Jubiläum

30 Jahre World Wide Web: Ein Netz erobert die Welt

Nein, das Internet wurde nicht vor 30 Jahren erfunden, aber das World Wide Web: Was mit Webservern, Hypertext und Webbrowsern begann, war eine Revolution, die die weltweite Kommunikation umkrempelte.
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Sicher werden Sie heute in manchen Medien die Nachricht lesen, das Internet sei nun 30 Jahre alt: Das ist natürlich Unsinn, denn genau genommen wird das Internet in wenigen Tagen sogar schon 50 Jahre alt.

Aber was der britische Physiker und Informatiker Tim Berners-Lee am 12. März 1989 an der Forschungseinrichtung CERN in der Nähe von Genf vorstellte, hat unser Leben und die Art, wie wir kommunizieren, radikal verändert. Das "World Wide Web" ist aus dem modernen Leben nicht mehr wegzudenken.

Das Internet hatte sich schon seit 20 Jahren entwickelt

Erste dezentrale Computernetzwerke wurden bereits Ende der 1960er-Jahre entwickelt und gebaut. Zu Beginn der 1970-Jahre kamen die Dienste Telnet und FTP dazu und die E-Mail wurde entwickelt. Später kamen die TCP/IP-Protokollfamilie, das OSI-Modell, das Domain Name System (DNS) und das Usenet dazu. Erste kommerzielle Online-Dienste wie Compuserve und AOL machten es möglich, das Internet auch über Einwahlverbindungen außerhalb von Forschungseinrichtungen, Universitäten und staatlichen bzw. militärischen Organisationen zu nutzen. In Deutschland startete die Deutsche Bundespost am 1. September 1983 bundesweit mit dem Onlinedienst Bildschirmtext (Btx).

Ein echtes Massenphänomen war das Internet bis zum Ende der 1980er-Jahre aber nicht geworden: Vielen war es zu teuer, zu langsam und vor allem zu komplex zu bedienen. Obwohl es auch für private Anwender interessante Anwendungen wie Online-Banking, Chats, E-Mail oder Online-Shopping gab, war die Nutzung für viele Bürger unerschwinglich oder mit Text- und Code-Eingaben wie bei Btx zu "technisch".

Tim Berners-Lee am CERN in Genf
Tim Berners-Lee am CERN in Genf

Nebeneinander von freien und kommerziellen Standards

Auch Hypertext ist etwas, das Tim Berners-Lee nicht erfunden hatte. Die in den 1940er-Jahren entwickelte Idee wurde bereits in den 1960er-Jahren experimentell umgesetzt. Beim Hypertext ist der Text oder ein Textabschnitt mit einem Hyperlink hinterlegt. Klickt man diesen an, erhält man eine Seite mit weiterführenden Informationen. Hypertext ist also die Basis für netzförmig miteinander verbundene Textdokumente - und genau das wurde auch die strukturelle Basis für das World Wide Web.

Am 12. März 1989 stellte Tim Berners-Lee das Hypertext-System vor, das auf dezentralen Webservern abgelegt wird, auf die dann von einem Client-Computer aus zugegriffen werden kann. Die Hypertext-Informationen sind in der Sprache HTML abgefasst, eine Software namens Webbrowser bringt den übertragenen Code wieder in die gewünschte Darstellung inklusive Hyperlinks. Weitere Kennzeichen des neuen Standards waren das HTTP-Protokoll und der Uniform Resource Identifier (URI) als eindeutige Bezeichnung einer Ressource, die in Hyperlinks verwendet wird. Das CERN hat später die allererste Webseite des WWW wiederhergestellt.

Alle notwendige Software (Webserver, Webbrowser usw.) hatte Tim Berners-Lee noch selbst entwickelt. Zum großen Erfolg des World Wide Web hat übrigens beigetragen, dass Tim Berners-Lee oder das CERN sich keine dieser Erfindungen hat patentieren oder sonstwie schützen lassen. Das WWW konnte seinen Siegeszug also recht schnell antreten, was dazu führte, dass bald andere Entwickler und kommerzielle Unternehmen sich um Entwicklung von Browsern, Webserver-Software und Webseiten-Inhalten kümmerten.

