Studie

Wird das iPhone wirklich mit jedem Update langsamer?

Seit Jahren wird spekuliert, dass Apple die Nachfrage nach neuen iPhones gezielt anfeuert, indem alte Modelle per iOS-Update künstlich verlangsamt werden. Futuremark hat sich der Frage angenommen - mit einem deutlichen Ergebnis.
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Apple iOSIst etwas dran, an dem Gerücht, dass iPhones mit jeder iOS-Hauptversion schlechter werden? Apple wird schon seit einigen Jahren vorgeworfen, die Möglichkeiten älterer iPhones und iPads mit den neusten Updates für das iOS-Betriebssystem künstlich auszu­bremsen. Dass manche Geräte die neuen Funktionen rein von der Hardware-Unterstützung nicht stemmen können ist logisch, Stichwort Siri, ARKit oder das neue HEIF-Bildformat.

Nun hat Futuremark, der Entwickler hinter dem beliebten Grafik­benchmark 3DMark, gezielt untersucht, ob an dieser Behauptung etwas stimmt. Dabei kamen verschiedene iPhone-Modelle zum Einsatz, die nacheinander mit iOS 9, iOS 10 und dem neuen iOS 11 getestet wurden. Das Ergebnis widerspricht dabei zum Teil sogar deutlich der Behauptung, dass iOS-Upgrades ältere Geräte künstlich beschränken würden.

Vielmehr ist, wenn überhaupt, nur ein vergleichsweise geringer Einfluss bei der ermittelten Leistung festzustellen. Anscheinend sind die Schwankungen so gering ausgefallen, dass sie sich auf die üblichen Abweichungen bei mehreren Benchmark-Durchläufen schieben lassen. Im Fall des iPhone 6 hat das Update von iOS 10 auf iOS 11 sogar ein deutlich messbares Plus an Leistung gebracht. Unterm Strich bleibt die Leistung eines iPhone oder iPad trotz etlicher iOS-Upgrades aber stabil.

Ursache für langsame iPhones

Trotzdem ist immer wieder zu beobachten, wie es kurz nach der Freigabe einer neuen Haupt­version von iOS zu einem Anstieg der Meldungen kommt, dass ältere Geräte langsamer geworden sind. Sehr schön zu sehen bei Google Trends, bezogen auf die vergangenen fünf Jahre rund um die Suchanfrage "iPhone slow" bei Google. Wann immer ein neues iOS-Upgrade zum Download bereit­stand, schlägt die Kurve zum Teil sehr deutlich aus, beginnend mit iOS 7 vom September 2013.

Insofern muss der Blick auf die Ursache woanders hin gelenkt werden. Und da kommen nach­träglich installierte Apps in den Fokus, sowie neue Funktionen von iOS selbst. Letztere werden im Laufe der Zeit einfach ressourcen­hungriger, was die langsamere Reaktion des Apple-Smartphones erklärt.

Insbesondere bei Apps von Dritt­anbietern kann es jedoch vorkommen, dass diese noch nicht auf die neue iOS-Version optimiert wurden und daher das Gefühl vermitteln, langsamer zu starten oder zu funktionieren. Aber auch eine Optimierung für neuere Geräte und damit das Vernachlässigen der älteren Modelle könnte eine Ursache sein, warum iOS-Nutzer denken, ihr iPhone oder iPad ist langsamer. Als Beispiel dafür lässt sich die neue API-Schnittstelle Metal 2 von iOS 11 heranziehen, deren Leistung verglichen gegenüber der ersten Metal-API deutlich zugelegt hat. Neue Effekte und die grund­legende Überarbeitung vorhandener Funktionen können dazu führen, dass noch nicht angepasste Spiele sich nach einem Firmware-Update spürbar anders verhalten. Sehr gut zeigt dies der nachfolgende Video­vergleich zwischen MacOS El Capitan und MacOS High Sierra.

Der psychologische Effekt des Neuen

Apple iOSWeder CPU- noch GPU-Leistung hat sich drastisch geändert Unterm Strich gibt es also keinen nachweisbaren Beleg dafür, dass Apple mit einem neuen iOS-Update die Leistung seiner älteren Geräte absichtlich einschränken würde, um den Wechsel auf die neusten iPhones und iPads gezielt zu forcieren. Stattdessen zeigt sich, dass Apple trotz der größeren Anzahl an Geräten ein nahezu konsistent bleibendes Leistungsniveau halten kann. Zumal Apple der einzige Hersteller ist, der Updates bis zu fünf Jahre nach dem Verkaufsstart garantieren und auch ausliefern kann.

Am Ende wirft Futuremark mit seiner Untersuchung einen interessanten und schlüssigen Gedanken in den Ring der Vorwürfe: Ist das subjektive Wahrnehmen eines langsamer werdenden Gerätes am Ende einfach nur psychologisch bedingt? Immerhin ist ein neues iPhone oder iPad deutlich leistungs­stärker verglichen zu dem Gerät, dass man selbst schon besitzt. Es könnte also letzten Endes auch nur eine Selbst­einbildung sein, dass vor dem eigenen Gewissen der Wechsel auf das neue Modell gerechtfertigt ist.

Denn eines ist auch sicher: Sollte Apple tatsächlich nach­gewiesen werden, dass ältere Geräte mit Absicht langsamer gemacht werden sollen per iOS-Update, wäre der Ärger der Kund­schaft nicht mehr zu bremsen. Schließlich kosten iPhone und iPad in den aktuellen 2017er Ausgaben nicht gerade wenig Geld. Das kommende iPhone X schießt mit 1149 Euro für das kleine Modell zudem den Vogel ab, was die Preis­explosion der neuen Super-Premium-Klasse anbelangt.

Lesen Sie in einem weiteren Beitrag, wie Sie den internen Speicher Ihres Smartphones entmüllen können.

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