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Texas Instruments: 3D ohne Brille

Spezielles Handy-Display bringt dem User vollen 3D-Genuss
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Sie werden vor allem als Kinderspielzeug produziert: Wackelbilder, die, aus verschiedenen Richtungen betrachtet, verschieden aussehen. Die einzelnen Teilbilder können so angeordnet sein, dass sie einen kurzen lustigen Film ergeben, wenn der Betrachter das Bild vor dem Auge bewegt. Man kann die Technologie aber auch verwenden, um 3D-Fotos wiederzugeben. Diese muss man aber aus genau dem richtigen Blickwinkel betrachten: Dann sieht das linke Auge das für es bestimmte "linke" Bild der 3D-Szene und das rechte Auge das "rechte" Bild. Blumen in 3D3D ohne Brille

Dasselbe Prinzip kann nach dem Chip- und DLP-Hersteller Texas Instruments auch für Handy-Displays verwendet werden. Auf diesen sind dann - richtigen Betrachtungswinkel vorausgesetzt - 3D-Bilder und -Filme ohne Brille anzeigbar. Auf dem Mobile World Congress 2010 in Barcelona zeigte Texas Instruments bereits einen Prototypen, von dessen 3D-Fähigkeiten wir uns überzeugen konnten. Da wir nur eine normale Kamera dabei hatten und auch die teltarif-Website nur in 2D ausgeliefert wird, ist der 3D-Effekt auf dem nebenstehenden Foto nicht sichtbar.

Prototyp weist noch Mängel auf

Ungünstig ist an dem Prototypen, dass man auf ihm das 3D-Bild nur dann auf voller Display-Breite wahrnehmen kann, wenn man diesen horizontal und in üblichem Leseabstand vor die Augen hält. Entfernt man sich weiter, ist nur ein Streifen in der Mitte 3D; am linken bzw. rechten Rand sehen dann hingegen beide Augen jeweils dasselbe Bild. Dreht man das Gerät von der horizontalen in die vertikale Position, ist gar kein 3D-Effekt mehr sichtbar.

Wahrscheinlich ist das Problem prinzipbedingt: Letztendlich wird von jedem Pixel eine eigene Trennlinie zwischen linkem und rechtem Bild ausgesendet. Der optimale Betrachtungsabstand ist dann derjenige, bei dem sich alle Trennlinien auf der Nasenspitze treffen. Befindet man sich weiter weg vom Display, kommen die Trennlinien dennoch am optimalen Betrachtungspunkt zusammen, laufen dahinter aber wieder auseinander. Insbesondere die von den äußeren Pixeln ausgehenden Trennlinien laufen dann am Gesicht vorbei, so dass dann beide Augen von diesen Pixeln jeweils dasselbe Bild sehen.

Herstellung des autostereoskopischen Displays ist beschränkt

Der zusätzliche Aufwand für die Herstellung dieser autostereoskopischen Displays soll sich laut Texas Instruments auf eine zweite Hintergrundbeleuchtung und einen speziell geformten Lichtleiter zur Verteilung des Lichts der beiden Beleuchtungen beschränken. Im 3D-Betrieb werden diese beiden abwechselnd eingeschaltet, wobei aufgrund der speziellen Form des Lichtleiters das eine Hintergrundlicht nur das "linke" und das andere nur das "rechte" Bild ausleuchtet. Das eigentliche TFT-Display muss eine Bildwiederholfrequenz von mindestens 120 Hz unterstützen; beide Teilbilder kommen dann auf jeweils 60 Hz.

Anders als bei 3D-Verfahren, die mit 3D-Brillen (passive Polarisationsfilter oder aktive Shutter) arbeiten, geht bei dem hier vorgestellten Verfahren nicht notwendigerweise Licht verloren. Es werden ja nicht erst die Bilder für beide Augen im Raum verteilt, aus denen die Brille dann für jedes Auge jeweils nur eines durchlässt. Das prädestiniert die autostereoskopische Technologie für den mobilen Einsatz. Auch die Einschränkung auf einen einzelnen Nutzer, dessen Gesicht sich am "sweet spot" befinden muss, um optimalen 3D-Genuss zu haben, ist für das persönliche Handy eher tolerabel als für einen Fernseher.

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