Unverständlich

1&1 bietet VDSL 250 mit inkompatiblem Modem an

Wer zu seinem (V)DSL-Anschluss beim Provider ein Modem mitbe­stellt, nimmt an, dass dieses auch zum Anschluss passt. Bei 1&1 ist das in mindes­tens einem Fall nicht so.

Anschluss und kostenfreier Router sind nicht voll kompatibel Anschluss und kostenfreier Router sind nicht voll kompatibel
Bild: 1und1, Screenshot: teltarif.de
Seit Abschaf­fung des Router­zwangs ist niemand mehr dazu gezwungen, für seinen Breit­band­an­schluss den vom Provider genutzten Router zu verwenden. Trotzdem ist es für manche Kunden bequemer, den Router vom Provider zu beziehen, entweder als Einmal­kauf oder zur Miete. Denn das hat mehrere Vorteile: Fällt der Router aus, ist der Provider für sofor­tigen Ersatz zuständig. Und man kann davon ausgehen, dass der Router auch zum gebuchten Anschluss kompa­tibel ist.

Die letzte Aussage ist bei einer Kombi­na­tion aus Anschluss und Router bei 1&1 aller­dings nicht zutref­fend. teltarif.de hat bei 1&1 nach­ge­fragt, warum der Provider bei der Online-Bestel­lung ein Modem anbietet, das gar nicht zum entspre­chenden Tarif passt.

Buchung eines optio­nalen Routers zum Tarif

Auf der Webseite von 1&1 gibt es kupfer­ba­sierte (V)DSL-Anschlüsse mit 16, 50, 100 und 250 MBit/s sowie den Glas­fa­ser­an­schluss mit 1 GBit/s im Angebot. Wie auch bei anderen Netz­be­trei­bern und DSL-Provi­dern steht nicht jede Geschwin­dig­keit bundes­weit zur Verfü­gung. Wer also einen gewissen Tarif buchen möchte, muss zuerst eine Verfüg­bar­keits­ab­frage für die entspre­chende Adresse durch­führen.

Beim 1&1 DSL 250 stößt man dabei auf ein verwun­der­li­ches Detail, auf das uns ein aufmerk­samer teltarif.de-Leser hinge­wiesen hat. Führt man für diesen Tarif die Verfüg­bar­keits­ab­frage mit einer Adresse durch, an der die Telekom als Netz­be­treiber sicher VDSL 250 anbietet, kommt man im nächsten Schritt zur frei­wil­ligen Buchung eines Routers.

Hier werden mehrere Optionen ange­boten. Das kabel­ge­bun­dene 1&1 DSL-Modem gibt es ohne Aufpreis zum Tarif. Für den 1&1 HomeServer (FRITZ!Box 7520) wird ein Aufpreis von 2,99 Euro pro Monat berechnet. Außerdem gibt es die Option für den 1&1 HomeServer+ (FRITZ!Box 7530) für 4,99 Euro oder den 1&1 HomeServer Speed+ (FRITZ!Box 7590) für 6,99 Euro Aufpreis monat­lich. Beim kabel­ge­bun­denen 1&1 DSL-Modem verschweigt der Provider zunächst aller­dings ein wich­tiges Detail. Anschluss und kostenfreier Router sind nicht voll kompatibel Anschluss und kostenfreier Router sind nicht voll kompatibel
Bild: 1und1, Screenshot: teltarif.de

Kunden­ser­vice bestä­tigt Inkom­pa­ti­bi­lität mit Anschluss

Laut Tarif­de­tails für den VDSL-250-Tarif ist das "1&1 DSL-Modem" wie gesagt ohne Aufpreis enthalten. Dem Leser kam die Ausstat­tung des Geräts aller­dings merk­würdig vor. Im offi­zi­ellen Produkt­da­ten­blatt wird ganz klar erwähnt, dass diese Modem keine WLAN-Basis­sta­tion hat und nur einen LAN-Anschluss hat, der zudem nur 10/100 Base-T Ethernet unter­stützt, aber kein Gigabit-LAN.

Da der Kunde keinen unnö­tigen Aufpreis bezahlen wollte, aber nicht sicher war, ob das Modem wirk­lich am VDSL-250-Anschluss funk­tio­niert, fragte er bei der Kunden­be­treuung nach. Dort wurde ihm über­ra­schen­der­weise versi­chert, dass damit kein VDSL 250 nutzbar sei, also eben kein Super-Vecto­ring. Er könne damit den Anschluss nur mit maximal 100 MBit/s nutzen.

1&1 bietet also zusammen mit einem Tarif im ersten Bestell­schritt eine Hard­ware an, die die tech­ni­sche Maxi­mal­ge­schwin­dig­keit dieses Anschlusses gar nicht unter­stützt und mit der somit der Vertrag gar nicht erfüllbar ist, ohne diese Einschrän­kung in den Tarif-Infos und im Produkt­da­ten­blatt zu erwähnen. Man erfährt offenbar erst am Ende des Bestell­pro­zesses davon. Wer den Tarif mit dem 1&1 DSL-Modem bestellt, surft also tatsäch­lich nur mit 100 MBit/s Maxi­mal­ge­schwin­dig­keit.

1&1 äußert sich zum Problem

Auf die Proble­matik ange­spro­chen, schreibt eine Spre­cherin von 1&1 an unsere Redak­tion:

Alle von uns vertrie­benen Router-Modelle können prin­zi­piell für alle Tarife verwendet werden, unter­scheiden sich aber hinsicht­lich ihrer tech­ni­schen Spezi­fi­ka­tionen. Falls aufgrund der Anschluss­technik beson­dere Eigen­schaften gefor­dert sein sollten, stellt 1&1 sicher, dass der Kunde ein hierfür erfor­der­li­ches Gerät erhält. 1&1 Kunden steht es zudem frei, einen anderen als den mitge­lie­ferten Router zu verwenden. Im Rahmen einer tele­fo­ni­schen Bestel­lung kann ein 1&1 DSL-Tarif auch ohne Hard­ware bestellt werden.

Konkret zum 1&1 DSL-Modem: Es ist korrekt, dass das Modem (FRITZ!Box 7412) kein Super­vec­to­ring unter­stützt und deshalb für einen 1&1 DSL 250 Tarif nicht geeignet ist. Wählt der Kunde im Bestell­pro­zess bei diesem Tarif das Modem aus, so bekommt er einen auf die Anschluss­tech­no­logie abge­stimmten Router (ohne Aufpreis) zuge­sandt, mit dem er seinen Anschluss optimal nutzen kann.

teltarif.de hat gegen­über 1&1 ange­regt, auf das Anbieten des 1&1 DSL-Modems zu diesem Tarif zu verzichten, um Miss­ver­ständ­nisse auszu­schließen. Nicht nach­voll­ziehbar ist, dass der Kunde auf die Möglich­keit, auch zu diesem Tarif einen kompa­ti­blen Router zu erhalten, im ersten Bestell­schritt gar nicht hinge­wiesen wird - hier kostet der 1&1 HomeServer (FRITZ!Box 7520) ein Aufpreis von 2,99 Euro pro Monat. Im Sinne der Trans­pa­renz sollte die kosten­freie Buchungs­mög­lich­keit zu diesem Tarif an dieser Stelle bereits erwähnt sein.

Liefert tatsäch­lich der von Ihnen gebuchte Breit­band­an­schluss nicht die verspro­chene Geschwin­dig­keit? In einem sepa­raten Ratgeber erläu­tern wir, wie Sie sich dagegen wehren.

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