Tim Berners-Lee gründete allerdings im Oktober 1994 am MIT Laboratory for Computer Science in Cambridge (Massachusetts) das World Wide Web Consortium (W3C) als offizielles Gremium zur Standardisierung der Techniken im World Wide Web. Sonst hätte die Gefahr bestanden, dass kommerzielle Firmen unzählige proprietäre Webstandards veröffentlichen und damit um die Vorherrschaft im WWW konkurrieren, was in den 1990er- und 2000er Jahren auch teilweise der Fall war. Das W3C entwickelte Standards wie HTML, XHTML, XML, RDF, CSS oder SVG, während kommerzielle Firmen Techniken wie JavaScript, Flash, Shockwave, Silverlight, PHP, Perl oder Ajax erfanden.

Screenshot der allerersten Webseite am CERN in Genf
Screenshot der allerersten Webseite am CERN in Genf

Weitere Entwicklungen bis heute

Dasselbe bunte Nebeneinander wie bei den standardisierten und proprietären Techniken gab es auch bald bei den eigentlichen Netzinhalten. Denn prinzipiell jeder, der sich Webspeicherplatz und eine Domain leisten konnte, hatte die Möglichkeit, mit seinen Informationen ins Netz zu gehen. Reguliert wurde lediglich die Vergabe der weltweit einheitlichen Domainnamen.

Das hat zur Folge, dass bis heute im Internet jeder alles publizieren kann, was er will, so lange er damit nicht straffällig wird. Schnell bildete das World Wide Web einen großen Marktplatz an Informationen, der bald auch durch stehende oder bewegte Bilder angereichert wurde. Ab Mitte der 1990er wurde es praktisch für jede Firma und Organisation weltweit zur Pflicht, im WWW mit einem Webauftritt vertreten zu sein, auch zahlreiche Privatpersonen nutzten die Chance und kreierten private Seiten. Ein erster Hype unter Investoren führte 2001 zum Platzen der ersten Dotcom-Blase - man konnte eben nicht in jedes beliebige Web-Startup investieren und hoffen, dass man damit über Nacht zum Millionär wird. Dass sinnvolle Dienste wie unabhängige Nachrichten und Tarifvergleiche aber über Jahrzehnte populär sein können, zeigt das Beispiel unseres über 20 Jahre alten Online-Magazins teltarif.de, dessen erster Newsletter am 25.01.1998 und dessen erste News-Meldung am 05.02.1998 publiziert wurden.

Ab 2002 war dann vermehrt vom "Web 2.0" die Rede, also von einem Internet, in dem Informationen frei zugänglich und auch mehr von den Nutzern selbst generiert werden. Ein erstes Ergebnis war der Erfolg des RSS-Formats für Nachrichten - und erste Blogs, also Web-Tagebücher, eroberten das Web. Aus dieser Zeit stammen auch Initiativen wie die freie Enzyklopädie Wikipedia. Später kamen mit den sozialen Netzwerken aber wieder kommerziell betreute Plattformen dazu, die nur auf den ersten Blick "kostenlos" sind und bei denen der Nutzer mit einer Preisgabe seiner privaten Daten "bezahlt".

Mit dem Erfolg internetfähiger Mobilgeräte wurde das Internet auch zunehmend mobil genutzt und ist damit heute aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken, wobei der Bezug zum Web mit seinen charakteristischen www-Adressen heutzutage vielen Nutzern, die nur noch Apps oder Suchmaschinen verwenden, kaum noch geläufig ist. Heutzutage gibt es wieder Jugendliche, denen man beibringen muss, wie man eine Adresszeile im Browser eintippt - für viele Internetnutzer ist mittlerweile eine Suchmaschine, ein soziales Netzwerk, eine App, ein vernetzter Fernseher oder ein Sprachlautsprecher der Einstiegsort fürs Internet geworden.

Alle Meldungen zum Internet finden Sie in unserer Meldungsübersicht zum Internet, außerdem haben wir zahlreiche Ratgeber zum Internet.

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