

Das 3G-Netz besteht nun seit bald 13 Jahren und scheint durch LTE und bald 5G würdige Nachfolger zu haben. Deshalb erörtern wir die Wahr­scheinlich­keit einer künftigen 3G-Abschaltung anhand aktueller Entwicklungen.
Von Andre Reinhardt
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Diskussionen um die Abschaltung von UMTSDiskussionen um die Abschaltung von UMTS Die dritte Mobilfunkgeneration (3G oder UMTS) wird hierzulande seit 2004 kommerziell betrieben und ist bei allen drei Netzbetreibern in einem Großteil Deutschlands ausgebaut. Aufgrund der – zumindest bei Telekom und Vodafone – nahezu flächen­deckenden LTE-Versorgung und dem Fokus auf 5G, wird die Zukunft von 3G jedoch hinterfragt. Wir erörtern in diesem Bericht die bisherigen Äußerungen der deutschen Netzbetreiber bezüglich einer möglichen UMTS-Abschaltung. Außerdem werten wir die Trends bei den Mobilfunkstandards aus, um abzuschätzen, in welchem Zeitraum wir in etwa mit einem 3G-Shut-down rechnen können.

Aktueller Marktwert von UMTS

Zwar drängen auch abseits der großen Netzbetreiber immer mehr Discounter-Angebote mit LTE-Funk auf den deutschen Markt, andererseits wird ein großer Teil der Vertrags- und Prepaid-Offerten noch mit 3G vertrieben. Telefónica hat mit seiner Marke o2 hierzulande seit September 2016 mit seinem Angebot o2 free ein Alleinstellungsmerkmal bei der verwendeten Drosselung: Normalerweise wird nach dem Aufbrauchen des LTE-Highspeed-Datenvolumens das mobile Internet auf GPRS mit wenigen Kilobit pro Sekunde gedrosselt, nicht so bei o2 free. Dank 1 MBit/s im UMTS-Netz von Telefónica lässt es sich auch nach Verbrauch des inkludierten Kontingents erträglich surfen.

Bei einer 3G-Abschaltung müsste das o2-Angebot entweder wegfallen, oder es würde auf eine gedrosselte LTE-Bandbreite gewechselt. Zum jetzigen Zeitpunkt ist ein reiner 4G-Einsatz beim mobilen Breitband von Telefónica aber kaum denkbar, da der Netzbetreiber der Konkurrenz in Sachen Flächenabdeckung deutlich hinterher hinkt. Auch bei der LTE-Bandbreite haben die Deutsche Telekom (bis zu 300 MBit/s) und Vodafone (bis zu 375 MBit/s) merkliche Vorteile gegenüber den 225 MBit/s von o2. Die Unternehmen aus Bonn und Düsseldorf könnten sich also beim hauseigenen Angebot noch eher eine 3G-Abschaltung leisten. Doch Anbieter wie congstar, die noch auf das UMTS-Netz der Telekom setzen und 1&1, die 3G-Allnet-Flats auf Vodafone-Basis offerrieren, hätten dann das Nachsehen.

LTE-Verfügbarkeit Stand Mitte 2016
LTE-Verfügbarkeit, Stand Mitte 2016

Telekom kommuniziert erstmals Details zum 3G-Abbau

Im Januar 2017 wurden Pläne bezüglich einer Abschaltung der HSPA- und UMTS-Netze seitens der Telekom publik. In den aktualisierten AGB des Netzbetreibers lässt sich unter dem Punkt 5.3 folgende Aussage finden: "Die dort aufgeführte Netztechnologie 3G (UMTS – Universal Mobile Telecommunications System – und HSPA – High Speed Packet Access) im Mobilfunknetz der Telekom ist – vorbehaltlich einer Verlängerung – nur bis zum 31.12.2020 verfügbar."

Dieser Eintrag dürfte dem 5G-Ausbau geschuldet sein, denn Telekom-Sprecher Niek Jan van Damme teilte bereits in einem Interview mit, dass es denkbar sei, UMTS-Frequenzen bei der fünften Mobilfunkgeneration zu nutzen. In einer Pressemitteilung vom 27. Januar wies der Bonner Netzbetreiber darauf hin, dass die AGB-Änderung in erster Linie auf einer rechtlichen Grundlage basiert. Es handele sich "um eine rechtlich notwendige, vorbereitende Maßnahme, um im Rahmen der Modernisierung des Mobilfunknetzes die Alternative einer Abschaltung bzw. der veränderten Nutzung der 3G-Frequenzen ab 2021 zu ermöglichen."

Was planen Vodafone und Telefónica hinsichtlich des 3G-Abbaus

Im Februar 2016 wurden Unterlagen von Vodafone mit dem Gedankenspiel "Shut down 3G" publik. Der Netzbetreiber verkündete damals, nachzuforschen, wo das 3G-Netz noch signifikant genutzt wird, und wo es durch 4G ersetzt werden könnte. Wie uns Vodafone jedoch mitteilte, würde es derzeit keine Pläne geben, GSM oder UMTS im eigenen Netz abzuschalten.

Das Unternehmen erklärt zudem, dass durch die via Netzmodernisierung an allen Basisstationen eingeführte Single-RAN-Technik die Frequenzen so eingesetzt werden könnten, wie sie der Verbreitung der Endgeräte entsprächen. Bei Telefónica gibt es zwar hinsichtlich der Abschaltung des GSM- und UMTS-Netzes noch kein Statement, allerdings scheint diese Maßnahme vor allem aufgrund von "o2 free" derzeit nur schwer vorstellbar.

UMTS-Verfügbarkeit, Stand Mitte 2016
UMTS-Verfügbarkeit, Stand Mitte 2016

Geben sich 5G und 3G die Klinke in die Hand?

Wenn es nach der Bundesnetzagentur ginge, sollte man die UMTS-Frequenzen für die fünfte Mobilfunkgeneration opfern. Hierzulande werden gepaarte Frequenzen im 2-Gigahertz-Band für den 3G-Funk genutzt. Verwendet werden kann das Spektrum 1920 bis 1980 Megahertz (Unterband) und 2110 bis 2170 Megahertz (Oberband). Bis Ende 2020 sind diese Kanäle dem UMTS-Funk zugewiesen. Laut Bundesnetzagentur würden sie sich für 5G eignen.

Die im Rahmen der digitalen Dividende II verfügbar gewordenen Bereiche, etwa 700 Megahertz, 26 Gigahertz und 28 Gigahertz, sollen jedoch ebenfalls pünktlich zum Start des 5G-Ausbaus bereitgestellt werden können. Es besteht zwar keine Notwendigkeit, bestehende 3G-Frequenzen für die Realisierung von 5G zu nutzen, dennoch dürften die Bänder in Zukunft mit dem Ausbau der fünften Mobilfunkgeneration dem Fortschritt zum Opfer fallen. Ein Anzeichen dafür ist der Hinweis in der Telekom-AGB.

Ab wann kommt das 3G-Netz in Bedrängnis?

Der Fahrplan beim 5G-Ausbau sieht vor, dass es eine kommerzielle Verfügbarkeit im Jahr 2020 geben soll. Erst 2025 wird schließlich mit einer flächendeckenden Abdeckung des neuen Mobilfunkstandards innerhalb Deutschlands gerechnet. Wer noch einen reinen UMTS-Tarif hat, muss aber zumindest bis Ende 2020 keine Befürchtungen haben, ohne Zugang zum mobilen Breitband dazustehen. Bei der Flächenabdeckung hat LTE den UMTS-Standard in Deutschland schon seit geraumer Zeit überholt.

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